Von Torsten Richter-Zippack

Das Licht ist aus an den Biotürmen in Lauchhammer und dem benachbarten Bergbau-Reliktepark. Seit Mitte Oktober hat der Stromversorger EnviaM dem Betreiber den Strom abgestellt. „Fällige Zahlungen sind nicht geleistet worden“, begründet Envia-Sprecher Stefan Buscher. Über die Höhe der Stromschulden will er nicht sprechen. Es soll sich um eine vierstellige Summe handeln.

Traditionsverein versteht die Sperre nicht

Für Konrad Wilhelm, den Vorsitzenden des Traditionsvereins Braunkohle Lauchhammer, der sowohl den Reliktepark betreibt als auch in den Biotürmen Führungen anbietet, ist die Stromsperre „unverständlich“. Und weiter: „Ich bin selbst Elektriker und fassungslos, was hier passiert. Wir haben der gemeinnützigen Biotürme GmbH immer unser Stromgeld überwiesen.“

Wilken Straatmann vom Unternehmen bestätigt, dass tatsächlich ein größerer Stromrechnungsbetrag aufgelaufen sei. „Allerdings wurde uns aufgrund von Schätzungen zu viel in Rechnung gestellt.“ Entsprechende Gespräche mit dem Stromversorger liefen. Den größten Teil des Stroms verbrauche ohnehin der Betrieb des Relikteparks. In den Bio­türmen befinde sich hingegen nur eine Art Notbeleuchtung, bestehend aus energiesparenden LED-Leuchten.

Kein Bekenntnis von Lauchhammer zu den Biotürmen

Straatmann lobt auf der einen Seite das ehrenamtliche Engagement des Traditionsvereins Braunkohle, bemängelt andererseits das seiner Ansicht nach geringe Interesse der Stadt: „Lauchhammer hat für die Biotürme noch nie einen Finger krummgemacht. Ich habe jetzt eine bestimmte Summe für den nächsten Haushalt beantragt. Mal sehen, ob das genehmigt wird.“ Der Unternehmer fügt an, dass er sich ein klares Bekenntnis der Kunstgussstadt zu den Biotürmen wünsche.

Stadtsprecher Heiko Jahn sagt, dass sich das Rathaus seit dieser Woche mit dem Traditionsverein bemüht, eine kurzfristige Ersatzlösung zu finden. „Damit wird sichergestellt, dass die Stromversorgung in Kürze wieder gewährleistet ist“, kündigt Jahn an.

Reliktepark soll 2012 erweitert werden

Konrad Wilhelm erklärt indes, den Saisonabschluss mit einem Notstromaggregat überbrücken zu wollen. „Wir sehen die Montage einer eigenen Stromeinspeisung vor“, so Wilhelm weiter. Das sei schon deshalb notwendig, weil der Reliktepark mittelfristig erweitert werden soll. So sei geplant, den Dieselgleisrücker aus Kleinleipisch nach Lauchhammer-West zu holen. Die Erweiterung solle im Jahr 2021 erfolgen. Dazu müsse von der Stadt am sanierten Kokerei-Areal zunächst Baurecht geschaffen werden.

Seit der Eröffnung der Biotürme für Besucher im Sommer 2008 haben rund 22 000 Gäste die einstige Klärwasserreinigung besichtigt.