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| 11:39 Uhr

Hundesteuer: Firma soll Fährte aufnehmen

Senftenberg.. Ungefähr 15 000 Euro, schätzt Kämmerin Teresa Melzer, gehen der Stadt in jedem Jahr verloren, weil Hundehalter ihre vierbeinigen Freunde nicht angemeldet haben. Den Steuerprellern auf die Schliche zu kommen ist bis dato fast Glückssache. Wenn Mitarbeiter vom Ordnungsamt bei ihren Rundgängen nicht zufällig Kläffern ohne Marke über den Weg laufen, können Herrchen und Frauchen unbehelligt Steuern sparen. Nicht mehr lange. Im Herbst müssen sich säumige Hundebesitzer warm anziehen: Die Stadt will eine Firma damit beauftragen, unangemeldete Tiere aufzuspüren. Von Dörthe Hückel


Wenn die professionellen Hundesucher in die Spur gehen, dann hat das Methode: Sie durchkämmen die Wohnblocks systematisch, klingeln an jeder Haustür. Lauschen auf Gebell, achten auf kleinste Anzeichen, fragen Nachbarn aus. Um ungefähr 40 Prozent würde die Quote der zahlenden Hundehalter steigen, wenn sie ihre Arbeit getan hat, verspricht eine Firma, die der Stadt kürzlich ein Angebot unterbreitet hat. „Das halte ich für ganz schön hochgegriffen“ so Finanz-Chefin Melzer, „aber auch, wenn nur jeder dritte Hunde nicht angemeldet ist, würde sich die Investition lohnen.“ 500 Hunde – das entspräche rund 15 000 Euro, die jährlich auf der Einnahmeseite vom Stadthaushalt stehen. Im Moment sind in Senftenberg 1500 Hunde gemeldet, davon 930 in der Stadt. Kein unerheblicher Posten im Haushalt: Ungefähr 50 000 Euro kommen so zusammen.

Kampfhunde richtig teuer
31 Euro müssen die Besitzer für ein Tier löhnen. Wer mehr als einen Vierbeiner hält, muss ein Stück tiefer in die Tasche greifen: 61 kostet der zweite, happige 82 Euro der dritte und jeder weitere. Richtig teuer wird es für Herrchen und Frauchen, wenn ihr Liebling zu der Liste der als gefährlich eingestuften Hunde gehört: 358 Euro müssen dann in jedem Jahr an die Stadtkasse überwiesen werden. Bei den meisten gefährlichen Rassen kommen die Halter aber mit einem Attest davon. Wenn der Gutachter dem Hund bescheinigt, dass er keine größere Gefahr darstellt als beispielsweise ein Dackel, dann gelten die ganz normalen Sätze.
Bei einigen Rassen – American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Terrier und Tosa Inu – hilft auch kein Attest: Die Hunde gelten als unwiderlegbar gefährlich. 22 solcher Artgenossen sind in Senftenberg gemeldet, so Andre Nickel vom Ordnungsamt. Der Boom der Kampfhunde sei aber seit drei, vier Jahren vorbei, hat er beobachtet. Das hänge vor allem mit der verschärften Hundehalterverordnung aus dem Jahre 2000 zusammen: Vertreter von Rassen, die in jedem Fall als gefährlich gelten, dürfen seitdem nicht mehr gezüchtet werden.
Dass es wirklich nur so wenige Kampfhunde in Senftenberg gibt, da ist Teresa Melzer skeptisch. Denn nur selten werden die Sünder erwischt. „Unsere Außendienstmitarbeitern gucken natürlich auch auf die Plaketten, aber explizit sind wir dafür nicht zuständig“ , räumt Nickel vom Ordnungsamt ein. Wenn seinen Kollegen aber doch ein Fiffi ohne Marke über den Weg läuft, dann würde das Steueramt selbstverständlich informiert.

Im frühen Herbst geht es los
Im frühen Herbst will Teresa Melzer nach einer Ausschreibung die günstigste Firma auf die Hunde-Fährte schicken. Auch wenn sie optimistisch ist, dass die Zahl der Anmeldungen dann stark ansteigen wird – Reibach könne die Stadt damit nicht machen. Im ersten Jahr werden die Mehreinnahmen für das Honorar draufgehen.

Hintergrund
Hundesteuer

 Bis zur Eingliederung war die Hundesteuer in der Kreisstadt noch fast doppelt so hoch: 51 Euro waren für einen Hund fällig. Nach dem Zusammenschluss musste eine einheitliche Lösung gefunden werden. Die Stadtverordneten orientierten sich zugunsten der Hundehalter an den niedrigen Steuersätzen in den Ortsteilen. Rund 20 000 Euro würden dadurch verloren gehen, hat Kämmerin Melzer ausgerechnet. Darum schließt sie nicht aus, dass die Steuer steigt. „2004 wird es definitiv noch keine Erhöhung geben, aber danach gibt es keine Garantie.“