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| 12:35 Uhr

Großes Interesse an der Senftenberger Feuerwehr
Andrang überrascht Kameraden

Die historischen Feuerwehren sind ein Hingucker am Tag der offen Tür und werden von Groß und Klein begutachtet.
Die historischen Feuerwehren sind ein Hingucker am Tag der offen Tür und werden von Groß und Klein begutachtet. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Die Senftenberger Feuerwehr hat zum Blick hinter die Kulissen eingeladen. Der Umzug mit historischen Fahrzeugen lockte Hunderte Gäste an. Top-Thema waren auch die Reifenlager-Brände. Von Peter Aswendt

Das Martinshorn bei der Senftenberger Feuerwehr ertönte dieses Mal nicht aufgrund eines Einsatzbefehls, sondern zum großen Staunen der vielen Kinder, die mit ihren Eltern in einer langen Schlange vor der Feuerwache in der Briesker Straße standen und auf eine der begehrten Mitfahrgelegenheiten mit den Einsatzfahrzeugen warteten. Grund für dieses außergewöhnliche Angebot war der Tag der offenen Tür der Senftenberger Feuerwehren am Samstag. Schon um 10 Uhr ging es mit einem Umzug historischer Feuerwehrfahrzeuge durch die Stadt. Anlass waren das 140-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr und der 70. Geburtstag der Berufskollegen. Dass dann schon am Vormittag der Andrang der neugierigen Besucher groß war, überraschte selbst Stadtbrandmeister Frank Albin: „Der Umzug hat wahrscheinlich die vielen Gäste zu unserer Veranstaltung angelockt“, zeigte er sich erstaunt. Neben den zahlreichen Versorgungsständen waren die ausgestellten Löschfahrzeuge und die vielen Mitmach­aktionen heiß begehrt.

Dass die Feuerwehr die vielen kleinen Besucher begeisterte, steht außer Frage. Aber auch die große Bastelstraße hatte es den kleinen Besucher angetan. Kenny Lenzek (4) aus Senftenberg kam stolz mit einem selbst gebastelten Schiff aus der Feuerwache. Er war gemeinsam mit seiner Mutter sowie Oma und Opa gekommen. Aber auch die Traditionsfeuerwehr aus Brieske hatte regen Zuspruch. Mit einem Löschparcours aus kleinen Häuserwänden, Wippen und Leitern konnte sich der Nachwuchs beweisen. Dass zwischen den Traditionskameraden und den kleinen Flitzern meist zwei Generationen dazwischen lagen, war stellenweise nicht zu spüren.

Viele Kameraden nutzten die Gelegenheit, um nach diesem harten Jahr durchzuschnaufen. Sebastian Bonk, Ortswehrführer der Feuerwehr in Großkoschen war mit Sohn Lennox (2) und Nichte Emmelie (2) in der langen Schlange bei den Mitfahrten zu finden: „Ich will mal zeigen, womit der Papa im Einsatz ist“, lacht er. Dass er beim Brand des Reifenlagers stellenweise 48 Stunden nicht bei seiner Familie sein konnte, möchte er damit wieder etwas gut machen. Im Übrigen ist der ehrenamtliche Feuerwehrmann froh, dass nicht mehr passiert ist: „Die Wetterlage war sehr günstig, da gab es nicht so viel Probleme mit dem Wind, aber die Lösch­wasserzuführung war schon sehr kompliziert“, erzählt er.

Stadtbrandmeister Frank Albin hat dazu eine pragmatische Antwort: „Das Gelände ist kein Stadtgebiet, dadurch sind dort keine Hydranten installiert.“ Auf den naheliegenden Hubschrauberlandeplatz des ADAC angesprochen, weiß er auch eine Antwort: „Die internationalen Vorschriften im Flugwesen schreiben vor, dass mit Pulver gelöscht wird, das Wasser dient eher der Kühlung, deshalb waren eben nur die notwendigen Möglichkeiten der Wasserentnahme vorhanden.“ Er stellt aber auch gleichzeitig klar, dass genug mobile Wasserkapazitäten vorhanden waren. Dass während der zwei Brände im Reifenlager insgesamt circa 450 Brandbekämpfer im Einsatz waren und zehn Kilometer Wasserschläuche verlegt wurden, beeindruckte aber auch den Stadtbrandmeister.

Die Flammen des brennenden Reifenlagers leuchteten im übertragenen Sinne bis München. Marita Seemann, Mutter des Senftenberger Ortswehrführer Sebastian Seemann, die in München lebt, verfolgte das Geschehen aufmerksam: „Wenn es in den Nachrichten deutschlandweit zu sehen ist, dann ist es ein ernster Fall, da macht man sich schon Sorgen, dass alles gut geht.“ Sie nutzte einige Tage Urlaub, um ihren Freundinnen die Wirkungsstätte ihres Sohnes zu zeigen.

Für Sebastian Seemann war es bis jetzt ein anstrengendes Jahr: „Wir haben sonst im Jahr knapp 80 Einsätze. In diesem Jahr sind wir schon im September bei 100 Einsätzen angelangt.“ Auch der extreme Unfall in Schwarzheide oder der Einsatz in Treuenbrietzen sind für den Brandmeister nicht alltäglich. Zu den zahlreichen Einsätzen des Jahres gehörte auch der Kellerbrand im Niemtscher Weg.

Sebastian Seemann nutzte die vielen Gespräche des Tages, um aufzuklären: „Die Menschen sollte in ihren Wohnungen bleiben und Fenster und Türen schließen“, so der Brandmeister. „Menschen, die wild hin- und herrennen, behindern uns. Außerdem belüften wir die Treppenaufgänge, um die Rauchgase rauszudrücken. Offene Wohnung behindern den Abzug“, erläuterte er.