Hunderte freie Jobs können allein im Süden des Landkreises sofort besetzt werden. Von Festanstellungen mit 40 Wochenstunden bis hin zu Teilzeitbeschäftigungen ist alles dabei. Gesucht werden vom Gärtner über den Landwirt bis hin zum Stahlbauschlosser, Erzieher, Koch, der Rechtsanwalts-Fachangestellten und der Sozialarbeiterin sehr viele Fachkräfte, aber auch Helfer.

Christiane Köhler aus Ruhland reicht schon ein Arbeitsplatz. Die Heilerziehungspflegerin möchte nach der Elternzeit wieder in ihren erlernten Beruf zurückkehren. Nicht nur sie bedauert, dass die meisten Arbeitgeber nicht mal antworten, geschweige denn die nicht ganz billigen Bewerbungsunterlagen behalten.

Drei arbeitsuchende Herren informieren sich nebenan an den Tafeln mit Stellenangeboten für Baugeräteführer und Kraftfahrer im Nahbereich. "Ich habe 15 Bewerbungen abgeschickt, aber nur zwei Antworten erhalten. Und die waren auch noch negativ", sagt einer. Nach Jahren der Montagetätigkeit möchte er in der Heimat bleiben. Weite Wege würden sich wegen der oft nicht all- zu hohen Löhne nicht rechnen.

Der Andrang bei den Beratern hält den ganzen Vormittag an. Bis 10.30 Uhr werden rund 120 Frauen und Männer gezählt. "Das ist sehr gut", sagt Steffi Wagner. Die Arbeitsvermittlerin vom Jobcenter Lauchhammer registriert mit einer Kollegin die Ankommenden. Viele der ALG I- und ALG II-Empfänger sind auf die Jobbörse schriftlich hingewiesen worden.

Die Gründe für die mittlerweile rund 4500 freien Stellen im Agenturbezirk Cottbus sind nach Auskunft von Heike Kuhl, amtierende Leiterin der Geschäftsstelle Senftenberg, vielfältig. Immer weniger junge Leute rücken als Auszubildende in die Handwerksberufe nach. Nicht selten seien die Schulnoten zu schlecht für die Anforderungen der Arbeitgeber. Allerdings sei die Abwanderung der Haupt- und Realschüler aufgrund der Angebote in der Heimat so gut wie gestoppt.

Bei den unbesetzten Jobs spiele der Lohn eine wichtige Rolle. "Das Niveau hat sich in den gefragten Berufen schon nach oben bewegt", stellt die Fachfrau fest. Mit dem Mindestlohn sei kaum mehr ein Facharbeiter zu locken. Rückkehrwillige erst recht nicht.

Madlen Förster (27) aus Schwarzheide hat sich bei Arbeitsvermittler Jan Zimmermann Tipps für eine noch bessere Bewerbung geholt. "Es hat sich einiges geändert. Ich werde meine Unterlagen jetzt umschreiben", sagt die gelernte Kauffrau im Einzelhandel.

Jan Zimmermann hat die Seiten gewechselt. Der ehemalige Personalreferent in einem multinationalen Unternehmen weiß, worauf seine ehemaligen Kollegen achten. Beim Lebenslauf sollte das Neueste oben stehen, die Schulzeit unten. Keine Lücken im Lebenslauf. Zeiten der Arbeitslosigkeit begründen. Rechtschreibfehler gehen gar nicht, ebenso nach Zigarettenrauch riechende Unterlagen auf billigem Papier. Anstelle standardisierter Passbilder seien heute durchaus individuelle Porträtfotos gefragt, gern auch in branchenüblicher Kleidung. Denn eine Bewerbung sei für Personalchefs auch eine Gefühlssache. Die Mühe werde mit größeren Chancen bei der Auswahl belohnt.

Die Jobtour von Arbeitsagentur und Jobcenter haben in Lauchhammer 335 Personen aufgesucht, darunter elf Rückkehrwillige. Es wurden 288 Vermittlungsvorschläge ausgehändigt.

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Das sind die weiteren Stationen der Jobtour im Landkreis: am 1. März in Calau (Haus der Begegnungen), am 8. März in Senftenberg (Großer Ratssaal im Rathaus), am 15. März in Lübbenau (Großer Saal im Rathaus) und am 5. April in Großräschen (Kurmärkersaal), jeweils von 9 bis 16 Uhr, in Senftenberg bis 17 Uhr. Als Service werden in Senftenberg und Lübbenau mitgebrachte Bewerbungsunterlagen überprüft.