Das Verhältnis zwischen Bürgermeisterin Doris Bodack (CDU) und Ort rands Amtsdirektor Kersten Sickert sowie einigen Abgeordneten scheint derzeit zerrüttet. Gemeindevertreter Klaus Höhnel beruft sich auf die große Bürgermehrheit. 350 wahlberechtigte Kroppener hätten inzwischen mit ihrer Unterschrift die Bauabsichten der LSL-Rhein-Main-Geflügelvermehrungsbetriebe GmbH aus dem hessischen Dieburg am Radweg nach Frauendorf abgelehnt. „Wir werden die Protestlisten nach außen wirksam übergeben“ , kündigte Klaus Höhnel an.
Weiter eskaliert ist der schwelende Konflikt im Dorf nach der „denkwürdigen“ Sitzung des Kroppener Hauptausschusses vor zwei Wochen. Ohne die Bürgermeisterin und den Amtschef zu informieren, hatte Ausschussmitglied Höhnel die damalige Beratung kurzfristig aus dem Fachwerkhaus in den Saal der Gaststätte verlegt. Mit dieser Aktion habe Höhnel gegen geltendes Gemeinderecht verstoßen, rügte Amtschef Sickert. „Ich habe den Hauptausschuss allein deshalb nicht abgesagt, weil auch LSL-Geschäftsführer Georg Gronbach nach Kroppen eingeladen war“ , hatte Bürgermeisterin Doris Bodack bereits vor 14 Tagen gegenüber der RUNDSCHAU betont.
Klaus Höhnel wiederum wirft der Dorfchefin und dem Amtsdirektor vor, sie hätten den nunmehr verhinderten Versuch gestartet, das einmütige Votum der Gemeindevertretung vom 10. Mai gegen den Bau des Großstalls auf Kroppener Territorium zu „untergraben“ . Schon am 16. Mai habe der Hauptausschuss den einschränkenden Beschluss gefasst, erst nach dem Eingang eines Genehmigungsantrages von LSL einen Anwalt zu konsultieren. „Ich war Mitte Mai im Urlaub“ , wittert Höhnel daher taktische Erwägungen. „Bürgermeisterin und Amtsdirektor haben sich nicht wirklich an die Spitze der ablehnenden Bürgerfront gestellt. Dies hätte ich aber erwartet.“
Bürgermeisterin Doris Bodack verglich die Stimmungslage in der Gemeindevertretung am Mittwoch mit der Meuterei auf der „Bounty“ . „Wir haben uns doch bemüht, für aufklärende Informationen zu sorgen. Deshalb war der Investor doch auch vor zwei Wochen im Hauptausschuss anwesend.“ Amtschef Kersten Sickert verwahrte sich gestern am RUNDSCHAU-Telefon gegen den Vorwurf, er sei keine „neutrale Person“ mehr.
Das Kreisplanungsamt in Calau habe ihm Mitte der Woche schriftlich versichert, dass bisher kein Bauantrag für einen Kroppener Hennenstall im OSL-Landratsamt vorliegt. „Dennoch ist die Entscheidung der Kroppener Gemeindevertretung sinnvoll, vorsorglich einen Beratungstermin mit einem versierten Rechtsanwalt zu vereinbaren“ , sagte Sickert. Ob die LSL-Pläne zur Errichtung eines Legestalls zur Produktion von Eiern für die Herstellung von Grippe-Impfstoffen für Kroppen überhaupt noch spruchreif sind, ist unklar. Die Investoren wollten sich gestern nicht äußern. Nach den Worten von Amtschef Sickert hatte LSL-Geschäftsführer Georg Gronbach vorige Woche angekündigt, dass die hessische Firma wahrscheinlich auf eine Ansiedlung im Amt Ortrand verzichten werde.

Info zum Thema 13 Monate im Gespräch
 Eine Kroppenerin äußerte in der Bürgerfragestunde die Befürchtung, dass die Abstimmungen zwischen der Firma LSL und hiesigen Fachämtern zum Bau von drei geschlossenen Großställen im Landkreis weiter vorangeschritten sein könnten als gedacht. Nach Auskunft von Landrat Georg Dürrschmidt (CDU) gab es schon im Mai 2006 erste Arbeitsgespräche mit dem Landesumweltamt, dem kreislichen Umweltamt, den Denkmalschützern und anderen Stellen. Im November 2006 habe LSL dann mit Agrarunternehmen eine weitgehende Einigung zum Flächenkauf und zur Entsorgung des Hühnerkots erzielt.