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| 17:54 Uhr

Neuer Wirtschaftsförderer
Unternehmersohn im Rathaus

 Seit einem halben Jahr ist Clemens Lehmann Wirtschaftsförderer in Senftenberg.
Seit einem halben Jahr ist Clemens Lehmann Wirtschaftsförderer in Senftenberg. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Clemens Lehmann aus Hoyerswerda ist der neuer Wirtschaftsförderer in Senftenberg. Er will engen Kontakt zu Firmen herstellen. Von Torsten Richter-Zippack

Senftenberg und Hoyerswerda gelten als die beiden Hauptstädte des Lausitzer Seenlandes. Nicht selten wird diskutiert, welcher der beiden Orte der wirtschaftlich attraktivere sei. Pikant: Seit einem halben Jahr ist der Hoyerswerdaer Clemens Lehmann Wirtschaftsförderer im Senftenberger Rathaus. Sein Vergleich der beiden Orte fällt diplomatisch aus: „Jede Stadt hat ihr Für und Wider.“

Inzwischen hat der 29-Jährige zahlreiche Senftenberger Unternehmen besucht, allerdings noch längst nicht alle. Schließlich sind in der Seestadt rund 1300 Firmen gemeldet, die über 12 500 versicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten. Das aktuellste Projekt des neuen Wirtschaftsförderers ist die Ansiedlung der Schwarzheider Puralis GmbH, eines Kunststoffherstellers, der im Gewerbegebiet Marga in Brieske 70 neue Arbeitsplätze angekündigt hat. „Mit dem Geschäftsführer und Eigentümer pflege ich einen sehr guten Kontakt“, erklärt Clemens Lehmann.

Auch sonst scheint die Senftenberger Wirtschaft gut aufgestellt. Während seiner ersten Firmenbesuche, so berichtet Lehmann, habe ihm kein einziger Unternehmer bescheinigt, dass es seinem Betrieb schlecht ginge. „Unsere Unternehmen schauen alle positiv in die Zukunft“, resümiert der 29-Jährige.

Clemens Lehmann muss es wissen, kommt er doch selbst aus einer Familie der Selbstständigen. „Mein Vater führt einen Handwerksbetrieb in Hoyerswerda, mein Bruder eine Firma in Dresden.“ Das Hineinwachsen in gewerbliche Strukturen war ein wesentliches Kriterium bei seiner Einstellung als Wirtschaftsförderer im Februar 2019, merkt der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) an. „Wir wollten jemanden, der jung ist, viele Ideen hat und aus einer Unternehmerfamilie kommt“, sagt das Stadtoberhaupt.

Darüber hinaus passe auch Lehmanns Ausbildung ideal. Der gelernte IT-Systemkaufmann hat ein Masterstudium in Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden im Herbst 2018 erfolgreich abgeschlossen. Schwerpunkte waren zum einen Energietechnik, zum anderen das Management klein- und mittelständischer Unternehmen (KMU).

Die KMU bilden in Senftenberg das Rückgrat der Wirtschaft. Deshalb sind für Clemens Lehmann enge Kontakte zu den Firmeninhabern unabdingbar. Darüber hinaus werde derzeit in Senftenberg über einen Citymanager diskutiert. Dieser solle sich in erster Linie um die Belange der Einzelhändler in der Innenstadt kümmern. „Der Bedarf ist zweifelsohne vorhanden“, weiß Clemens Lehmann aus vielen Gesprächen. Konkreter soll es im Jahr 2020 werden, dann gebe es eine entsprechende Beschlussvorlage für die Stadtverordneten.

Großen Wert legt der Wirtschaftsförderer ebenso auf die Fortführung des kommunalen Förderprogramms für gewerbliche Unternehmen. Firmen mit maximal zehn Festangestellten können aus dem 100 000-Euro-Topf Investitionen in ihre Betriebsstätten beantragen. Neun Zehntel der Summe seien bereits bewilligt, die übrigen 10 000 Euro folgen.

Auch der Strukturwandel in der Lausitz ist für den Hoyerswerdaer ein großes Thema. Allerdings sei Senftenberg davon nicht so stark betroffen als seine Heimatstadt und weitere Kommunen der Region. Der Grund: „Hier gibt es weniger vom Bergbau abhängige Unternehmen“, sagt Lehmann.

Bürgermeister Fredrich ergänzt, dass in Senftenberg der Strukturwandel im Großen und Ganzen bereits vollzogen sei. Die Stadt habe sich in den vergangenen drei Jahrzehnten so rasant von der Bergbau- zur Seestadt verändert, dass sie kaum mehr wiederzuerkennen ist. „Dabei haben wir stets auf unsere kleinen und mittelständigen Unternehmen geschaut“, sagt Fredrich. Tourismus sei zwar ebenfalls wichtig, aber dessen wirtschaftliche Bedeutung werde meist ziemlich deutlich überschätzt.

Allerdings gab es auch Rückschläge. Als einen der größten Einschnitte bezeichnet Fredrich den Weggang des Bergbau- und Energiekonzerns Vattenfall nach Cottbus vor rund anderthalb Jahrzehnten. „Diesen Verlust hatte in unserer Stadt jeder Bäcker, jeder Friseur und jedes Blumengeschäft gespürt.“

Derzeit wird das künftige maritime Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer erschlossen. Ansonsten sind Gewerbeflächen in Senftenberg knapp. Lediglich im Gewerbepark Marga in Brieske gebe es noch eine größere Fläche. Da für dieses Areal eine Genehmigung für Industriebauten existiert, solle dort auch entsprechendes Gewerbe angesiedelt werden, erklärt Clemens Lehmann. Darüber hinaus sei ein weiterer, rund 7,7 Hektar großer Gewerbestandort am Briesker Kreisel, Stichwort ehemaliger Praktiker-Baumarkt, machbar.

Der Senftenberger Wirtschaftsförderer kündigt indes an, auch weiterhin Hoyerswerdaer bleiben zu wollen. „So wahre ich mir immer eine gewisse Distanz. Dann kann meiner Arbeit nur gut tun.“

 Seit einem halben Jahr ist Clemens Lehmann Wirtschaftsförderer in Senftenberg.
Seit einem halben Jahr ist Clemens Lehmann Wirtschaftsförderer in Senftenberg. FOTO: Torsten Richter-Zippack