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| 08:00 Uhr

Ärger beim Ausbau der Ortsdurchfahrt Hosena
Straßenausbau riegelt Grundstücke ab

Die Anwohner Gerhard Lehmann, Ingrid Welfert, Joachim Müller und Gabriele Serbe beklagen die vorübergehende Nichterreichbarkeit ihrer Grundstücke während der Baumaßnahme.
Die Anwohner Gerhard Lehmann, Ingrid Welfert, Joachim Müller und Gabriele Serbe beklagen die vorübergehende Nichterreichbarkeit ihrer Grundstücke während der Baumaßnahme. FOTO: Richter-Zippack
Der Ausbau der Ortsdurchfahrt sorgt bei Anwohnern in Hosena für Frust. Laut Behörden ist aber alles im Plan. Von Torsten Richter-Zippack

„Schauen Sie sich mal um. Wir sind komplett abgeriegelt. Wir kommen nicht mehr auf unsere Grundstücke und auch nicht mehr heraus. Das ist doch ein Theater“, schimpft Joachim Müller aus Hosena. Mehr noch: „Die Mitarbeiterinnen vom Pflegedienst müssen aufgrund der Baustelle jetzt fast zwei Kilometer zu Fuß gehen, um ihre Patienten erreichen zu können. Und wie bitteschön sollen hier im Notfall Feuerwehr und Rettungsdienst durchkommen?“ Müller spricht von einem einzigen Chaos. Anlass bildet der grundhafte Ausbau der Hosenaer Ortsdurchfahrt (Landesstraße 58).

Konkret meint der Anwohner den Abschnitt zwischen dem Abzweig Feldstraße und der Bäckerei Fechler. Betroffenen seien etwa 20 Gehöfte. Tatsächlich gab es dort in der vergangenen Woche kein Durchkommen. Selbst Fußgänger mussten sich schmal machen, um sich ihren Weg zu bahnen. „Man hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Gerhard Lehmann, ebenfalls betroffener Anwohner. Allerdings: „Die Arbeiter vor Ort geben sich wirklich größte Mühe.“ Das vermeintliche Chaos hätten wohl andere zu verantworten, vermuten die Anwohner.  Ortsvorsteher Hagen Schuster kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. „Alle Betroffenen sind rechtzeitig darüber informiert worden, dass sie ihre Grundstücke zwischen dem 3. und dem 12. Dezember mit Fahrzeugen nicht erreichen können. Und was Rettungsdienst und Feuerwehr angeht, gibt es konkrete Regelungen, wie jedes einzelne Gehöft im Notfall erreicht werden kann.“ Gleichzeitig beklagt Hagen Schuster, dass bei den Bauberatungen, die jeden Mittwoch stattfinden, kaum Hosenaer mit dabei seien. Jeder Betroffene könne sich dort nach dem aktuellen Stand der Maßnahme erkundigen. Schuster resümiert, dass es „absolut unverschämt“ sei, was die Leute jetzt behaupten. Von Chaos und Bauverzug könne keine Rede sein.

Die zuständige Baufirma Matthäi aus Freienhufen hat laut eigenen Recherchen bereits Anfang November auf Infozetteln, die an die betroffenen Haushalte verteilt worden waren, auf die kommenden Einschränkungen hingewiesen. Selbst eine Übersichtskarte der gesperrten Abschnitte fehlt nicht. Ingmar Daßler von der Firma Matthäi sagt. dass die Asphaltarbeiten im besagten Abschnitt in der vergangenen Woche abgeschlossen wurden. Bis Donnerstag (20.12.) sollen die Nebenanlagen hergerichtet werden. Anschließend sei die Ortsdurchfahrt für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis zur Wiederaufnahme der Bauarbeiten im neuen Jahr passierbar. Für den Durchgangsverkehr bleibe die Trasse allerdings auch über den Winter tabu. Die großräumige Umleitung bestehe weiterhin.

Auch Torsten Wiemer vom Landesbetrieb Straßenwesen als Bauherr der Ortsdurchfahrt kann keine Schwierigkeiten erkennen. „Die für das Jahr 2018 geplanten Arbeiten wurden planmäßig umgesetzt. Selbst der Asphalt erfuhr noch seine Einarbeitung. Es gibt keinen Bauverzug.“ Letztendlich seien die Anwohner rechtzeitig über die zeitweilige Nichterreichbarkeit ihrer Grundstücke informiert worden. Die Gesamtmaßnahme Ortsdurchfahrt Hosena solle im kommenden Jahr vollendet werden.

Allerdings haben die Anwohner noch mehr Kritik. Insbesondere die innerörtliche Umfahrung der Baustelle bereite ihnen Bauchschmerzen. Diese befindet sich tatsächlich in einem löchrigen, pampigen Zustand. „Jedes Mal, wenn ich dort durchfahren muss, kann ich mein Auto komplett waschen“, sagt Gerhard Lehmann. Mit diesem Punkt kann auch Ortsvorsteher Hagen Schuster mitgehen. „Da hätte man wirklich mal reagieren müssen.“ Allerdings hätten manche Autofahrer inzwischen eine weitere Umfahrung der Baustelle für sich entdeckt. Allerdings verläuft diese Trasse zwischen Grünem Weg und Eigenheimweg über Privatland. Laut Schuster gibt es sogar Leute, die sich über den ebenfalls schlechten Zustand beschweren, obwohl sie den Weg illegal benutzen. „Ich hätte volles Verständnis, wenn die jeweiligen Flächeneigentümer die Trasse dicht machen würden.“

Nach Angaben der Stadt Senftenberg, die in die Baumaßnahme L 58 involviert ist, erfolgen regelmäßig Ausbesserungsarbeiten an der offiziellen innerörtlichen Umfahrung. „Für eine regelmäßige Kontrolle und Reparaturen ist die bauausführende Firma beauftragt worden. Die jüngste Reparatur hat es am 13. Dezember gegeben“, sagt Stadtsprecher Andreas Groebe.

Die Arbeiten an der Sanierung der Ortsdurchfahrt Hosena hatten bereits im Februar 2017 mit der Fällung der dortigen Alleebäume begonnen. Im Sommer begann dann der eigentliche Straßenbau auf dem insgesamt zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Ortseingang aus Richtung Lauta und dem Abzweig Johannisthaler Straße. Im Vorfeld der Maßnahme hatte es eine Einwohnerversammlung gegeben.

Indes hoffen manche Anwohner noch immer auf die einst heiß diskutierte Sachsenmagistrale zwischen der Autobahn 13 bei Ruhland und Hoyerswerda. „Diese Trasse würde unseren Ort massiv entlasten“, sagt Joachim Müller. Laut Bundesverkehrswegeplan ist die sogenannte Sachsentrasse allerdings nicht mehr enthalten.