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Denkmalschutz
Seltene Holzblockhaus-Baustelle brummt

Mit dem Holzblockhaus in Lieske wird eine Rarität historischer dörflicher Architektur der Niederlausitz restauriert. Die Zimmerer Edelbert Niedan, Andreas Lüttich, Hans-Georg Nowotna und Uwe Beier (v.l.n.r.) kommen flott voran.
Mit dem Holzblockhaus in Lieske wird eine Rarität historischer dörflicher Architektur der Niederlausitz restauriert. Die Zimmerer Edelbert Niedan, Andreas Lüttich, Hans-Georg Nowotna und Uwe Beier (v.l.n.r.) kommen flott voran. FOTO: Steffen Rasche
Lieske. Der Rettungsplan für ein etwa 300 Jahre altes Wohngebäude der Wenden greift. Zimmerermeister Edelbert Niedan aus Krieschow restauriert das einmalige Anwesen im Lausitzer Seenland mit erfahrenen Handwerker-Kollegen. Von Kathleen Weser

Auf einem besonderen Hof in Lieske am Sedlitzer See, der viele Jahre dem hart an der historischen Substanz nagenden Zahn der Zeit schutzlos ausgeliefert war, sind jetzt Experten am Werk. Das einzigartige wendische Holzblock-Wohnhaus, das etwa 300 Jahre alt sein soll und als absolute regionale Rarität dörflicher Architektur in Südbrandenburg gilt, wird restauriert.

Zimmermeister Edelbert Niedan aus Krieschow ist dafür mit erfahrenen Kollegen seiner Zunft angerückt. Die haben zwar mit der elektrischen Säge und dem Kran zum Einheben der wieder flott gemachten Holzbalken auch moderne Technik mitgebracht. Der Wiederaufbau der abgetragenen ersten Schotholz-Haushälfte, die besonders gelitten hat, aber erfolgt vollständig in der alten Bauweise. Und das ist ganz nach dem Geschmack des  federführenden Handwerkers. Denn Edelbert Niedan ist Spezialist für Holzblock-Häuser. Im Spreewald ist er vor allem aktiv. Die Baustelle in Lieske, am Tor der Oberlausitz, ist besonders herausfordernd.

Etwa die Hälfte der alten Vierkant-Balken der Außenwände ist hinüber. Denn das Fundament des alten Hauses hatte um mehr als 50 Zentimeter nach- und die Nässe dem Holz damit den Rest gegeben. Die defekte Dachentwässerung hatte den Schaden noch größer gemacht. „Diese Haushälfte ist deshalb nicht im Bestand zu restaurieren“, bestätigt der Fachmann. Dach und Balken wurden restlos abgetragen. Und der Maurer ist abgetaucht, um das Fundament zu erneuern und die typischen Feldsteine des Kellers akkurat neu aufzusetzen. „Gute Arbeit“ bescheinigt Edelbert Niedan dem Vorgängergewerk mit einem zufriedenen Lachen. Denn die Zimmerer können jetzt topp darauf aufbauen.

Die ersten vier Holzbalken-Lagen, die das denkmalgeschützte Schrotholz-Wohnhaus wieder aus der Erde heraus wachsen lassen, sind nagelneu und vor Ort maßgefertigt. Aus robuster Kiefer, echtem Qualitätsholz auch in der Lausitz. „Die Kiefer hat einen hohen Harzanteil und eine große Dichte“, erklärt Edelbert Niedan. Auf trockenen Kiesböden wachse der Baum sehr langsam und bilde so enge Jahresringe. Das ist hervorragend für ein langes Leben der eckigen Blockbalken, die aus den gewaltigen Rundstämmen geschnitten worden sind. Die Wände entstehen in einer weitestgehend selbsttragenden Konstruktion. Die Balken werden nur über exakt ausgearbeitete Kreuz-Ecken sicher verbunden. Hier und da werden noch Holznägel aus massiver Eiche verbindend wirksam. Doch Schrauben und andere metallene Helfer sind auf dieser Großbaustelle ebenso wenig zu erspähen wie der gewöhnlich allgegenwärtige Akku-Schrauber. Edelbert Niedan und die Zimmerer-Helfer schwingen lediglich den sanften Hammer, um den nächsten Balken der alten neuen Giebelwand, der siebeneinhalb Meter misst, auf dem Vorgängerblock zu platzieren. Und auch dieser Holzbalken sinkt vom Kran eingehoben und gemeinschaftlich abgelegt allein durch das Eigengewicht und leicht schlagender Nachhilfe vorbildlich in die vorbereitete längliche Vertiefung im Holz, die Nut. Der Meister ist sichtlich zufrieden. Die jeweils zur Hälfte der Balkenhöhe versetzt aufgestapelten Hölzer liegen exakt und sind über die Kreuz-Ecken fest verbunden. Frisches und sichtbar uraltes Holz greifen perfekt ineinander. Einige der historischen Schrotholzbalken sind zwar vom Pilz befallen, aber noch zu retten. Den Sporen, die sich nur mit Wärme und Feuchtigkeit entwickeln, wird die Nässe entzogen.  Das in der Gegend einzigartige Haus wird erhalten. Eigentümerin Cornelia Schnippa, Gästeführerin im Lausitzer Seenland, will es für jedermann zugänglich machen. Das gelingt dank fließender Spenden für das „Denkmal in Not“ - und der versierten Handwerker. Und die Zeichen stehen schon gut, dass auch die zweite Haushälfte mit der guten Stube im nächsten Jahr restauriert werden kann.