Das Landesamt für Umwelt (LfU) verschließt sich der Nutzung Lausitzer Tagebauseen als Hochwasserspeicher. Diesen Vorwurf haben Senftenberger Wasser- und Bergbauexperten während einer öffentlichen Infoveranstaltung zu diesem Thema erhoben. Mehr noch: „Diese Behörde sagt, dass die Restlochkette zwischen Senftenberg und Hoyerswerda niemals für die Aufnahme von Hochwasser und die Abgabe von Wasser in Trockenzeiten vorgesehen war. Das ist eine Lüge“, erklärt der frühere Bereichsleiter Brandenburg der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), Walter Karge. Bei der Präsentation Ende Februar im Ruhlander Zollhaus war indes kein Vertreter des LfU zugegen. „Müssen wir auch nicht“, lässt Behördensprecher Thomas Frey ausrichten: „Es besteht keine Notwendigkeit, an einer Privatveranstaltung teilzunehmen, zu der hinlänglich bekannte und zudem längst widerlegte Positionen vorgetragen werden.“

Frey weist darauf hin, dass es sich beim Projekt Hochwasserrückhalt in Tagebauseen um ein Großvorhaben handele, welches in das sehr komplexe System der Bergbaufolgelandschaft eingebunden sei. Dort gebe es mannigfaltige Probleme, beispielsweise bei der Wassergüte, der Wassermenge und der Standsicherheit. „Gleichzeitig sollen die Seen der Niedrigwasserbewirtschaftung dienen, ebenso touristischen Zielen. Das Projekt führt zu großen Baumaßnahmen auf sächsischer Seite, die mit hohen Kosten verbunden sind. Diese Komplexität wird von den Protagonisten der jüngsten Infoveranstaltung meist sehr vereinfacht dargestellt.“

Das Landesamt für Umwelt trage dagegen die Verantwortung für ein umsetzbares, sicheres und finanziell planbares Projekt. Nicht zuletzt spielen dabei auch die Zuarbeiten weiterer Behörden sowie hochspezialisierter Firmen hinein. Im Einzelnen wurden dazu sechs Untersuchungen beauftragt. Dabei geht es unter anderem um die Geohydraulik, die Bewirtschaftung des Niedrigwassers, das Speicherpotenzial im Hochwasserfall und die Gewässergüte. Darüber hinaus befindet sich eine Kosten-Wirksamkeit-Analyse in Arbeit. Die einzelnen Studien werden im Laufe dieses Jahres vollendet. Über den möglichen Hochwasserrückhalt in den Tagebauseen will das LfU bereits in der nächsten Sitzung des Senftenberger Bauausschusses am 27. März informieren. Im Herbst sollen die entsprechenden Ergebnisse so weit vorliegen, dass über das weitere Vorgehen entschieden werden könne, kündigt Thomas Frey an.

Das gesamte Vorhaben ist durch das Land Brandenburg zum Nationalen Hochwasserschutzprogramm des Bundes gemeldet worden. Für die Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Brandenburg und Sachsen gegründet. Ohnehin, so heißt es aus dem Landesamt für Umwelt, dienen die Tagebauseen bereits heute als Wasserspeicher. Als Koordinatorin fungiert die Flutungszentrale Lausitz der LMBV in Senftenberg. „Gerade im Supersommer 2018 konnten verheerende Auswirkungen des ausbleibenden Niederschlages nur durch eine Bewirtschaftung der Speicher hinsichtlich Wassermenge und Wassergüte verhindert werden“, erklärt Thomas Frey. Mehr noch: „Vor diesem Hintergrund sind die gegen das Land gerichteten Vorwürfe der mangelnden Zusammenarbeit und Abstimmung mit Sachsen geradezu wirklichkeitsfremd.“

Letztendlich sei durch sämtliche Behörden die Nutzung der Tagebaugewässer als Speicher nie in Frage gestellt worden. Die Restlochkette zwischen Senftenberger und Spreetaler See umfasse ein Gesamtvolumen von rund 60,5 Millionen Kubikmeter. Deren Speichernutzung sei genehmigt und werde praktiziert. Letztendlich seien auch die Überleiter von der Schwarzen Elster in die Tagebaugewässer, beispielsweise in den Senftenberger und in den Neuwieser See, für die Flutung der Speicher und der Ausleitung von Wasser in Dürrezeiten errichtet worden.

Die Bewirtschaftung der Restlochkette sehe derzeit einen möglichst langen maximalen Einstau in die Speicher vor. Dieses Verfahren habe positive Auswirkungen auf das Wasservolumen, das für Trockenzeiten bereitgehalten wird, ebenso für die Gewässergüte und die touristische Nutzung. Eine kurzfristige Entlastung vor einem Hochwasser sei hingegen technisch nicht möglich, da in diesem Fall der Normalstau abgesenkt wird. Grund: Der Stauraum für das Hochwasser müsse dauerhaft bereitgestellt werden. Derzeit würden Varianten einer dauerhaften Absenkung der Speicherlamellen zugunsten eines größeren Rückhalts für Hochwasser untersucht. „Eine Speichernutzung für Hochwasser stellt Anforderungen an Bauwerke und Bewirtschaftung, die derzeit weder baulich noch rechtlich vorgesehen sind“, erklärt Thomas Frey.