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| 21:05 Uhr

Bergbausanierung
Hochkippe als Scharnier im Seenland

Hier besichtigt LMBV-Revierförsterin Katja Lehmann eine bereits gesicherte Böschung der Schipkauer Hochkippe.
Hier besichtigt LMBV-Revierförsterin Katja Lehmann eine bereits gesicherte Böschung der Schipkauer Hochkippe. FOTO: Steffen Rasche / Lausitzer und Mitteldeutsche Ber
Schipkau. Die bergmännische Sanierung der Schipkauer Hochkippe geht ins Finale: Über die künftige touristische Nutzung machen sich die Schipkauer auch bereits Gedanken. Von Torsten Richter-Zippack

Wer vom Senftenberger zum Bergheider See möchte, hat die Wahl. Entweder er nimmt die rund 30 Kilometer lange Strecke über Kostebrau und Lauchhammer. Oder aber die fast gleichlange Distanz über Annahütte und Klingmühl. Direkt vom Senftenberger zum Bergheider See geht es hingegen nicht. Das wären keine 20 Kilometer. Doch westlich von Schipkau türmt sich seit Ende der 1970er-Jahre die Hochkippe wie eine Wand auf. Dort wurde der Abraum des Tagebaus Klettwitz verkippt. Die Barriere wollen die Schipkauer jetzt bezwingen, denn die Gelegenheit, so sagen sie, sei günstig. Schließlich wird die Hochkippe derzeit durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) saniert.

Eine Riesenchance, findet Reinhard Herrmann von der Initiative „Lebendiges Schipkau“. Die Ende 2016 ins Leben gerufene, etwa 20-köpfige Gruppe hat ein siebenseitiges Konzept zur Gestaltung der Hochkippe entworfen. Kernpunkt, so ergänzt Cornelia Müller, ebenfalls von der Initiative, sei eine künftige Scharnierfunktion der Kippe zwischen dem Senftenberger See im Osten und dem Bergheider See im Westen. Gelänge es, die Aufschüttung touristisch zu nutzen, hätte die ganze Region gewonnen. Neben einem Wegesystem, das direkt vom Schipkauer Ortszentrum auf die Kippe führt, wollen die Pro­tagonisten mehrere Aussichtspunkte etablieren. Immerhin können vom „Schipkauer Balkon“ größere Teile von Nieder- und Oberlausitz überblickt werden. Darüber hinaus sei die Erinnerung an die überbaggerten Schipkauer Ortsteile Vogelberg und Kolonie sehr wünschenswert, sagen Cornelia Müller und Reinhard Herrmann. Schließlich habe es sich nach Bückgen/Großräschen-Süd um die zweitgrößte Umsiedlung der DDR gehandelt. Rund 2000 Menschen mussten ein neues Zuhause finden. Die Umsiedlung habe letztendlich auch zum Entstehen des Schipkauer Neubaugebietes geführt.

Nicht zuletzt verfolgen die Pro­tagonisten auch außergewöhnliche Ideen, beispielsweise ein begehbares Windrad auf der Kippe. Dort befinden sich ja größere Windparks. An einem der Türme sei eine Aussichtsplattform durchaus vorstellbar. „In Westdeutschland gibt es Beispiele, dass Windräder von Touristen bestiegen werden können“, sagt Cornelia Müller. Laut dem Konzept wurde ein solches Projekt bereits in den 1990er-Jahren mit Kosten von 300 000 D-Mark beziffert.

Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, favorisiert die Hochkippen-Sanierung mit touristischem Mehrwert. „Interessant wäre die Idee eines begehbaren Windrades auf jeden Fall. Der Standort und das Windrad würden sicher für die entsprechende Nachfrage sorgen.“

Inzwischen hat die Initiative den Schipkauer Gemeinderäten sowie der Verwaltung ihre Ideen vorgestellt. Dort, so beklagen die Mitglieder der Initiativgruppe, würden ihre Vorstellungen verhalten aufgenommen.

„Aus Sicht der Gemeinde muss gesagt werden, dass sich die Ideen der Gruppe häufig ändern, teils inhaltlich/zeitlich unrealistisch sind. Zudem wird übersehen, dass auf der Kippe die Bergaufsicht gilt und es einen Eigentümer gibt“, erklärt Bauamtsleiter Martin Konzack. Der Landesforstbetrieb als Flächeneigentümer weist außerdem darauf hin, dass auf der Kippe größere Kiefernschonungen wachsen. Dort müsse besonders der Waldbrandschutz beachtet werden. Auch dieser Aspekt schränke eine breite öffentliche Nutzung ein.

„Gemeinsam mit LMBV und Forstbetrieb verständigten wir uns natürlich darauf, das frühere Wanderwegesystem wieder herzustellen“, kündigt Bürgermeister Klaus Prietzel an. „Insofern ist also gesichert, dass die Schipkauer zukünftig wieder die Aussicht über ihren Ort genießen können.“

Darüber hinaus, so ergänzt ­LMBV-Fachmann Michael Matthes, seien Trockenmauern und Findlinge bereits im Zuge der eigentlichen Sanierung umgesetzt worden. Das Anlegen eines Teiches mit einer Fläche von 1700 Quadratmetern im Südbereich erfolge noch.

Die bergmännische Sanierung der Hochkippe ist laut der LMBV noch nicht abgeschlossen. Für dieses Jahr, so erläutert Projektmanager Frank Sauer, stünden im Nordteil des Areals noch die Düngung sowie die Ansaat auf den meliorierten Böden an. Im Süden erfolge die Erarbeitung eines Verdichtungsnachweises, aus dem weitere Sanierungsschritte abgeleitet werden können. Wann die Kippe wieder freigegeben wird, könne erst nach der Bewertung des Sperrbereiches, der voraussichtlich bis zur Jahresmitte 2018 vorliege, gesagt werden.