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| 16:41 Uhr

Naturschutzbeirat im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Hobby-Historiker kämpft für mehr Toleranz

Mitunter zieht es Udo Kittan hoch hinaus. So etwa in Palästina, wo er als Vorstandsmitglied des international operierenden Vereins „Dialog der Kulturen“ einem Bauern im Westjordanland beim Reparieren seines Viehferchs hilft, oder bei der Turmbekrönung der Petershainer Kirche, im Beisein von Pfarrer Hans-Christoph Schütt (l.) am 14. Dezember 2017.
Mitunter zieht es Udo Kittan hoch hinaus. So etwa in Palästina, wo er als Vorstandsmitglied des international operierenden Vereins „Dialog der Kulturen“ einem Bauern im Westjordanland beim Reparieren seines Viehferchs hilft, oder bei der Turmbekrönung der Petershainer Kirche, im Beisein von Pfarrer Hans-Christoph Schütt (l.) am 14. Dezember 2017. FOTO: Uwe Hegewald
Neupetershain. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche: Udo Kittan (Neupetershain). Von Uwe Hegewald

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Wäre dieser Satz während der Bundestagsrede am 1. Juli 1995 nicht von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017) geprägt worden, würden lokale Kenner diesem womöglich Udo Kittan zuschreiben. Als Geschichtshüter, Initiator oder Ideengeber hat er sich ebenso einen Namen gemacht wie als Moderator von selbst ausgearbeiteten Vorträgen. Über 100 Zuhörer strömten kürzlich zum „Tag des offenen Denkmals“ in die Petershainer Dorfkirche, um sich von Udo Kittan etwas zum Inhalt der vergoldeten Kirchturmkugel erzählen zu lassen.

Im Zuge der Sanierung des Kirchturmes ist diese zuerst gesichert und geöffnet worden und nach Sichtung der Dokumente sowie deren digitalem Erfassen wieder mit erweitertem Inhalt auf die Kirchturmspitze gehievt worden. Die RUNDSCHAU berichtete seinerzeit von der spektakulären Turmbekrönung bei Schneesturm und Gewittergrollen. Klar, dass es sich der Hobby-Historiker trotz widrigster Wetterverhältnisse nicht nehmen ließ, die Momente bis zum Schluss zu begleiten. Zumal in den 56 Blätter umfassenden Unterlagen aus den zurückliegenden 300 Jahren auch der Name Kittan erwähnt ist. Im Zusammenhang mit der Neueindeckung des Kirchendachs 1901, wo Unterzeichner eines Dokuments die Namen des damaligen Pfarrers Kuhnke, einer Person namens Friedrich und des Kirchenältesten Ernst Heinrich Kittan hervorbringen. „Der letzte Windmüller im Dorf und mein Urgroßvater“, so Udo Kittan, der sich mit der Bezeichnung Ortschronist etwas schwer tut. „Mit den Personen, die alle Geschehnisse in ihren Orten akribisch und oft detailliert notieren, kann ich mich nicht vergleichen“, begründet er. Was nicht heißen soll, dass sich der Unternehmer in der Automobilbranche nicht Geschichtlichem hingezogen fühlt.

Und Petershain, als Mutterdorf des erst Ende des 19. Jahrhundert aufblühenden Neupetershain, ist von Historie geradezu übersät. Unter www.petershain-niederlausitz.de ist alles Wissenswertes zum Dorf zusammengefasst, das 1346 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Als Autor der Beiträge werden Leser fast immer den Namen Udo Kittan entdecken. Hinzu kommen 16 Blätter „Aus der Dorfgeschichte von Petershain“ die sich explizierten Themen widmen: Ortsgründung, Rittergut, Flurnamen, Dorfkirche – oder die Feuersbrunst von 1935. Zehn Jahre später brannte das an der damaligen Reichsstraße 169 gelegene Petershain erneut. „Als im April 1945 der Ausbruch eingekesselter deutscher Einheiten in unserer Gemarkung endete, lagen die sogenannten Todeswiesen voller Leichen. Während des Zweiten Weltkriegs verloren über 300 Neupetershainer auf den Schlachtfeldern und in der Heimat ihr Leben. Das sind zehn Prozent aller Einwohner“, mahnt er.

Doch woher stammt sein Interesse für das Stöbern und Graben in Vergangenem? „Ich war schon als Kind geschichtsinteressiert, habe mich im Jugendalter für ägyptische Hieroglyphen oder russische Geschichte interessiert und war unserem Geschichtslehrer überaus dankbar, als er mich und einen Mitschüler bei der Abschlussarbeit der zehnten Klasse aufforderte: Ihr macht Ortsgeschichte“, blickt Udo Kittan zurück. „Irgendwie bin ich dabei geblieben“, so der Petershainer, dem 2011 für sein langanhaltendes Wirken in der Gemeinde Neupetershain der Bürgerpreis des Amtes Altdöbern verliehen wurde. Sein Engagement nur auf die Gemeinde und auf Geschichte zu reduzieren, wird dem Kfz-Ingenieur nicht gerecht. „Ich sehe mich schon als politisch interessierten Menschen, will wissen und verstehen, was gesellschaftlich passiert“, sagt er.

Dabei ist es ihm wichtig, sich bei Bedarf eine zweite Meinung einzuholen und sich auch Argumente andersdenkender Personen anzuhören. In den Monaten der politischen Wende war das am „Runden Tisch“ in Neupetershain der Fall, aber auch im Vorstand des Vereins „Dialog der Kulturen“ mit Sitz in Berlin. „Seit Jahren bemüht sich unser Verein, dass Menschen verschiedener Religionen, Weltanschauungen und Nationen miteinander ins Gespräch kommen, Vorurteile abbauen und sich gegenseitig respektieren. Schwerpunkt bildet der Nahe Osten, wo Misstrauen, Ignoranz, Hass und Gewalt auf der Tagesordnung stehen“, so Udo Kittan, der im Verein als Schriftführer tätig ist (www.Dialog-der-Kulturen.de ). Auf seinen Reisen in den Nahen Osten habe er ein Bild erfahren, das sich von dem unterscheidet, was in den hiesigen Medien zu sehen ist. Darüber hinaus ist der Petershainer Mitglied der „Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde“, die jährlich zu Frühjahrs- und Herbsttagungen bittet.