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| 15:00 Uhr

Wetter
Hitzewelle sucht die Lausitz heim

Außergewöhnlich bei der derzeitigen Trockenheit: Einn Bovistpilz mit einem Rekordgewicht von 2,5 Kilogramm wurde am 20. Juli in der Pulsnitzniederung gefunden.
Außergewöhnlich bei der derzeitigen Trockenheit: Einn Bovistpilz mit einem Rekordgewicht von 2,5 Kilogramm wurde am 20. Juli in der Pulsnitzniederung gefunden. FOTO: Kupfer Renate / Rudolf Kupfer
Lindenau. Das Niederschlagsdefizit liegt seit April bei 50 Prozent. Gewitter hat es so wenige wie schon lange nicht mehr gegeben. Gießkannen sind im Dauereinsatz. Von Rudolf Kupfer

Von Rudolf Kupfer

Der Sommer ist im Juli 2018 zu einer so schon lange nicht mehr erreichten Höchstform aufgelaufen und geht nun im August in eine immer schmerzhafter werdende Verlängerung. Die seit Wochen anhaltende Hitzewelle ist eine Herausforderung für Mensch und Natur in der Lausitz.

Seit April gibt es überdurchschnittlich hohe Temperaturen bei einem Niederschlagsdefizit von 50 Prozent in diesem Zeitraum. In Lindenau wurden 139 mm Niederschlag für die Hauptvegetationszeit registriert, Norm für diese vier Monate sind aber 250 mm. Auf das Jahr 2018 bezogen stimmt die von Klimaforschern vorhergesagte und befürchtete Versteppung der Lausitz. Allerdings kann von den aktuellen Beobachtungen und vorliegenden Messdaten 2018 nicht ohne Weiteres diese Verallgemeinerung vorgenommen werden. Aktuell sind 27 Grad Celsius Temperatur in den hiesigen Badegewässern, die im Juli so zeitig wie noch nie abgeschlossene Getreiderernte in der Region, ausgebrannte Wiesen- und Weideflächen, vertrocknete Maisbestände und anderes sichtbare Zeichen dieser Dürreperiode.

„Jeder Monat ist in diesem Jahr wettermäßig bisher aus der Reihe getanzt und hat Erwartungen nicht erfüllt,“ so die Wertung von Gärtnermeister Dieter Georgie aus Lauchhammer. Im Juli hat er aus seinen Messreihen der zurückliegenden 70 Jahren schon alles registriert, vom schlimmsten Hochwasser in der Elster und Pulsnitz bis zur extremen Trockenheit 2018.

Wie unter einer Glocke lag die Lausitz ständig unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten. Gewitter als Wettermacher traten in diesem Sommer so wenig wie schon lange nicht auf und wenn, waren sie auf kleinste Gebiete beschränkt. In Schipkau hat Ingo Nowak für Juli überhaupt keines über dem Ort registriert und nur drei in der Nähe. Damit verbundene ergiebige Niederschläge und entsprechende zeitweilige Abkühlungen waren deshalb eine Fehlanzeige und blieben leider aus.

Wetterregeln, die eine hohe Treffsicherheit haben, wie: „Wenn die Nacht zu längen beginnt, dann die Hitze am meisten zunimmt,“ und: „Steigt der Hundsstern 23. 7. mit Gluthitze herauf, endet er auch am 23. 8. mit Sonnenfeuer,“ lassen eine Fortsetzung der Hitzewelle erwarten, so Ronny Sommer aus Buchwalde. Für möglich hält er auch: „Augustanfang heiß, Winter lang und weiß.“

Für die Kleingärtner hat die anhaltende Dürre dafür gesorgt, dass die Rasenmäher in die Ecke gestellt werden konnten, die Gießkannen aber im Dauereinsatz waren und sind. Mit Zusatzbewässerung gibt es Rekorderträge bei Tomaten, Gurken, Zucchini und anderen Kulturen. Die gefürchtete Braunfäule bei Tomaten hatte unter diesen Bedingungen im Freiland keine Chance. Auch die Pilzsaison im Wald fällt der Trockenheit zum Opfer. Für Nacktschnecken und Mücken ist es ebenfalls zu heiß.

Etwa drei Wochen früher reift das Obst in den Gärten, am besten kommen Weintrauben bisher auch in der Lausitz mit dem Dauersonnenschein zurecht. Bei aller Trockenheit und Hitze faszinieren Klaus Kreter in Ortrand die herrlich blühenden Sonnenblumenbestände, reife rote Vogelbeeren unter blauem Himmel. Der Hochsommer 2018, so extrem und ungewöhnlich er ist, hat für ihn auch schöne Seiten.

Nach wochenlangem Warten gab es in den späten Abendstunden des 2. August ein leichtes Gewitter in Hörlitz mit 15 mm. Gabriele Haußmann wollte ihrem Regenmesser gar nicht glauben. In Lindenau wurden 10 mm in diesem Zeitraum registriert. Zu allen Zeiten sorgt das Wetter immer wieder für Überraschungen.