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| 18:51 Uhr

Update Sonntag 18.50 Uhr: Großfeuer in Senftenberg
Doppelte Hitzeschlacht für Feuerwehrleute im Altreifenlager

Der Großbrand auf dem Altreifenlager am Standrand von Senftenberg am Samstag aus der Vogelperspektive.
Der Großbrand auf dem Altreifenlager am Standrand von Senftenberg am Samstag aus der Vogelperspektive. FOTO: Jens berger / Jens Berger
Senftenberg. Die Hitzeschlacht der Feuerwehren im Altreifenlager am Stadtrand von Senftenberg ist vorbei. Die Leitstelle Lausitz bestätigt: Die Löscharbeiten sind beendet. Zur Nachsorge sind die Kameraden alle drei Stunden weiter im Einsatz. Von Andrea Budich und Kathleen Weser

120 Einsatzkräften mit 40 Feuerwehrfahrzeugen gelingt es, eine Katastrophe in Senftenberg zu verhindern. Der Großbrand ist am Samstagmorgen unter Kontrolle. Der Schaumangriff wird noch viele Stunden andauern. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) gibt Entwarnung: Der beißende Rauch ist nicht gesundheitsschädlich. Kein Mensch ist bei dem Kampf gegen die Flammen zu Schaden gekommen. Schwere Technik rollt zum Brandherd, um die Haufen auseinanderzuziehen.Der neun Meter hohe Feuerball im Norden von Senftenberg hat am Freitagabend bei vielen Schaulustigen, die eigentlich das Mondspektakel am Himmel verfolgen wollten, den Atem stocken lassen. Landrat Siegurd Heinze (parteilos) sieht die große schwarze Rauchwolke zu Hause in Meuro und greift sofort zum Telefonhörer.

Dann geht alles ganz schnell. Kreisbrandmeister Tobias Pelzer löst einen Vollalarm für ganz Senftenberg mit allen Ortsteilen aus. Beim Eintreffen der ersten Wehren steht nur einer von insgesamt acht riesigen Reifenstapeln auf dem Lagerplatz lichterloh in Flammen. Durch die extreme Hitzestrahlung greift das Feuer aber von Stapel zu Stapel über. Am Ende brennen sechs Reifenstapel mit zig Tausenden Reifen lichterloh.

Kreisbrandmeister Tobias Pelzer wirft an die Front, was im Landkreis und bei den Nachbarn an Löschkräften zu greifen ist.
Kreisbrandmeister Tobias Pelzer wirft an die Front, was im Landkreis und bei den Nachbarn an Löschkräften zu greifen ist. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

Die Lage ist so dramatisch, dass zwei Züge der Brandschutzeinheit des Oberspreewald-Lausitz-Kreises mit 45 Kameraden, die eigentlich schon zum Einsatz nach Beelitz abkommandiert war, von Kreisbrandmeister Tobias Pelzer jetzt nach Senftenberg geschickt wird. Am frühen Samstagmorgen treffen zusätzlich zwei Züge der Brandschutzeinheit aus dem Nachbarkreis Elbe-Elster am Einsatzort ein. Auch das Großtanklöschfahrzeug aus Cottbus wird angefordert. Die Brandschutzeinheit aus dem Landkreis Spree-Neiße wird zur Sicherheit in Alarmbereitschaft gesetzt.

Unter widrigen Umständen hat das Zusammenwirken aller Kräfte, in Spitzenzeiten sind 130 Mann vor Ort, gut funktioniert. So schätzt es Kreisbrandmeister Pelzer ein. Was den Großeinsatz in seinen Augen so besonders macht, sind die Enge rund um den abgelegenen Einsatzort an der Senftenberger Ackerstraße mit nur einer Zufahrt, die schlechte Zugänglichkeit und die äußerst schwierige Wasserversorgung. Stabil habe diese erst zum Sonnenaufgang gestanden, bestätigt Pelzer. Weil im Umfeld des Brandherdes leistungsfähige Hydranten fehlen, muss die Wasserversorgung bis auf Höhe des Krankenhauses aufgebaut werden. Das sind bis zu zwei Kilometer Länge, die mit Schläuchen zu überbrücken sind. Bis zu 5000 Liter Wasser pro Minute sind beim Löschangriff durch die Rohre geschossen. Für die Wasserversorgung zuständig ist der Ortsverein Senftenberg des Technischen Hilfswerkes. Ein Teil der Tanklöschfahrzeuge wird am Ilse-Kanal bei Großräschen vollgetankt. Zur Reserve sind auch Landwirte aus Groß Lübbenau und aus Peickwitz mit Wassertanks angerollt. Nach dem Anruf um 4.30 Uhr bei Thomas Domin in Peickwitz hat er seinen Trekker , mit dem er am Freitag noch Gülle gefahren hat, sofort angeschmissen und ist mit 16 000 Litern im Tankbauch nach Senftenberg gerollt.

In den Nachtstunden standen die Altreifen voll in Flammen. Die Feuerwirbel reichten bis in neun Meter Höhe.
In den Nachtstunden standen die Altreifen voll in Flammen. Die Feuerwirbel reichten bis in neun Meter Höhe. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

Eng wurde es Samstagmittag auch bei den Reserven des Schaumbildners. Sämtliche Vorräte aus den Feuerwehr-und Katastrophenschutztechnischen Zentren in Großräschen und Herzberg sind zu dieser Zeit aufgebraucht. 9000 Liter Nachschub werden daher bei der Leag geordert. Parallel lässt Einsatzleiter Sebastian Seemann sämtliche Baubetriebe der Region nach schwerer Einsatztechnik abklappern, die am Brandort dringend benötigt wird. Mit Baggern sollen die Haufen auseinander gezogen werden, um noch besser an die Glutnester gelangen zu können.

Der Großbrand hat Bürgermeister Andreas Fredrich unfreiwillig aus dem Urlaub zurückgeholt. Dass jetzt ausgerechnet die Fläche in Flammen steht und die Stadt bedroht, die Senftenberg eigentlich schon längst hätte loswerden wollen, ärgert das Stadtoberhaupt am meisten. „Es ist ein langer Wunsch, dass das illegale Reifenlager wegkommt“, bestätigt er. Die Fläche gehöre einem Privateigentümer, zuständig ist das Landesumweltamt - der Stadt seien die Hände gebunden.

Für dringende Bürgeranfragen ist von der Stadt eine Hotline geschalten worden. Diese ist zu erreichen unter 03573 701450.

Die Hitzeschlacht geht auch am Samstagnachmittag und -abend für rund 100 Kameraden weiter. Ab Bahnhofshöhe ist Senftenberg abgeriegelt. Die Katastrophe mit einem Ausbreiten des Feuers auf benachbarte Grundstücke ist abgewendet. Das Ablöschen immer wieder aufflackernder Glutnester wird die Einsatzkäfte aber auf jeden Fall noch bis zum Sonntag beschäftigen.