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| 20:26 Uhr

Shell Eco-Marathon 2018 in London
Hitzeschlacht für Mensch und Maschine

Dieses Foto entstand, als das Team der BTU Cottbus-Senftenberg gerade die technische Abnahme für ihr Mammut hinter sich gebracht hat. René Junge, Da­niel Britz, Markus Riedel, Christin Faulstich, Maximilian Thorausch, Niklas Richter, Matti Korzak und Anastasia Skifov (v.l.) freuen sich auf den Wertungslauf.
Dieses Foto entstand, als das Team der BTU Cottbus-Senftenberg gerade die technische Abnahme für ihr Mammut hinter sich gebracht hat. René Junge, Da­niel Britz, Markus Riedel, Christin Faulstich, Maximilian Thorausch, Niklas Richter, Matti Korzak und Anastasia Skifov (v.l.) freuen sich auf den Wertungslauf. FOTO: Eco-Shell-Marathon / FTP Edelman
Senftenberg/London. Auch wenn die Teilnahme beim Shell Eco Marathon 2018 in London für das achtköpfige Team von der BTU Cottbus-Senftenberg nicht ganz so erfolgreich lief wie erhofft: Das Energiesparmobil Mammut der Lausitzer Studenten setzte Achtungszeichen und erhielt sogar einen Sonderpreis. Von Catrin Würz

Total erschöpft und müde, vielleicht auch ein klein bisschen enttäuscht, aber auf jeden Fall mit vielen wertvollen Erfahrungen im Gepäck - so ist Dienstagabend das Lausitz Dynamics Team aus London nach Senftenberg zurückgekehrt. Hinter den acht Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) liegen zehn anstrengende und kräftezehrende Tage: als Teilnehmer beim diesjährigen Shell Eco Marathon in London, einem der weltgrößten Energieeffizienz-Wettbewerbe.

„Das war diesmal wirklich eine krasse Erfahrung“, sagt Organisa­tions-Chefin Christin Faulstich. Und meint damit nicht zuerst die aus 24 Ländern weltweit angereiste Konkurrenz der Energiespar-Techniktüftler. „Unser größter Gegner war die Hitze. Eine ganze Woche lang über 30 Grad Celsius und kein bisschen Schatten im Olympic Park in London. Da musste man hart im Nehmen sein“, berichtet sie.

Für alle mehr als 140 internationalen Teams wurde der Shell Eco Marathon 2018 damit zur Hitzeschlacht für Mensch und Maschine. Und noch eine zweite Herausforderung hatten die Lausitzer Studenten zu meistern: Sie gingen in diesem Jahr erstmals mit ihrer Neuentwicklung an den Start und erstmals auch in der Königsdisziplin der alternativen Energieantriebe: mit einem Fahrzeug, das von einer Brennstoffzelle auf Wasserstoff-Basis angetrieben wird.

Das über Monate entwickelte Energiesparmobil, das den Namen Mammut erhielt, ist quasi erst wenige Stunden vor dem Aufbruch nach London fertig geworden. Lieferengpässe bei Teile-Zulieferern und eine schwierige Finanz-Akquise hatten das Projekt sogar fast zum Scheitern gebracht. Doch dann klappte es in letzter Sekunde doch noch mit der Neukonstruktion von „Mammut“.

„Unser Problem war dann natürlich, dass wir sowohl hier in der Heimat als auch in London keine Testfahrten unternehmen konnten“, erzählt Niklas Richter, der das Energiesparmobil aus dem Seenland als Pilot steuerte. Ein hartes Stück Arbeit war es vor Ort in London, bis Mammut für die technische Abnahme zugelassen war. „Wir haben gefühlt mehrere Tage rund um die Uhr am Auto gearbeitet. Das Team musste zuerst die Herkunft von Kriechströmen klären, die letzten Endes auf die nicht ganz akkurate Spulenwicklung zweier von uns gekaufter Motoren zurückzuführen waren“, benennt Teammanagerin Anastasia Skifov einen Grund, auf den das studentische Team gar keinen Einfluss gehabt hat. Weil die für London wirklich ungewöhnliche Hitze zudem auch der Technik zusetzte, mussten die Lausitzer - wie auch viele andere Teams aus aller Welt - an der Kühlung und Lüftung ihrer Fahrzeuge Veränderungen vornehmen.

„Letzten Endes sind wir am Samstag in unseren Wertungslauf gestartet - und neuneinhalb Runden weit gekommen, bis der Treibstoff verbraucht war“, berichtet Pilot Nik­las Richter. Das Ziel wäre erst bei einer Distanz von 15 vollendeten Runden und damit knapp 15 Kilometern gewesen. „Die knapp zehn Runden waren unter den gegebenen Bedingungen das, was unser Mammut schaffen konnte. Mehr war nicht möglich“, sagt Anastasia Skifov. Die Lausitzer waren mit dem verpassten Zieleinlauf kein Einzelfall: Von allen 19 Teams, die in der Kategorie Wasserstoff-Brennstoffzelle an den Start gingen, kamen letztlich nur vier über die gesamte Distanz.

Dennoch waren die Bemühungen der Lausitzer BTU-Studenten am Ende preiswürdig. Das Team Lausitz Dynamics wurde mit dem Preis „Most Innovative Hydrogen Newcomer“ als bestes Neueinsteiger-Team im Bereich Brennstoffzelle/Wasserstoff geehrt. Den mit 1000 Euro dotierten Preis stiftet das Unternehmen Linde als Sponsor des Shell Eco Marathons.

In Senftenberg kann man das Geld gut gebrauchen. Denn klar ist schon: Die BTU Cottbus-Senftenberg will im nächsten Jahr mit ihrem Energiesparmobil Mammut  erneut beim Shell Eco Marathon starten. „Schon gleich nach dem Wettbewerb gab es die ersten Ideen, was wir an dem Mobil noch verbessern können“, sagt Niklas Richter. Sofort mit Beginn des Herbstsemesters soll die Arbeit für den Eco-Marathon-Start 2019 beginnen. Christin Faulstich: „Wir müssen neue Teammitglieder suchen und finden. Und wir müssen Geldgeber und Unterstützer überzeugen. Denn ohne die wäre dieses studentische Projekt gar nicht möglich.“

Das Energiesparmobil Mammut der BTU Cottbus-Senftenberg bei seinem Wertungslauf im Queen Elizabeth Olympic Park in  London.
Das Energiesparmobil Mammut der BTU Cottbus-Senftenberg bei seinem Wertungslauf im Queen Elizabeth Olympic Park in  London. FOTO: BTU Cottbus-Senftenberg / BTU Cottbus-Senftenbert