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| 16:49 Uhr

Die Lebensretter vom Senftenberger See
Hitze hält Wasserretter auf Trab

Bootsführer Georg Ritter (66), Benny Korg (16) und Julian Barthel auf Kontrollfahrt mit dem Rettungsboot DRK-1 vor dem Großkoschener Strand.
Bootsführer Georg Ritter (66), Benny Korg (16) und Julian Barthel auf Kontrollfahrt mit dem Rettungsboot DRK-1 vor dem Großkoschener Strand. FOTO: Peter Aswendt
Großkoschen. Halbzeit am Senftenberger See mit bisher 20 Hilfeleistungen und vier Bootshavarien. Von Peter Aswendt

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen - das ist der Job der Lebensretter vom Senftenberg See. In diesen hitzerekordträchtigen Julitagen mit den gemeinsamen Sommerferien der sächsischen und der brandenburgischen Schulkinder läuft die Mannschaft der DRK-Wasserwacht in Großkoschen zur Höchstform auf.

„Die größte Herausforderung besteht für uns in der Urlaubs- und Ferienzeit darin, die Besetzung der Station zu koordinieren“, sagt Felix Lange (24), stellvertretende Leiter der Senftenberger Wasserwacht. Mit knapp 200 Mitgliedern erscheint die Gemeinschaft groß, doch Dreiviertel sind Kinder und Jugendliche, bei denen die Ferienzeit und der gemeinsame Urlaub mit den Eltern zu berücksichtigen sind.

„Mitte Mai beginnt unsere Saison erst mal nur an den Wochenenden“, berichtet Felix Lange, der im achten Semester Medizin in Dresden studiert. Ab Juli sind die Retter dann täglich von 10 bis 18 Uhr im Einsatz, ergänzt er.

Trotz gefühltem Sommerbeginn im Mai halten sich die Einsätze der Wasserwacht in überschaubaren Grenzen. „Wir hatten bis Mitte Juli 20 Hilfeleistungen“, berichtet er. Konkret sind es mehr Probleme mit Insektenstichen als mit Badeunfällen. „Vermehrt kommen Menschen zu uns, die von einer Zecke befallen wurden“, sagt Felix Lange. Entsprechendes Werkzeug und eine Beratung seien jederzeit parat.

Auch gehören Schnittverletzungen an den Füßen zu den behandelten Fällen. Hier spielt auch das Niedrigwasser im See eine Rolle, das Muscheln und spitze Steine freigibt. „Zurzeit sollte niemand zu ungestüm ins Wasser rennen“, warnt der Retter. Bisherige Verletzungen entstanden nicht durch Müll. „Wir schnorcheln einmal im Jahr den Badebereich ab, um Müll und gefährliche Gegenstände zu beseitigen“, erklärt Lange eine Pflicht der Wasserwächter.

Außer für den Strandbereich Großkoschen ist die Wasserwacht auch auf dem See präsent. „Wir sind ebenso für die Wassersportler da“, so Lange. So müsse das eine oder andere Segelboot wieder aufgerichtet werden oder ein Motorboot bleibt liegen. In diesem Jahr hatten die Wasserretter bisher vier technische Hilfeleistungen mit ihren Booten bezüglich havarierter Wassersportler.

Mit der sechsköpfigen Standardbesatzung des Großkoschener Stützpunktes erfolgen auch dreimal am Tag Kontrollfahrten auf dem See. Der Großkoschener Strand wird regelmäßig kontrolliert. Ein zweites Boot, das der Auftraggeber, der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) stellt, liegt bei Bedarf am Niemtscher Strand. „Dieser Strandbereich hat sich zu einem großen Badebereich entwickelt, den wir ebenfalls absichern“, sagt der Vize-Chef der Wasserwacht

Neu für die Senftenberger Wasserwacht ist die Integration ins First-Responder-System. Hier werden über die Leitstelle in Cottbus Notfälle an die nächstgelegene Rettungsstelle weitergeleitet.

Damit es aber nicht zu Notfällen kommt, hat Felix Lange einige Tipps für die Badeurlauber parat: „Wichtig ist, für ausreichend Sonnenschutz zu sorgen und viel Wasser zu trinken, Alkohol sollte beim Baden generell gemieden werden“, stellt der Wasserretter klar. Auch die Badepause nach dem Essen sollte eingehalten werden.  Beim Baden im See sei es auch wichtig, in den abgegrenzten Bereichen zu bleiben. „Für Bootsführer ist ein Schwimmer sehr schlecht im Wasser zu sehen, das birgt immense Unfallgefahr“, erklärt der Fachmann. Wer einen in Not geratenen Schwimmer erkennt, sollte immer zuerst Hilfe rufen. Eigene Aktivitäten zur Rettung sollten jedoch real eingeschätzt werden: „Auf alle Fälle immer ein Hilfsmittel mit ins Wasser nehmen, denn ein panischer Mensch klammert sich sehr fest und kann den Retter selbst in Not bringen. Deshalb haben unsere Rettungsschwimmer auch immer eine Rettungsboje dabei“, sagt Lange. Generell, so schätzt er ein, ist die Badedisziplin der Sommergäste sehr hoch.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die finanzielle Unterstützung der Wasserretter. „Die Feuerwehr wird durch die Kommune unterstützt, der Rettungsdienst durch den Landkreis, wir müssen uns selbst erwirtschaften, obwohl wir auch Rettungsfunktion haben“, sagt der stellvertretende Leiter der Wasserwacht. Ein kleiner Lichtblick ist ein neues Rettungsboot, das der Zweckverband 2018/2019 den Wasserrettern zur Verfügung stellen will.