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Historische Farben im Denkmal

Gutsherr Martin Giersch aus Wien schreitet seinen Besitz im Arbeitsurlaub mit Blaumann und Zollstock ab. Er lässt das barocke Herz des 300 Jahre alten Guts hauses wieder schlagen.
Gutsherr Martin Giersch aus Wien schreitet seinen Besitz im Arbeitsurlaub mit Blaumann und Zollstock ab. Er lässt das barocke Herz des 300 Jahre alten Guts hauses wieder schlagen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Schwarzbach. Die Sanierung der Innenräume des Schwarzbacher Gutshauses läuft auf Hochtouren. Im großen Salon lassen Restauratoren blaue Blumenmuster aus der Biedermeierzeit aufblühen. Andrea Budich

Ein Denkmal im Dornröschenschlaf erwacht zu neuem Leben. Eine Schar von Handwerkern und Restauratoren machen das äußerlich bereits sanierte Schwarzbacher Gutshaus über den Sommer auch innen nutzbar. Die Innensanierung läuft auf Hochtouren. Knapp zwei Drittel der Arbeiten sind durch. Erste Ergebnisse lassen den herrschaftlichen Glanz längst vergangener Zeiten wieder erahnen.

Gutsherr Martin Giersch, ein Physiker aus Wien, kommt besonders im großen Salon, auch Beletage genannt, ins Schwärmen. Beim Kauf des Gutshauses vor 15 Jahren konnte er der verlockenden Aussicht, das historische Kleinod wachzuküssen und für ein breites Publikum zugänglich zu machen, nicht widerstehen. Heute wird der Naturwissenschaftler mit dem Gespür für Architektur für seinen Mut und den langen Atem belohnt. Der schönste Raum des Adelssitzes erstrahlt wieder in der Modefarbe des Biedermeier im kräftigen Blau-Grün. Restaurator Udo Drott aus Bad Belzig hat die historisch verbriefte Farbfassung aus der Biedermeierzeit um 1840 aufgefrischt. Aufgetragen wird in den nächsten Wochen noch ein verspieltes hellblaues Blumenmuster. Fast fertig indes ist bereits das Fries am oberen Deckenrand mit gewundenem Band und eingeflochtener Blumengirlande.

Der Biedermeiersalon im Schwarzbacher Gutshaus soll als Trausaal im Amt Ruhland genutzt werden. Junge Paare haben schon mehrfach bei Gutsherr Giersch angefragt, wann es soweit ist. Erste Hochzeiten könnten nach dem geplanten Eröffnungsfest im Spätherbst stattfinden.

Bis dahin müssen sich Handwerker und Restauratoren noch ranhalten. Im mittleren Stockwerk, dem "Herz des Gutshauses", werden alle Räume nutzbar gemacht. Besonders interessant dabei ist der Salon Süd-Ost mit historischen Farbfassungen aus dem Barock, der Biedermeier- und der Gründerzeit. Mit dem Abzug der Handwerker wird auch die Eingangshalle wieder in den barocken Gelb- und Orangetönen erstrahlen. Dazu passend bekommt der Herrschaftssitz auch wieder ein zweiflügliges Haustor mit Portal.

Sobald der Innenausbau des Gutshauses durch ist, will sich der Gutsherr das Gesamtensemble vorknöpfen. Planungen, auf den einstigen Pferdestall wieder ein Satteldach zu setzen, sind bereits angelaufen. Den Bau will Giersch im nächsten Jahr durchziehen. Es gibt auch schon erste Nutzungsideen.

Zum Thema:
Das Haupthaus wurde um 1727 errichtet. Das Gutshaus wurde 2002 vom Österreicher Martin Giersch erworben. Die Sanierung der Innenräume kostet 150 000 Euro.Dafür sind 50 000 Euro aus dem europäischen Fördertopf für die ländliche Entwicklung nach Schwarzbach geflossen. Eine Ausstellung mit historischen Postkarten wird am 10. September gezeigt.

Das Fries mit gewundenem Band und eingeflochtener Blumengirlande wird im großen Salon originalgetreu wieder hergestellt.
Das Fries mit gewundenem Band und eingeflochtener Blumengirlande wird im großen Salon originalgetreu wieder hergestellt. FOTO: Rasche/str1