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| 19:37 Uhr

Baugrund unsicher
Nach Schock in Lauchhammer: Hilfspaket für Bergbau-Betroffene gefordert

Lauchhammer. Erneut sind Absiedlungen von Häusern und Gewerbebetrieben in Lauchhammer notwendig: Der Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben (CDU) kritisiert die Landesregierung. Denn noch immer fehlt ein Gesamtkonzept für die Opfer der Folgen des Altbergbaus. Von Kathleen Weser

Die Hiobsbotschaft wiegt schwer. Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz als zuständige Ordnungsbehörde haben am Freitag bekannt gegeben, dass in Lauchhammer nach der Grubenteichsiedlung erneut mehrere Gebäude an der Wilhelm-Külz-Straße im Stadtteil Ost nicht standsicher sind und bis zum Jahr 2022, teilweise sogar sofort, verlassen werden müssen.

Grund für die Einsturzgefahr ist der gestiegene Grundwasserspiegel, der den ehemaligen Bergbauflächen zunehmend die Standfestigkeit nimmt. Denn in Lauchhammer ist auch mitten im heutigen Stadtgebiet länger als hundert Jahre lang Braunkohle abgebaut worden. Die Bergbaufolgen sind teilweise erschütternd und treffen Privateigentümer von Immoblien mit extremer Härte.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende und Lausitzer Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben äußert sein Bedauern gegenüber den Betroffenen und fordert schnelle Unterstützung. „Für die betroffenen Familien, die Unternehmer und deren Mitarbeiter ist die Tatsache, dass sie ihre Wohnungen, Häuser und Firmen aufgeben müssen, eine traurige Nachricht. Deshalb müssen wir helfen. Insbesondere das Land Brandenburg und der Bund stehen in der Pflicht, gemeinsam für schnelle und faire Lösungen zu sorgen. Wir müssen den Familien ein neues Zuhause geben und den Unternehmern und deren Mitarbeitern die Existenz sichern.“

 Ingo Senftleben (CDU/MdL) fordet ein Konzept für Hilfen für Betroffene der Bergbaufolgen. Der Abgeordnete sieht den Bund und das Land Brandenburg in der Pflicht.
Ingo Senftleben (CDU/MdL) fordet ein Konzept für Hilfen für Betroffene der Bergbaufolgen. Der Abgeordnete sieht den Bund und das Land Brandenburg in der Pflicht. FOTO: CDU Senftenberg

Senftleben erinnert daran, dass die Problematik der sinkenden Festigkeit der Kippflächen seit Jahren bekannt ist. Es fehle aber nach wie vor „eine grundsätzliche Regelung, um Umsiedlungen von Familien und Gewerbetreibenden mit finanzieller Unterstützung für die Betroffenen“ anzugehen. „Wir wissen um die Folgen des Bergbaus. Welche Gebiete betroffen sind, haben Gutachten längst nachgewiesen. Was wir brauchen ist ein Gesamtkonzept für Lauchhammer und andere betroffene Orte“, sagt er. Land, Bund und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) müssten einen Plan vorlegen, wie den Menschen, die auf den gefährdeten Flächen leben und arbeiten, geholfen werden soll. „Wir müssen die Menschen und deren Eigentum schützen“, erklärt Senftleben. In der Bergbausanierung müsse deshalb das Prinzip “erst die Pflicht, dann die Kür“ gelten.“

Gutachter haben diesen Bereich der Anfang der 1920er-Jahre ausgekohlten Alttagebaue Lauchhammer III und Emanuel auf die Verkippungstechnologie und die Kippenzusammensetzung untersucht. Ziel sei es gewesenl, „mögliche Sicherungsmaßnahmen festzulegen“. Das teilt das Landesbergamt in Cottbus mit. „Dabei wurde von den Gutachtern eingeschätzt, dass auf Grund der komplizierten geologischen Situation eine Gefährdung besteht und die Wohn- und gewerblich genutzten Gebäude langfristig nicht zu halten sind und daher bis voraussichtlich 2022 abgesiedelt werden müssen“, erklärt Sanierungsbergbau-Experte Uwe Sell. Die Bergbehörde und der Oberspreewald-Lausitz-Kreis werden nach Vorlage des Gutachtens nun prüfen, wie weiter vorzugehen sei.

Eine Familie musste ihr Haus zum Schutz von Leib und Leben am Freitag sofort verlassen.

Lauchhammer ist von Folgen des Altbergbaus (vor 1945) stark betroffen. Die Kostenübernahme für die Sanierung der Areale, die nicht direkt, aber mittelbar in der Rechtsnachfolge des DDR-Bergbaus liegen, sind noch immer strittig. Denn sie sind vom Einigungsvertrag nicht erfasst. In den vergangenen Jahren ist der gute Kompromiss praktiziert worden, darauf zu verzichten, Rechtskonflikte in langen Verfahren juristisch zu klären. Denn das wieder angestiegene Grundwasser bringt die geschüttete Erde hier ins Wanken. Die Natur schlägt zurück. Und die Sorge um die Beseitigung der Bergbaufolgen und die Abwehr von Gefahren des Grundwasserwiederanstieges im Stadtgebiet Lauchhammers ist groß.

 Vier Häuser an der Zufahrtsstraße zum Areal des ehemaligen Möbelrings in Lauchhammer-Ost, auf dem heute ein Logistik-Unternehmen und ein Türen-Hersteller ansässig sind, stehen auf unsicherem Grund und sollen aufgegeben werden. Die Anwohner verlieren ihre Häuser, die Firmen müssen abgesiedelt werden. 
Vier Häuser an der Zufahrtsstraße zum Areal des ehemaligen Möbelrings in Lauchhammer-Ost, auf dem heute ein Logistik-Unternehmen und ein Türen-Hersteller ansässig sind, stehen auf unsicherem Grund und sollen aufgegeben werden. Die Anwohner verlieren ihre Häuser, die Firmen müssen abgesiedelt werden.  FOTO: Mirko Sattler