Während der gewöhnliche Arbeitstag für die meisten Menschen in den frühen Morgenstunden beginnt, gähnt die Sonne im Westen, als Marco Gruettner, Tontechniker der Senftenberger Epicoregruppe „Black Tequila“ , zum Soundcheck das Fachhochschulgelände betritt.
Marco Gruettners Augen wandern gen Himmel, sein Gesicht scheint nach dem Begutachten der vorhandenen Technik verspannt zu sein. „Gestern Abend habe ich einen Anruf vergessen, der uns diese Verspätung ersparen würde“ , sagt er. Es fehlt ein Schlagzeug. Ungachtet dessen werden die Instrumente mit dem Mischpult verkabelt und die Kanalbelegung durch einen Techniker bestimmt. Das Pult wird mit schwarzem Stift beschriftet, um nachher genau zu wissen, welcher Kanalzug welches Instrument ansteuert.
Derweil tifft „Black Tequila“ mit dem fehlenden Schlagzeug ein, hinzu gesellen sich zwei Gitarren, ein Bass, ein Keyboard und eine Violine für die zarten Töne. Nach dem Aufbau folgt der Soundcheck – das ist die Aussteuerung der einzelnen Klangkörper auf die unterschiedlichen Lautsprecher. Marco Gruettner, dessen Aufgabe darin besteht, die perfekte Klangkulisse zu generieren, steht nun hinter dem Mischpult vor der Bühne.
Der Schlagzeuger beginnt gleichmäßig seine Snare zu schlagen. Trotz der durch zahlreiche Auftritte begünstigten Routine, sind der Tontechniker und die Band gleichermaßen hoch konzentriert. Stumme Kommunikation schwebt vom Mischpult zur Bühne und wieder zurück. Handzeichen und Augenkontakt geben den Anweisungen einen Namen. Marco Gruettner verlagert das sogenannte Signal auf die akustisch rechte Seite, der Snareton wandert. Er stellt die Höhen und Tiefen mithilfe des Equalizers, verantwortlich für die ausgegebenen Frequenzen, ein. Der Klang wird heller und durch einen kleinen Hall wird eine gewisse Räumlichkeit vorgetäuscht. Nach nur zehn Minuten ist der Tonverantwortliche zufrieden.
„Meine Arbeit ist sehr intuitiv. Dazu ist es nötig, Emotionen zu kanalisieren und seinem Gehör zu vertrauen“ , erklärt er seine Vorgehensweise.
Marco Gruettner hat seine Tätigkeit am Mischpult durch „musikalische Gelegenheitsgeschäfte“ erlernt und keine klassische Ausbildung absolviert. Er versichert aber, dass er nach jedem Konzert rechtfertigen könne, warum er was gemacht hätte. Er mischte unter anderem schon beim Sängerfest in Finsterwalde und beim Benefizfestival Wormlage den Ton. Seine bisher größte Veranstaltung ist von mehr als 4000 Musikliebhabern besucht worden.
Der ehemalige Gitarrenlehrer erklärt, dass er sich nicht immer wiederkehrenden Vorgängen widmen könne. „Ich liebe ein möglichst lautes und buntes Leben.“
Laut ist es nach Konzertbeginn an der FHL wahrlich. Reißende Gitarrenriffs und klirrende Becken ängstigen den Regen, der kleinlaut nieselt. Die 650 Besucher wippen und springen zur Musik, während Marco Gruettner verhalten auf jede akustische Kleinigkeit achtet – denn er ist dafür verantwortlich, dass das auch so bleibt.

Zum Thema Menschen, die unterwegs sind
 Die RUNDSCHAU stellt einmal in der Woche in einer Serie Menschen vor, die auf Straßen, in der Luft oder zu Wasser im OSL-Kreis unterwegs sind. Nach Polizei, Rettungshubschrauber, dem Rufbus und dem Taxi ist diesmal der Tontechniker der Senftenberger Band „Black Tequila“ an der Reihe.