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Hier forschen Ingenieure von morgen

Der neunjährige Johannes Gnilke (r.) hat sich mit dem Projekt "Strömungsmessung in Gewässern" am Regionalwettbewerb "Schüler experimentieren" in Brandenburg/Havel beteiligt. Fred Hocker (M.), Leiter des Jugend-forscht-Zentrums Lauchhammer, hat den Viertklässler darauf vorbereitet. Auch die Nachwuchsforscher Elias, Dominik, Nikita und Constanze interessiert die Funktionsweise.
Der neunjährige Johannes Gnilke (r.) hat sich mit dem Projekt "Strömungsmessung in Gewässern" am Regionalwettbewerb "Schüler experimentieren" in Brandenburg/Havel beteiligt. Fred Hocker (M.), Leiter des Jugend-forscht-Zentrums Lauchhammer, hat den Viertklässler darauf vorbereitet. Auch die Nachwuchsforscher Elias, Dominik, Nikita und Constanze interessiert die Funktionsweise. FOTO: Steffen Rasche/str1
Lauchhammer. In Potsdam werden heute 29 Frauen und Männer geehrt, die sich Verdienste um das Land Brandenburg erworben haben. Sie werden mit der erstmals verliehenen Medaille des Landtages geehrt. Unter ihnen ist auch Fred Hocker, Leiter des Jugend-forscht-Zentrums in Lauchhammer. Manfred Feller

Wenn Fred Hocker eine Büroklammer auf das Wasser legt und diese nicht untergeht, dann staunen die älteren Kindergartenkinder. Wie geht das? Die Kleinen erfahren von dem 53-jährigen Techniker aus Lauchhammer, dass das Wasser eine unsichtbare Haut hat, für die Schulkinder ist es die Oberflächenspannung.

Der einstige Planer für Automatisierungsanlagen der chemischen und Halbleiterindustrie ist überzeugt, dass man Kindern und Jugendlichen in jedem Alter technische Sachverhalte und naturwissenschaftliche Kenntnisse vermitteln kann. Es komme auf das Wie an.

Danach handelt er seit 15 Jahren. Zunächst bei seinen drei Söhnen: "Ich hatte festgestellt, dass in der heutigen Schule der praktische Ansatz fehlt und in der Freizeit die technischen Angebote." Schon im Jahr darauf nahmen seine Söhne, noch Grundschüler, mit einem einfachen Roboterprojekt am Wettbewerb "Jugend forscht" teil. Bei der nächsten Auflage sind es schon vier Projekte mit weiteren Kindern. Das Pensum steigert sich rasant mit der Bekanntheit und dem Aufbau des Jugend-forscht-Zentrums in Lauchhammer. Lohn sind Medaillen auf Erfindermessen und viele gute Plätze bei Wettbewerben.

Deutschland ist für Fred Hocker ein Technologiestandort, ein Land der Erfinder. "Ich kann aber nichts erfinden, wenn ich keine Ahnung habe", sagt er zu den Defiziten vor allem in der praktischen technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung des Nachwuchses. Die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen zeige ihm, dass man ihnen nur etwas anbieten müsse. Doch passiert sei das Gegenteil. Die Jugenderfinderclubs würden seit 2012 in Deutschland nicht mehr vom Bund gefördert. Anders in China. Dort, so hat Fred Hocker bei einer Erfindermesse in Nürnberg erfahren, wurde die deutsche Idee aufgenommen und massiv eingeführt. Hierzulande gebe es nicht mal eine Landesförderung. Notwendig wären in Lauchhammer weitere Mitarbeiter mit technischem Verständnis und auch ein Fahrzeug.

Das Jugend-forscht-Zentrum hat mit dem TÜV Rheinland Bildungswerk einen Träger, der eine große Hilfe sei. Es seien jedoch viele Partner notwendig, um zu überleben. So unterstützen die Dehmel-Stiftung, der Landkreis, die Stadt Lauchhammer und Firmen das Zentrum.

Eigentlich, so Fred Hocker, müssten alle helfen, die technische Fachkräfte brauchen. "80 Prozent unserer ehemaligen Jugendforscher befinden sich in einer Ausbildung oder im Studium zum Elektroniker, Mechatroniker oder in artverwandten Berufen", sagt der Leiter stolz. Er weiß von einem Flugzeugtechniker, von einem Entwicklungsingenieur bei einem Konzern, von einem Fahrzeugtechniker und vielen mehr. "Aus allen ist etwas geworden", sagt er. Nicht wenige bleiben der Heimat treu. Seine Söhne haben auch die technische Richtung eingeschlagen.

Fred Hocker ist es sogar gelungen, nach anfänglicher Skepsis seitens der Kita-Erzieherinnen, diese für Naturwissenschaften zu begeistern. Nun geben sie ihr Wissen an die Kleinen weiter.

Zur Ehrung vorgeschlagen hat ihn die SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Theiss. "Es ist faszinierend, wie er Kinder mit Herzblut für die Technik begeistert. Nur die Theorie, da bleibt nicht viel hängen. Der Unterricht muss mehr mit der Praxis verbunden werden", fordert die Pädagogin.

Zum Thema:
Die Ehrenmedaille des Landtages Brandenburg erhält heute auch der Saarländer Günter Georgi. Der gebürtige Annahütter und ehemalige Senftenberger hat nie den Kontakt zu seiner Lausitzer Heimat abbrechen lassen. Mit seinen Fotoausstellungen, Lesungen und Spenden hat er verschiedene Projekte und Einrichtungen unterstützt und sich auch anderweitig vielfältig ehrenamtlich und für das Gemeinwohl engagiert. Er sieht sich als Brückenbauer zwischen Ost und West.