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| 01:37 Uhr

Heute war damals Zukunft

Regisseur Gunther Scholz (l.) und Kameramann Sebastian Hattop (r.) im Gespräch mit Intendant Sewan Latchinian. Foto: Theater/Rasche
Regisseur Gunther Scholz (l.) und Kameramann Sebastian Hattop (r.) im Gespräch mit Intendant Sewan Latchinian. Foto: Theater/Rasche FOTO: Theater/Rasche
Senftenberg. In der Reihe Theaterkino der Neuen Bühne Senftenberg ist kürzlich der Dokumentarfilm „Heute war damals Zukunft“ gezeigt worden. Nach der Filmvorführung standen Regisseur Gunther Scholz und Kameramann Sebastian Hattop dem Publikum zum Gespräch zur Verfügung.

Schon nach wenigen Minuten der Diskussion, in der die Zuschauer den Film sowohl lobten als auch kritisierten, entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis zu den Filmemachern. Auch die Protagonisten des Dokumentarfilms müssen wohl ein ungeheures Vertrauen zu den Filmemachern gehabt haben, denn sie erzählten vor der Kamera offen über sich und ihr Leben.

Im Jahr 1985 besuchten sie die 9. Klasse einer Magdeburger Schule und schrieben einen Aufsatz zum Thema “Wie stelle ich mir mein Leben im Jahre 2010 vor?„ Die Lehrerin hat die Aufsätze aufbewahrt und sie dem Regisseur Gunther Scholz zukommenlassen. Er war von den Texten so beeindruckt, dass er sich mit der Kamera zu den einstigen Aufsatzschreibern begab und nachfragte, was aus ihren Vorstellungen geworden ist. Nur einer träumte damals von einer schönen sozialistischen Welt. Andere wollten in die Welt reisen, von Amerika oder Japan in den Weltraum fliegen und neue Planeten erforschen, ein Autohaus besitzen, mit einem Mercedes fahren oder Sekretärin bei einem Multimillionär sein. Einige träumten davon, dass man glücklich ohne Arbeit leben kann, weil Roboter alles übernehmen.

Vor der Kamera lasen nun 17 der damals 22 Schüler heute ihre Aufsätze vor, lachten und weinten dabei. Die Filmemacher blickten in das heutige Leben, erzählten ehrlich von Erfolgen und Misserfolgen im Arbeits- und Liebesleben. Eigenes Versagen und persönliche Fehlentscheidungen werden nicht ausgeblendet. Der Film begleitet die Männer, Frauen und ihre Familien, manche von ihnen fast ein Jahr lang - für die Kinobesucher sind das allesamt sehr berührende Geschichten. Ulrich Münzberg