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| 03:52 Uhr

Heute Nacht drehen die Uhrenzeiger rückwärts

Region. Für neu geborene Erdenbürger bleibt die Zeit heute Nacht stehen, wenn die Menschheit zwischen zwei und drei Uhr das Zeiteisen wieder einmal um eine Stunde zurückdreht. Christin Schulz

"Es kommt natürlich vor, dass Kinder genau in dieser Stunde geboren werden", sagt Irka Korpjuhn, die als Hebamme im Klinikum Niederlausitz in Lauchhammer tätig ist. Bei dem Gedanken daran muss sie schmunzeln: "Für diese Kinder halten wir die Zeit an." Bringt eine Mutter ihr Kind innerhalb der Stunde der Zeitumstellung zur Welt, dann werde zunächst die Stichzeit der Geburt notiert. Danach ruhe die Uhr für eine Stunde. "Wird also ein Kind nach der alten Sommerzeit um 2.30 Uhr geboren, ist es dann ebenfalls 2.30 Uhr in der Winterzeit", erklärt die sympathische Frau.

Ihre Erfahrungen mit der Zeitumstellung haben auch die Erzieherinnen der Kindertagesstätte Bienenschwarm in Hosena gesammelt. "Die eine Stunde ,mehr' spiegelt sich im Körper der Kinder wider", weiß Ruth Proske zu berichten. Die Erzieherin arbeitet seit 1972 in der Kindertagesstätte und hat schon viele Generationen von Kindern aufgezogen. "An den Tagen nach der Zeitumstellung schlafen einige der Kleinen schon vor unserer Ruhestunde ein, andere schlafen beim Mittagessen am Tisch ein.

Manche der Kinder haben mit der Umstellung derartig zu kämpfen, dass sie sogar Wochen brauchen, um sich an die neue Zeit zu gewöhnen", sagt Ruth Proske.

Doch nicht nur Kinder brauchen eine kleine Weile, um sich auf die Winterzeit einzustellen. Die Kirchturmuhren in Hohenbocka und Hosena werden zwar nicht mehr von Hand, sondern automatisch per Funk zurückgedreht, dennoch sorgt die Zeitumstellung regelmäßig für Verwirrungen bei den Kirchgängern. "Jedes Jahr aufs Neue kommt es vor, dass sich am Sonntagmorgen einige der Gemeindemitglieder im Frühjahr zu spät und im Herbst zu zeitig zum Gottesdienst einfinden" sagt Pfarrer Gerd Simmank. Einigen von ihnen sei das so ,peinlich', dass sie an diesem Tag den Gottesdienst gar ganz ausfallen lassen würden.

Nicht um eine ganze, sondern nur eine halbe Stunde zurück dreht Carola Schwarze ihre Uhr. Die junge Frau ist Verantwortliche der Zweigstelle der Mutterkuh und Schweinezucht GmbH in Jannowitz. 5000 Schweine gilt es täglich zu versorgen und den Betrieb am Laufen zu halten. "Wir müssen bei der Besamung der Sauen sehr genau auf die Uhr schauen. Würden wir die Prozedur um eine ganze Stunde verschieben, dann würde die Fruchtbarkeit der Jung- und Altsauen abnehmen. Außerdem sinkt das Duldungsverhalten der Tiere", erklärt Carola Schwarze. Eine Folge wäre, dass die Trächtigkeit der Sauen abnehmen und damit weniger Ferkel geboren würden.

Die Zeitumstellung "live" erleben wird Uwe Jahn, wie er sagt. Er ist seit 1982 Altgeselle in der Bäckerei Lösche in Brieske und sorgt mit seinem Team dafür, dass von Montag bis Samstag frisch gebackene Brötchen, Brot und weiteres Waren in den Verkaufsregalen bereit liegen. "Da ich berufsbedingt um Mitternacht aufstehen muss, bin ich um diese Zeit sowieso immer wach", sagt Uwe Jahn mit zuckenden Schultern.

Allerdings nütze ihm die zusätzliche Stunde nicht viel, da in der Nacht zum Sonntag nicht gebacken werde.

Erstmals eingeführt wurde die Zeitumstellung in Deutschland im Jahr 1916. Mit dem Vor- und Zurückdrehen der Uhr wollte man das Tageslicht so weit wie möglich ausnutzen. Von 1950 bis 1980 gab es in Deutschland keine Sommerzeit. Wiedereingeführt im Jahr 1980 soll die Zeitumstellung dazu beitragen, Energie einzusparen. Seither wird jedes Jahr um die gleiche Zeit über den Sinn der Maßnahme diskutiert.