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| 01:04 Uhr

Herz für Briketts entflammt

Niemtsch.. Wer mit Dieter Müller über den Zweck von Briketts diskutiert, hat es nicht leicht. Ganz besonders jene, die den Sinn der Presskohle nur darin sehen, sie herzlos im Ofen zu verfeuern. Für den Niemtscher sind die schwarzen Steine viel mehr als das. Fast ein Lebensinhalt. Er sammelt sie – Sonderanfertigungen, Schmuck- und Zierbriketts. Auf knapp 1500 Stück hat er es schon gebracht. Von Dörthe Hückel

Darunter Exemplare, für die andere Sammler einiges tun würden. Zum Beispiel der unscheinbare schwarze Klotz, auf dem in weißen Lettern das Wort Henckel zu lesen ist. Die Brikettfabrik, ihr ehemaliges Areal wurde einst vom Tagebau Meuro weggebaggert, hat nur für kurze Zeit existiert: zwischen 1871 und 1873. Wieviel ihm Liebhaber dafür bezahlen würden, will er nicht sagen. Nur so viel: „Es gibt seltene Stücke, die 1500 Euro wert sind.“ Zu den Raritäten gehören auch die mehr als 100 Jahre alten Kohlestücke der Fabrik Anna aus Straßgräbchen, die bei Bauarbeiten ausgebuddelt wurden. Zwei davon liegen in der Vitrine von Dieter Müller.

Von Kerzenhalter bis Urkunde
Aber um den materiellen Wert würde es ihm auch gar nicht gehen. „Das ist zu einer Leidenschaft geworden.“ Eine, die sich nicht nur auf Briketts beschränkt. Was auch immer mit dem Kohle-Geschäft zu tun hat, ist vor Dieter Müller nicht sicher. Kerzenhalter, mit denen die Kumpel früher in die Grube stiegen, Steigerhekel, alte Fotos, Bilder, Urkunden, Abzeichen – der 69-Jährige sammelt alles.
Warum? „Das ist auch meine Geschichte.“ Der Großvater: ein Steiger unter Tage. Der Vater: Schlosser im Kraftwerk. Er selbst hat bis zum Vorruhestand im Bergbau gearbeitet, seit er 14 Jahre alt war. Nicht ganz freiwillig – kurz nach dem Krieg, als alles knapp war, hat sein Vater ihn dazu verdonnert, eine Schlosserlehre im Braunkohlewerk Zechau in Thüringen zu beginnen. Er folgte zwar der Anordnung seines Erzeugers, aber im Hinterkopf stand fest, dass er sich nicht die Hände schmutzig machen will. Also gab er sein Bestes, machte seinen Facharbeiter, bekam irgendwann einen Studienplatz, kam 1957 als junger Ingenieur in die Lausitz, ins Braunkohlewerk „Franz Mehring“ in Brieske. Er hat nach eigenen Worten eine Blitzkarriere gemacht: vom Schichtleiter zum Betriebsingenieur der Föderbrücke Niemtsch, dann Tagebauleiter. Später wurde er Betriebsleiter der Förderbrücke im Tagebau Meuro, ab 1978 war er dort Direktor.
Ein Vorteil der hohen Positionen, die der gebürtige Thüringer besetzte: Wann immer zu besonderen Anlässen Briketts geprägt, Biergläser bedruckt oder Sondermünzen produziert wurden, bekam er ein Exemplar. Die Leidenschaft war damals noch ziemlich kühl. „Eigentlich habe ich den Kram nur aufgehoben.“ Mit den Jahren kamen auch seltene Stücke dazu. Beispielsweise fanden die Meuroer Kumpel im Abraum alte Briketts von den 14 ehemaligen Kohlebetrieben, die vom Tagebau Meuro überbaggert wurden. Als er seinen Schreibtisch 1991 räumen musste, hat er zwar alles mitgenommen, aber die Erinnerungen an seine Berufsjahre erstmal im Schuppen verstaut.
1996 war das Jahr, in dem sein Sammlerherz so richtig entflammte. Für die 500-Jahr-Feier von Niemtsch richtete er in einem Nebengebäude seines Drei-Seiten-Hofes eine Ausstellung mit all seinen Bergbauartikeln aus.

Sammelwut begann 1996
Fortan machte er sich bei Tauschbörsen, auf privaten Sammlertreffen und im Internet auf die Suche nach Sammlerstücken, die ihm noch fehlten. Und das sind immer noch einige. Beispiel: Sonderbriketts von allen großen Fußball-Bundesligisten stehen in seinem Regal, nur Bayern-München hat er noch nicht ergattern können. Mittlerweile hat er sowieso keinen Platz mehr für die vielen Kohlen, also spezialisierte er sich auf Grubenlampen.
Zu begutachten sind die Stücke donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr auf dem Müllerschen Hof.

Service Börse für Bergbauartikel
 Sonderbriketts, Bergbaumünzen, Grubenlampen und noch viel mehr wird am Sonntag im Hotel Marga in Brieske zu sehen sein. Dann veranstaltet der Traditionsverein Braunkohle Senftenberg unter dem Vorsitz von Dieter Müller die zweite Börse und Infothek für Bergbauartikel. Besucher können tauschen, kaufen oder einfach gucken. Zu sehen sein wird die Ausstellung „Des Bergmanns Geleucht“ aus dem Privatbesitz des Vereinsvorsitzenden. Die Börse findet zwischen 10 und 15 Uhr statt. Acht Aussteller haben sich bislang angekündigt. Wer sich kurzfristig entschließt, mitzumachen, kann sich noch unter Tel. 0 35 73/6 30 66 anmelden.