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| 01:31 Uhr

Herr im Technik-Labyrinth

Wer soll da durchsehen? Haustechniker Tino Leisner findet die Heizungs- und Lüftungszentrale sehr übersichtlich.
Wer soll da durchsehen? Haustechniker Tino Leisner findet die Heizungs- und Lüftungszentrale sehr übersichtlich. FOTO: Rasche
Schwarzheide. Etwa 900 Schüler und mehr als 100 Lehrer vom Emil-Fischer-Gymnasium und vom Oberstufenzentrum Lausitz stürmen am heutigen Montagmorgen das neu errichtete Bildungszentrum SeeCampus Niederlausitz in Schwarzheide. Die offizielle Eröffnung ist am 17. Februar mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Von Manfred Feller

Die lernenden und lehrenden Nutzer betreten ein großes, weiß strahlendes Haus mit gelben, orangenen und roten Farbtupfern, die sich auch im Innern fortsetzen. Was sie nicht sehen, ist ein Schulgebäude, das vor versteckten baulichen und technischen Raffinessen nur so strotzt. Herr über viele Kilometer Leitungen und Rohre, über die Schalt- und Regelungstechnik ist der Ortrander Tino Leisner.

In einem gewöhnlichen Gebäude würde er sich Hausmeister nennen. Doch der wäre im SeeCampus restlos überfordert. Der 32-Jährige, von Hause aus Elektroniker, ist Haustechniker. Zu seinen Aufgaben gehört mehr als das Reparieren von Steckdosen. Ob automatische Lüftung des Passivhauses, Zusatzheizungen, Beleuchtung, Sicherheitstechnik oder Akustikanlage - der Fachmann steuert das gesamte Haus. Das kleine Haustechnikerzimmer ist dabei die Schaltzentrale.

Nicht nur Tino Leisner ist gespannt, ob der modernste Schulbau des Landkreises technisch so funktioniert, wie es die Planer auf den Rechner gebracht haben.

Zum Beispiel die sechs Lüftungsanlagen - das Herzstück des mit 30 Zentimeter starken Dämmstoffblöcken eingepackten Betonbaus. Im Idealfall sollen in dem Passivhaus - nach dem Heizschub am Morgen - im Wesentlichen die Menschen mit ihrer Körperwärme die zuvor eingestellte Lerntemperatur halten. Jede Person gibt etwa 70 bis 90 Watt Wärme ab. “Erst nach einer gewissen Zeit und bei einer bestimmten Außentemperatur kann man sagen, wie viel zuzuheizen ist„, lässt sich Tino Leisner noch zu keiner Aussage hinreißen, wie sparsam das Passivhaus tatsächlich sein wird.

Wenn es draußen kalt ist, hilft eine Gasmotor-Wärmepumpe, die Frischluft für alle Räume zu erwärmen. Wird es noch kälter, schaltet sich eine Brennwert-Heizkesselkaskade mit mehreren Gasbrennern zu. In der allergrößten Not können die sehr sparsam eingebauten Heizkörper aufgedreht werden.

Im Sommer soll das Haus über die Wärmepumpe kühle Luft erhalten.

Generell wird der im Winter durch Abluft und Heizung vorgewärmte Frischluftstrom von Sensoren gesteuert, die den CO2-Gehalt in der Raumluft messen. “Eine zusätzliche Luftbefeuchtung gibt es nicht. Die Luft ist eher trocken. Wer sich hier aufhält, sollte deshalb mehr trinken„, rät der Haustechniker.

Apropos Wasser: Dieses wird unterstützend von einer thermischen Solaranlage erwärmt.

Gespannt sein dürfen die Nutzer auf die Beleuchtung. Wird diese eingeschaltet, steuern Sensoren in Abhängigkeit vom Tageslicht die von den Lampen abgegebene Lichtmenge. Bewegungsmelder sorgen dafür, dass nirgendwo unnütz eine Lampe leuchtet. Das Flurlicht wird zusätzlich über den Pausengong gesteuert.

Bei zu heftiger Sonneneinstrahlung fahren die Jalousien automatisch herunter. Im anderen Fall bleiben sie oben, wenn Regen- und Temperatursensor Feuchtigkeit und Kälte melden. Dadurch können die Jalousien nicht festfrieren.

Darüber hinaus verfügt das Haus über eine Lautsprecheranlage auch für Musik, Sicherheitstechnik mit Einbruchmelder, Brandmeldeanlagen und eine Notbeleuchtung, die auch bei einem Stromausfall nicht erlischt. Eine spezielle Ausstattung haben auch Klassenräume und Fachkabinette. Dazu gehören Beamer, interaktive Tafeln und von der Decke absenkbare Medienträger. Weitere Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. “In dem Haus steckt noch viel mehr„, macht Tino Leisner neugierig.

Zur Person

Der aus Lauchhammer stammende Neu-Ortrander Tino Leisner bringt als SeeCampus-Techniker einschlägige Erfahrungen aus viel größeren Häusern mit. Der Elektroniker war ein Jahrzehnt bis 2009 Servicetechniker bei einem großen Chiphersteller in Dresden und anschließend in der sächsischen Landeshauptstadt ein Jahr Haustechniker bei einem namhaften Zigarettenproduzenten. Bei der Haustechnikerstelle hat er sich gegen mehr als 140 Bewerber durchgesetzt.