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| 17:40 Uhr

Klettwitz
Heiße Reifen und heißer Asphalt

Reisbrennen auf dem Lausitzring FOTO:
Klettwitz. Das 14. Reisbrennen lässt den Lausitzring für ein Wochenende aufleben. Für viele Tuning-Fans ist der Termin ein absolutes Muss. Von Uwe Hegewald

„Ein erfolgreiches Wochenende, bei steigender Besucherzahl und hochsommerlichen Temperaturen, wie wir es vom Reisbrennen auf dem Lausitzring nicht anders kennen“, lässt sich Marco Thillmann am Samstagnachmittag ein Zwischenfazit entlocken. In den Augen des Geschäftsführers der veranstaltenden TP-Event GmbH war es trotz anfänglicher Unsicherheit nach der Dekra-Übernahme des Lausitzringes, die richtige Entscheidung, an dem Lausitzer Motorsport-Mekka festzuhalten.

„Wir waren schon in Sorge, dass uns das Event an diesem Standort verloren gehen könnte“, räumt Enrico „Rikki“ Klein ein. Der 31-Jährige aus Dresden war 2017 das erste Mal für die Moderation in der Hot Import Area zuständig, in der es noch heißer (hot) zuging als beim Wetter. „Ich glaube, viele männliche Besucher beneiden mich um meinen Job“, so der Elbestädter beim Vorstellen der langbeinigen Grid Girls.

Das Reisbrennen nur auf das Showprogramm und das Präsentieren getunter Karossen der japanischen Automobilindustrie zu reduzieren, ist für Enrico Klein jedoch zu dünne Kosmetik auf den Augen. „Hier geht es auch motorsportlich zur Sache und es gibt Action zum Mitmachen“, zieht er als Gründe heran. So etwa bei der Drift-Show, bei der auch Besucher in die Fahrgastzelle steigen dürfen. Cockpit wäre vielleicht der passendere Begriff, der Zuschauern in den Sinn kommt, als sie Jennifer Gille aus einem der Drift-Wagen aussteigen sehen. Eine Stunde hatte sie am Drift-Taxistand gewartet, 25 Euro hingeblättert, um dann quietschende Reifen, atem(be)raubende Fliehkräfte und den Duft von verbranntem Gummi auf sich einwirken zu lassen. Um die Eindrücke zu schildern, reichen der 24-Jährigen aus Berlin ganze fünf Worte: „Adrenalin pur. Einfach nur geil.“ Als bekennender Motorsportfan kann sie einen Besuch des Reisbrennens nur weiterempfehlen.

Doch was sind das für Enthusiasten, die ihr Herz an eines der japanischen Automobile hängen? „Ein bisschen verrückt darf man schon sein“, skizziert Sven Rossner die Tuner- und Schrauber-Szene. Mit 17 Jahren hatte er sich seinen Mitsubishi Colt gekauft, um mit diesem nach Führerscheinerwerb zur Ausbildung zu fahren. „Das ist elf Jahre her“, so der heute 28-Jährige aus einem Dorf bei Hoyerswerda. Seinen Colt habe er behalten und Stück für Stück aufgemotzt. „Inklusive der zahlreichen Einzelabnahmen in der Zulassungsstelle. Ohne die geht gar nichts“, erklärt er am Beispiel seiner 18-Zoll-Räder. „Für diesen Fahrzeugtyp gibt es deutschlandweit nur zwei Zulassungen“, betont Rossner, der sein Schmuckstück selbstverständlich nur von April bis Oktober fährt. Bei stabilem, trockenem Wetter auch mal bis zur Arbeitsstelle in Hoyerswerda, wo er als Immobilienkaufmann arbeitet. An den hinteren Seitenscheiben dokumentieren zahlreiche Aufkleber, dass nur selten ein Reisbrennen-Termin ausgelassen wird. „In unserer Szene ist das eine Pflichtveranstaltung“, so Sven Rossner, der auch bis Oschersleben düste, wo die Veranstaltung früher stattgefunden hatte. „Wahnsinn, als wir seinerzeit hörten, dass das Reisbrennen zum Lausitzring kommt. Dieses Event vor der eigenen Haustür ist das Nonplusultra“, fasst er zusammen.

Sehen und gesehen werden: So lautet das Motto der Teilnehmer, die beim internationalen Treffen von getunten,  japanischen Automobilen vorfahren. Wer wollte, konnte seine Karosse einer Jury vorstellen und auf einen Preis hoffen.
Sehen und gesehen werden: So lautet das Motto der Teilnehmer, die beim internationalen Treffen von getunten, japanischen Automobilen vorfahren. Wer wollte, konnte seine Karosse einer Jury vorstellen und auf einen Preis hoffen. FOTO: Uwe Hegewald

Das steigende Teilnehmer- und Besucherinteresse, das Rossner und seine begleitende Hoyerswerdaer Clique wahrgenommen haben, werde als ideale Bewerbung für weitere Reisbrennen-Events auf dem Lausitzring gesehen. „Wir gehen davon aus, auch im kommenden Jahr mit der Veranstaltung auf den Lausitzring zu kommen“, prognostiziert Marco Thillmann. Bei den Dekra-Leuten sei das internationale Treffen schon mal positiv aufgenommen worden, sagt er. Mit welchen Neuigkeiten an seinem Mitsubishi Colt Sven Rossner dann vorfährt, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur eines steht definitiv fest: „In den zurückliegenden Jahren habe ich so viel Zeit und Geld investiert, dass ein Verkauf des Fahrzeuges nie im Leben passieren wird“, sagt der 28-Jährige.