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| 13:53 Uhr

Im Guinness-Buch der Rekorde
Ein Mann mit dem Allerweltsnamen fuhr vor 20 Jahren zum Weltrekord

 Heinz Noack hat es 1999 mit seiner spektakulären Rekordfahrt in Guinness-Buch der Rekorde geschafft.
Heinz Noack hat es 1999 mit seiner spektakulären Rekordfahrt in Guinness-Buch der Rekorde geschafft. FOTO: Georg Zielonkowski
Großräschen. Ziemlich genau 20 Jahre ist es her, dass der Radsportler Heinz Noack aus Großräschen eine Leistung vollbracht hat, die sogar in das Guinness-Buch der Rekorde des Jahres 2001 eingetragen wurde. Hatte der doch 1999 auf der Cottbuser Radrennbahn einen legendären 1000-Kilometer-Zeitfahr-Weltrekord herausgefahren.

Im RUNDSCHAU-Gespräch erinnert sich der heute 70-Jährige an die 3000 Runden auf dem Oval.

Haben Sie eigentlich zum 20-jährigen Jubiläum dieser Rekordfahrt tüchtig gefeiert?

Heinz Noack Nein, dies nun gerade nicht. Aber erinnert habe ich mich schon an das besondere Ereignis, dessen Resultat ja bis heute noch Bestand hat. Vielleicht auch deshalb, weil es heute kaum so Verrückte gibt, wie ich es damals war, als diese Idee geboren wurde.

Und wie kamen Sie darauf, sich auf dieses Unterfangen einzulassen?

Heinz Noack Neben mir gab es im Cottbuser Radsportclub mit Gerhard Stolz einen weiteren „Verrückten“, mit dem ich Monate zuvor einen 24-Stundenweltrekord von 650,233 gefahrenen Kilometern aufgestellt hatte. Für dieses Rennen musste ich mich an die Trainingsweisheiten von vor 50 Jahren erinnern. Über Grundlagenausdauer-, Kraftbereich- und Spitzenbereich-Training und der Teilnahme an vielen RTF-Rennen und Hobby-Klasse-Rennen, konnte ich mir innerhalb eines Jahres eine für mein Alter sehr gute Form erarbeiten. Ich habe viel im Zittauer-Gebirge trainiert, und Tagestrainingsstrecken von bis zu 300 Kilometer standen öfters auf meinen Trainingsplan. Die physische Vorbereitung war die eine Seite, die psychische ist die andere, ebenso wichtige Seite. Es war schon ein hartes Jahr, aber mit erfolgreichem Weltrekord-Abschluss.

Nun müssen Sie aber von diesem gelungenen Weltrekordversuch erzählen.

Heinz Noack Für diesen Rekord musste ich 35 Stunden, 46 Minuten und sieben Sekunden mit 28 Kilometer pro Stunde im Schnitt fast ununterbrochen im Kreis fahren. Für die 1000 Kilometer waren das eben 3000 Runden.

Sie sagten fast ununterbrochen...

Heinz Noack Die zwei Pausen von jeweils 25 Minuten sind darin eingerechnet, denn irgendwann zwischen Donnerstagabend 22 Uhr bis zum Samstag früh gegen 9.45 Uhr will der Körper das loswerden, was man ihm zuführt. Ohne Essen geht es halt nicht. Doch an Schlaf war in diesen kurzen Pausen nicht zu denken. Das sage ich an dieser Stelle ganz bewusst, weil das Schlafdefizit für mich das Schlimmste an der Tour war.

Wie sah die Verpflegung aus um den Körper „auf Kurs“ zu halten?

Heinz Noack Feste Nahrung gab es in Form von Energieriegeln und diversem Obst. Da ich aber nach der Hälfte der Strecke nichts Süßes mehr sehen konnte, kam einer aus dem Team auf die banale Idee, mir Beutelsuppen zu verabreichen. Das war für mich ganz wunderbar, hatte viel Energie und so erinnere ich mich noch heute gern an diese „Köstlichkeit“.

Hatten sie Sorge auf dem Rad einzuschlafen?

Heinz Noack Nein, nur gegen 5 Uhr am Samstagmorgen war verdammt hart. Da musste ich meinen Körper kurzfristig „ausklammern“ und den „Befehl vom Großhirn direkt auf die Füße“ schicken nach dem Motto Treten, treten, treten...! Da war ich wirklich etwas angeschlagen. Innerhalb einer Stunde war ich wieder im Normalmodus. Ohne die tolle Hilfe meiner Begleiter vom Velo-Team des RSC Cottbus unter der Leitung von Wolfram Franke, von meinem Sohn Christoph und einiger Freunde, die im „Schichtbetrieb“ über die komplette 36-Stunden-Distanz am Rande der Bahn „Wache“ gehalten haben, wäre das Ganze nicht zu machen gewesen. Alle, auch unser Dr. Ralf Lauterbach haben auf meinen gesundheitlichen Zustand geachtet.

Mussten die Helfer irgendwann auch praktisch eingreifen?

Heinz Noack In der Nacht zum Samstag kurz nach Mitternacht ist mein Puls auf 180 pro Minute gestiegen, da wurde mir leicht zu schluckende Babynahrung mit viel Vitaminen und Kohlenhydraten zugereicht. Damit ging es dann wieder deutlich besser. Bei der Gelegenheit will ich auch meinem Vereinskollegen Olaf Fröhlich danken, der einige hundert Runden neben mir gefahren ist und der mich mit kurzen Gesprächen immer wieder aufgebaut hat. Was auch wirklich notwendig war. An ein Aufgeben habe ich aber dennoch an keiner Stelle der Jagd gedacht.

Reden sie eigentlich auch heute noch im Freundeskreis voller Stolz von Ihrer Leistung?

Heinz Noack Ab und an kommt man schon noch darauf zu sprechen. Aber hausieren gehe ich mit meinem Weltrekord natürlich nicht. Und das Rad nehme ich heute eher für kurze eher freizeitgemäße Ausfahrten aus der Garage, auf irgendwelche Rasereien oder lange Strecken kann ich inzwischen gut verzichten.