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Heimkehr aus den Ferien

Franz Kafka kennen mindestens als Schriftsteller viele. Seine Erzählung "Heimkehr" ist selbst vielen Kafka-Lesern unbekannt.

Sie erzählt in rekordverdächtiger Kürze von wenigen Sätzen die gemischten Gefühle eines Mannes, der zu seinem Elternhaus zurückkehrt. Aus dem Urlaub kommend oder nach Ferien, für die man zwar nicht sein Zuhause, aber doch den Alltagstrott verlassen hatte, beschleichen einen manchmal durchaus ähnliche Gefühle: Dieses Gemisch aus Vorfreude auf Vertrautes und banger Erwartung von allzu Vertrautem, dem man sich ganz gern für eine Weile entzogen hat oder entziehen würde.

Manche Gewohnheit nehmen wir ja auch mit auf Ausflüge oder gar Reisen. Am schwierigsten ist bisweilen Urlaub von sich selbst, eben von all diesen eingeschliffenen Selbstverständlichkeiten zu machen. Ich hoffe, es überwogen für Sie die angenehmen Gefühle und die freudigen Erwartungen bei Ihrer "Rückkehr aus dem Sommer", von dem wir alle hoffen, dass er uns in den kommenden Wochen noch die eine oder andere Zugabe gönnen möge; bei dieser Rückkehr in den Alltag, der ebenso als Halt wie auch von Zeit zu Zeit als Begrenzung oder gar Einengung erlebt und empfunden werden kann. So ist es für manche auch mit dem Kirchgang: Die Liturgie, die Abläufe und Rituale geben einerseits willkommene Orientierung, aber manchmal - gerade nach ‚Ausflügen in andere Welten‘- können sie einem ein bisschen zu viel Geländer und Führung sein.

Kirche ist aber nicht nur das Gebäude, die Institution, sondern zuallererst die Gemeinschaft. Und wir selbst sind darin. Deshalb freue ich mich, wenn Sie an den kommenden Wochenenden Gottesdienste nutzen mögen, um ein bisschen zu sich selbst und in die Welt der Vertrautheiten zurückzukehren.

Aber auch, wenn Sie - vielleicht von nahen oder fernen Reisezielen zurückgekehrt - in diesem, Ihnen vielleicht weniger vertrauten "Begegnungsformat" auf Entdeckung gehen mögen. Gemischte Gefühle müssen dabei kein Problem sein; auch Zweifel nicht. Daraus entstand schon oft Neues und Spannendes: Vor rund 2000 Jahren ein neuer Glaube, vor 500 Jahren eine neue Konfession.