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Heimisch in Heimatruh: Laufenten und Schlangengurken

Neu zur Kleingartengemeinschaft hinzugestoßen ist in diesem Jahr Neu-Senftenbergerin Bärbel Schulze (r.). Vereinsvorsitzende Angelika Weiß (l.) schaut auf einen Plausch über den Gartenzaun vorbei. Die letzten Bohnen, Kräuter und Kürbisse werden nebenbei geerntet.
Neu zur Kleingartengemeinschaft hinzugestoßen ist in diesem Jahr Neu-Senftenbergerin Bärbel Schulze (r.). Vereinsvorsitzende Angelika Weiß (l.) schaut auf einen Plausch über den Gartenzaun vorbei. Die letzten Bohnen, Kräuter und Kürbisse werden nebenbei geerntet. FOTO: Budich
Senftenberg. Mit knapp 95 Jahren hat es der Gartenverein "Heimatruh" allen gezeigt. Der zweitälteste Verein im Bezirksverband der Gartenfreunde hat mit grünem Daumen, großem Zusammenhalt und einer tipptopp Anlage die Jury überzeugt. Die Kleingarten-Krone 2016 geht an die "Heimatruh"-Laubenpieper. Andrea Budich

Maskottchen "Bierchen" hat den 341 "Heimatruhern" Glück gebracht. Und tatsächlich bezieht die gescheckte Mieze pünktlich zum Pressetermin vor der Gast stätte "Heimat ruh" schnurrend Position. "Bierchen" ist den Schrebergärtnern vor drei Jahren zugelaufen und seitdem das Sparten-Maskottchen. Auf seinen vier Pfoten kreuzt "Bierchen" in der Anlage mit den elf Gängen irgendwo immer auf.

Was "Bierchen" gefällt, ist jetzt auch ganz offiziell mit der Kleingarten-Krone gekürt worden. "Heimatruh" ist unter Senftenbergs Laubenpiepern ein Traditionsverein. Im nächsten Jahr wird das 95-jährige Bestehen gefeiert. Älter ist in Senftenberg nur der "Elsterhorst", in dem seit 1908 umgegraben, gesät und geerntet wird. Der Feier-Termin steht bereits fest: Vom 9. bis 11. Juni steigt der Sparten-Geburtstag.

Trotz des hohen Alters ist der Verein kein bisschen in die Jahre gekommen. Fast alle der 238 Gärten sind verpachtet. Zu haben sind derzeit nur zwei freie Schollen. Sieben Gärten werden als Tafel-Gärten bewirtschaftet. Erntefrisch werden daraus Tomaten, Kartoffeln, Blumenkohl und Kohlrabi an die Tafel zur Verteilung an Bedürftige gegeben.

Wenngleich über die Hälfte der Heimatruh-Laubenpieper im Rentenalter ist, ist die Sparte auf dem besten Weg, sich zu verjüngen. Gleich drei Mini-Gärtner bringt Bärbel Schulze mit in den Verein. Für die Dreifach-Mutter und Neu-Senftenbergerin ist es das erste Vereinsjahr. Seit sie Mitglied ist, wird in der Kleingartenanlage auch geschnattert. Ihre fünf Laufenten sorgen dafür, dass nicht eine einzige Schnecke über ihre Beete kriecht. Damit sich der Vereins-Nachwuchs wohlfühlt, ist die Spielfläche gegenüber der Gaststätte in dieser Saison neu hergerichtet worden.

Was "Heimatruh" stark macht, ist der Zusammenhalt. "Bei uns wird nicht nur geackert, sondern auch das gesellige Leben gepflegt", sagt die Vorsitzende Angelika Weiß. Zum Vereinsleben gehören die Gang-Feste genauso wie das Kinderfest. Eine Vereinsfahne gibt es bisher noch nicht. "Wir arbeiten dran. Spätestens zum 100. Geburtstag wollen wir sie hissen", erklärt Weiß.

Jahr für Jahr wird die Kleingartenanlage modernisiert. In dieser Saison waren die Wasser-Hauptleitung und die Elektrostromkästen an der Reihe. Der Hauptweg wurde neu gesplittet und die Beleuchtung im Eingangsbereich erneuert. Weiter geht es im kommenden Jahr mit der Wasserleitung im Neuaufschluss auf der ehemaligen Kippe.

Bevor im Gartenverein endgültig winterfest gemacht wird, bläst Vorstandsmitglied Klaus Pietsch mann zum Saisonabschluss-Arbeitseinsatz. Am Samstag ist es wieder soweit. Dann wird auf den Freiflächen gemeinsam geharkt, sortiert und entleert, was das Zeug hält. "Ums gemeinsame Anpacken mogelt sich bei uns niemand herum", sagt der 74-Jährige, der im Verein den Hausmeister-Hut aufhat. Seinen Garten hat er vor 37 Jahren übernommen - damals noch nach zweijähriger Wartezeit.

Für die Kleingarten-Krone ausschlaggebend waren natürlich auch die große Blumenpracht und die Vielfalt im Gemüseanbau. Die chinesischen Schlangengurken, die mit einem halben Meter Länge vom Spalier hängen, gehören dazu.

Zum Thema:
Mit 114,8 Punkten ist der Gartenverein "Heimatruh" Senftenberg Sieger im Kleingartenwettbewerb 2016. Damit mussten sich die Gartenfreunde der Sparte "Am Niemtscher Park" (109,13 Punkte) knapp geschlagen geben. Dritter im Bunde ist die Sparte "Am Margaretengraben" Brieske (108,5 Punkte). Besondere Aktivitäten der Kleingartensparten: Eine eigene Vereinsfahne kann im Peickwitzer "Waldeck" gehisst werden. Mit einer neu geschaffenen Freifläche für Zusammenkünfte punktet die Sparte "Elsterdreieck" Niemtsch. Im "Margaretengraben" Brieske wird in Jahreswettbewerben um die schönste Dahlie oder um die höchste Sonnenblume gewetteifert. Die Schrebergärtner aus dem "Niemtscher Park" haben ihr Spartenheim erweitert.Der Gartenverein Heimatruh ist eine der größten Gartenanlagen Senftenbergs. Im Oktober 1922 gegründet, musste die Sparte wegen des voranschreitenden Bergbaues in den Jahren 1956 bis 1958 umgesiedelt werden und ist seitdem auf dem heutigen Standort.

Chinesische Schlangengurken – auch die gibt es in "Heimatruh". Klaus Pietschmann präsentiert eines der exotischen Gewächse.
Chinesische Schlangengurken – auch die gibt es in "Heimatruh". Klaus Pietschmann präsentiert eines der exotischen Gewächse. FOTO: Budich