Vom ursprünglichen Kleinkoschen, angelegt als Platzdorf, ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Dass sich die Dorfmitte einst anstelle der heutigen Feuerwehr befand, wissen nur die Alteingesessenen. Kaum ein Gebäude ist heute älter als 160 Jahre. Denn mehrere Brände in den Jahren 1858 und 1860 zerstörten das Dorf fast komplett. Nach der Wende mussten ältere Höfe neuen Einfamilienhäusern weichen. Helmut Ruhland, Vorsitzender des Heimatvereins Kleinkoschen, spricht von einer „unguten Entwicklung“. Der ursprünglich rein sorbische Ort sei seiner Identität beraubt worden.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden in Kleinkoschen 17 Hofnamen genannt. „Alle diese Bezeichnungen sind sorbischen/wendischen Ursprungs“, erklärt Helmut Ruhland. Der Name Baran steht, ins Deutsche übersetzt, für einen Schafbock, Schuppan bedeutet Bienenzüchter und Koal Schmied.

Kleinkoschen war bis Ende des 19. Jahrhunderts sorbisch

Noch am Ende des 19. Jahrhunderts gilt das Dorf mit seinen 18 Bauerngütern und 247 Einwohnern als rein sorbisch. So notiert es der sorbische Ethnograf Arnost Muka in seiner Statistik der Lausitzer Sorben. Im benachbarten Großkoschen lebten zur gleichen Zeit 441 Einwohner, davon 440 Sorben.

Anders sah es hingegen in den bereits von der Industrialisierung geprägten Orten der Niederlausitz aus. So war die Mehrheitsbevölkerung in Kleinräschen und in Bückgen bereits deutsch.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren in und um Kleinkoschen sorbische Flurbezeichnungen allgegenwärtig. Helmut Ruhland verweist dabei auf die Wilka, die Wolfswiese, die sich heute an der B 96 befindet. Auf einer im Sorbischen als Poduch genannten Fläche nördlich der Schwarzen Elster hatte Ruhland als Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) in den 1960er-Jahren den Hut auf, als das einstige Ödland in Acker verwandelt wurde. Heute befinden sich auf der Poduch-Flur die Kleingärten an der Steinkippe.

Die Industrialisierung verändert auch Kleinkoschen

Obwohl Kleinkoschen noch vor mehr als 100 Jahren als rein sorbisches Dorf galt, machte sich bereits damals der deutsche Einfluss bemerkbar. So gab es keine sorbischen Pfarrer mehr. Kleinkoschen wechselte mit dem Neubau der Kirche in Großkoschen anno 1882 kirchlich in den Nachbarort. Zuvor gingen die Einwohner zum Gottesdienst in die Wendische Kirche nach Senftenberg.

Senftenberg

Noch stärker auf den Niedergang der westslawischen Sprache wirkte sich die Industrialisierung der Region aus, insbesondere bedingt durch den Abbau und die Veredlung der Braunkohle. Allerdings, so hat Helmut Ruhland recherchiert, sollte es noch bis ins Jahr 1940 dauern, bis die ersten Kohlearbeiter in Kleinkoschen auf einem Hof neben der Gastwirtschaft ansässig wurden. „Aber auch viele Alteingesessene fanden im Bergbau Arbeit“, sagt Ruhland weiter. Dort war die Verständigung nur auf Deutsch möglich. Bereits im Jahr 1913 hatte es eine Einladung für ein Festessen der Ilse Bergbau AG für alle Kleinkoschener Bauern gegeben, die Land an das Kohleunternehmen abgetreten hatten.

20 Gehöfte in Kleinkoschen wichen dem Bergbau

Während der DDR-Zeit musste das Dorf zahlreiche Gebietsverluste hinnehmen. Wegen der Tagebaue Niemtsch und Koschen verschwanden zahlreiche Höfe. Insgesamt mussten zwischen 1957 und 1963 um die 20 Gehöfte für die Kohle aufgegeben werden, darunter die Wettigmühle. Über 80 Prozent der örtlichen Gemarkung verschwanden in den Gruben.

Nach der politischen Wende von 1989/1990 erfasste Kleinkoschen ein wahrer Bauboom. Hintergrund bildete ein bereits zu DDR-Zeiten geplanter größerer Kleingartenkomplex auf Acker- und Wiesenland. Die Gärten waren für die Einwohner des geplanten Neubaugebietes im benachbarten Buchwalde vorgesehen. Im Zuge der Wende wurde nach Angaben von Helmut Ruhland das angedachte Gartenland zur Bebauung mit Eigenheimen freigegeben.

Die sorbische/wendische Sprache ist inzwischen gänzlich aus Kleinkoschen verschwunden. Geblieben sind lediglich noch Bräuche, beispielsweise das Zampern und das Maibaumstellen. Die Beteiligung der nach 1990 zugezogenen Neubürger sei dabei durchwachsen, weiß Helmut Ruhland.

Kleinkoschen ist über 600 Jahre alt


Vor genau zehn Jahren hatte in Kleinkoschen die 600-Jahr-Feier stattgefunden. Anlass bildete die urkundliche Ersterwähnung des Ortes als „Kleyne Koschin“ anno 1410. Damals bestätigten die Herren von Senftenberg die Stiftung von Zinsen von der Mühle bei Kleinkoschen (Wettigmühle) für die Pfarre von Senftenberg, heißt es in der Chronik. Die betreffende Urkunde soll nicht mehr existieren. Der Ortsnahme leitet sich vom sorbischen Kosna, Korb, ab. Gemeint ist, dass die Gehöfte auf einem mit Korbweiden umgebenen Platz errichtet worden sein könnten. Möglicherweise ist aber auch ein Bienenkorb oder eine Fischreuse gemeint.