„Grünewalde hat einen berühmten Sohn. Nur leider kennen ihn bislang nur wenige“, bringt Siegfried Thomas das Dilemma auf den Punkt. Das soll sich nun ändern. Denn der Vorsitzende des Grünewalder Heimatvereins will mit seinen Protagonisten ein Denkmal für den Wasserbaumeister Johannes Müller errichten. „Es handelt sich um eine aus Holz geschnitzte Figur eines Wassermüllers“, kündigt Thomas an.

Denkmal für den Wasserbaumeister steht am Grünewalder Dorfteich

Mitte Mai soll die Einweihung direkt am Grünewalder Dorfteich erfolgen. Schräg gegenüber hatte Müller am Ende des 17. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickt, genau in jenem Gebäude, das heute als Vereinshaus der Heimatfreunde genutzt wird.

Wann genau Johannes Müller geboren wurde, ist unklar. Bislang ist von der Jahreszahl 1695 die Rede. „Aber wir haben von ihm den Hochzeitstermin. Er wäre dann zur Zeit seiner Trauung erst 19 Jahre alt gewesen. Das wäre für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich“, sagt Siegfried Thomas. Daher müsse in den Archiven weiter nach dem korrekten Geburtsjahr geforscht werden.

Wasserbaumeister legte den Standort für Lauchhammer fest

Verbürgt ist hingegen Müllers reichhaltiges Schaffen in der Region. So war es der Grünewalder Wasserbauingenieur, der auf Drängen der Freifrau von Löwendal den Standort des künftigen Hochofens und damit des neuen Dorfes Lauchhammer festlegte. Darüber hinaus projektierte Johannes Müller die entsprechenden Wasserwege, die für den neuen Betrieb sowie für den Transport des notwendigen Raseneisensteins, des Holzes und der Kohle erforderlich waren.

Ebenso mussten Wasserwege zum Abtransport des in Lauchhammer gegossenen Roheisens gebaut werden. Nicht zuletzt wollte der Grünewalder Wasserbauingenieur eine Verbindung von der Region Finsterwalde/Lauchhammer zur Elbe errichten.

Noch heute zeugen der Floßkanal sowie der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal davon. Diese Wasserstraßen wurden erbaut, um die in Sachsen dringend benötigten großen Holzmengen aus der westlichen Niederlausitz nutzen zu können.

Wasserbaumeister baute die Wendische Kirche in Senftenberg

Nach seiner Kanalbauzeit zog es Johannes Müller in die Senftenberger Region. Er erwarb die Wolschink-Mühle bei Sedlitz. Darüber hinaus erbaute der gebürtige Grünewalder Mitte des 18. Jahrhunderts die Wendische Kirche in Senftenberg, berichtet Siegfried Thomas. Ursprünglich war die Konstruktion in Holzbauweise geplant, Müller entschied sich aber für einen Steinbau. Die Weihe erfolgte kurz vor Weihnachten 1749. Heute dient das Gebäude als Bürgerhaus für verschiedene Veranstaltungen. Seit rund zehn Jahren finden dort wieder sorbische/wendische Gottesdienste statt.

Johannes Müller starb im Spätherbst 1764. Er wurde in Senftenberg beigesetzt. Die Vision eines Kanals vom Spreewald zur Schwarzen Elster zwecks Holztransporten konnte der Ingenieur nicht mehr umsetzen. Diese Verbindung wurde letztlich nie gebaut.

Für das Denkmal sammeln die Grünewalder Spenden

Für das geplante Johannes-Müller-Denkmal rechnet der Grünewalder Heimatverein mit einer Summe von 3500 Euro. Das Geld soll in erster Linie aus Spenden besorgt werden. Darüber hinaus wird ein Teil der Einnahmen aus einem von Siegfried Thomas verfassten Grünewalder Tiergeschichten-Buch für das Denkmal gespendet.

Neben dem Projekt am Dorfteich Grünewalde plant der örtliche Heimatverein perspektivisch mit einer Ausstellung über den Wasserbaumeister. Diese könnte in die Europaschule Grünewalde einziehen. Dafür müsste das Gebäude zunächst umgebaut werden. „Allerdings sind die Förderbedingungen dafür nicht so günstig“, schränkt Siegfried Thomas ein. Bislang wurden heimatgeschichtliche Ausstellungen in der alten Schule am Dorfteich gezeigt.

Heimatverein ist kultureller Motor


Der Grünewalder Heimatverein ist anlässlich der 575-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 1993 gegründet worden. Neben der Aufarbeitung der Heimatgeschichte haben sich die Protagonisten unter der Leitung von Dr. Siegfried Thomas dem kulturellen Leben im 1200 Einwohner zählenden Lauchhammeraner Stadtteil verschrieben. Neben dem Heimatmuseum in der alten Schule gibt es das Mühlenhofmuseum mit Spintestube, Hofladen, Kräutergarten, Backstube, Schmiede und Vereinshaus. In der ehemaligen Heimatstube befindet sich heute eine kleine Bibliothek. Darüber hinaus werden diverse sportliche und geistige Aktivitäten angeboten, beispielsweise Turnen, Radfahren sowie Kartenspiele. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.hv-gruenewalde.de.