Leda, Repinska und das Millionenviertel: Diesen und zahlreichen weiteren historischen Flurbezeichnungen aus dem alten Sauo ist Rolf Radochla auf der Spur. Der gebürtige Sauoer will damit die Erinnerungen an seinen Heimatort bewahren.

Das Dorf Sauo musste dem Tagebau Meuro weichen

Das Dorf musste Anfang der 1970er-Jahre dem Tagebau Meuro weichen. Fast 400 Menschen wurden umgesiedelt. Heute erinnert ein Gedenkstein am Aussichtspunkt Reppist an den gewesenen Ort.

Radochla hat in verschiedenen Archiven, Büchern, Dokumenten und in weiteren Archivalien geforscht. Herausgekommen ist eine bislang rund zehn Seiten lange Liste mit diversen Flurnamen und Ortsbezeichnungen.

Da ist beispielsweise von der Leda die Rede. Der sorbische/wendische Begriff beschreibt ein Stück Brachland. „In Sauo soll diese Fläche an der Kreuzung des Senftenberger mit dem Hörlitzer Weg direkt neben der alten Schule gelegen haben“, hat Rolf Radochla recherchiert. Der Großräschener Heimatforscher Fritz Bönisch ergänzt in seiner Sauo-Chronik, dass das Areal einst zum Heu trocknen gedient hatte und ganz im Südosten des Ortes lag.

Sauo war ein slawisches Dorf

Dann gab es die Repinska, ebenfalls ein slawischer Begriff. Da Repa für Rübe steht, kann es sich nur um ein Rübenfeld handeln. Und unvergessen ist das Millionenviertel. Der frühere Sauoer Ortsteil, so erklärt Rolf Radochla, befand sich einst an der Straße nach Jüttendorf, einem Teil von Senftenberg. „Es wird erzählt, dass dort jemand gewohnt hat, der in Amerika eine oder zumindest eine Viertelmillion Dollar geerbt haben soll. Aber ob die Geschichte wahr ist, wage ich zu bezweifeln“, so Radochla. Jedenfalls wurde immer erzählt, dass in der Siedlung die Sauoer Millionäre wohnten. Tatsächlich handelte es sich aber um ein Arbeiterviertel im Süden des Dorfes.

Übrigens hat der Ortsname Sauo nichts mit einer Sau zu tun, wie viele vermuten, sagt der Heimathistoriker. Vielmehr komme der Begriff ebenfalls aus dem Slawischen und bedeute „Eule“ (Sowjo). Sauo ist also ein Dorf, in dem einst viele Eulen gelebt haben müssen.

Um das Dorf Sauo ranken sich viele Geschichten

Rolf Radochla, aktives Mitglied im Verein für Heimatpflege Senftenberg 1909, forscht schon seit vielen Jahren über sein einstiges Heimatdorf. Auch in seine eigene Familiengeschichte hat der heute am Spreewaldrand lebende Autor schon tief hineingeblickt. Der inzwischen 69-Jährige stammt aus einer Fleischerfamilie. Großvater Wilhelm Radochla, der aus Klettwitz kam, war der erste Radochla in Sauo.

„Mir wurde als Kind erzählt, dass er bei einer Rückfahrt mit der Kutsche von Rauno über die Kippe der Weißen Frau begegnet sein soll“, berichtet Rolf Radochla. Die Pferde sollen durchgegangen sein, aber alle Insassen dennoch sicher zum heimischen Gehöft transportiert haben. Die Weiße Frau ist eine Sagenfigur, der verschiedene Eigenschaften zugesprochen werden.

Rolf Radochlas Vater Friedrich baute die Fleischerei zu einem Landwirtschafts- und Fuhrbetrieb um. „Unser Hof gehörte zu den kleineren im Dorf“, erinnert sich Rolf Radochla. Dieser befand sich in unmittelbarer Nähe der Schule und hat auch Eingang auf eine Ansichtskarten gefunden. „Auf dem Anwesen wurde gebuttert, Sauerkraut gestampft und mehrmals im Jahr geschlachtet“, berichtet Rolf Radochla.

Obwohl das Leben im alten Sauo auch beschwerlich und bisweilen hart war, blickt der 69-Jährige auf eine schöne und glückliche Kindheit zurück. „Mein Ziel ist es nun, mittels der alten Flurnamen die Erinnerung aufrecht zu halten.“ Wer weitere Informationen hat, könne sich gern melden. Der Autor, Verleger und Vater des Senftenberger Heimatkalenders Kippensand kann sich vorstellen, sein zusammengetragenen Wissen in einem Werk zu veröffentlichen.

Ehemalige Sauer werden gesucht


Heimathistoriker Rolf Radochla aus Ruben im Spreewald sucht zur Erforschung der Sauoer Flurnamen die Unterstützung der ehemaligen Einwohner. Er hat eine zehnseitige Liste erstellt, die angefordert werden kann, um sie zu ergänzen oder zu korrigieren. Wer Interesse hat, meldet sich unter der E-Mail-Adresse rolf@radochla-ruben.de oder unter der Telefonnummer 035606 40479 beziehungsweise 0151 5 6553727. Im Jahr 2021 jährt sich die Abbaggerung von Sauo zum 50. Mal. Möglicherweise erscheint dann die entsprechende Publikation zu den Sauoer Flurnamen.