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| 18:56 Uhr

Heimatforscher weckt Kampfgeist gegen Abriss

Heimatforscher Alexander Claus ringt um den Erhalt der Orangerie (l.) und der alten Mühle (hinten). Foto: Mirko Sattler/sam1
Heimatforscher Alexander Claus ringt um den Erhalt der Orangerie (l.) und der alten Mühle (hinten). Foto: Mirko Sattler/sam1 FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Lauchhammer fasst ins Auge, die Schlosspark-Ruinen aus privater Hand zu kaufen. Bei Alexander Claus löst dieser Plan widersprüchliche Gefühle aus. Die Gebäude, wertvolle historische Zeitzeugnisse, sind dem Verfall preisgegeben. Mit dem Erwerb der Stadt droht dem noch einigermaßen erhaltenen Kavaliershaus und den Resten der Orangerie und des Forsthauses der Abriss. Der Appell des Heimatforschers: es beim Alten zu belassen. „Es ist zwar unschön zu betrachten, aber sinnvoll zu bedenken, was Menschen vor uns schufen“, sagt er. Von Kathleen Weser

Das marode Kavaliershaus und die kaum noch erkennbaren Ruinen der Orangerie und des Forsthauses im Schlosspark Lauchhammer werden allgemein als Schandflecke wahrgenommen. Doch Heimatforscher Alexander Claus sieht die Reste der alten Gebäude mit anderen Augen.

Wertvolles Zeitzeugnis

"Das Eckhaus der Orangerie ist wahrscheinlich das älteste erhaltene Kirchgebäude", berichtet der profunde Kenner der Mückenberger Historie. Der Lauchhammeraner, der jetzt in Elsterwerda lebt und sich weiter im Heimatverein der Stadt engagiert, weiß über die "leider vielfach umgebaute Kapelle" zu berichten: Unter der Herrschaft des Meißner Adelsgeschlechts derer von Schleinitz war die Kirche im Jahr 1675 in der Nähe des Dorfes Mückenberg errichtet worden. "Der Aufbau ist bemerkenswert", erzählt Alexander Claus. Die ersten Fundamentlagen seien aus packgesetzten Feldsteinen aufgeschichtet worden. "Das belegt ganz simpel, dass sich die Bauherren damals bewusst gewesen sind, auf feuchtem Boden zu gründen", ergänzt der Heimatforscher. An den Park war damals übrigens noch nicht zu denken. Auf die unteren Feldsteinlagen wurden exakt gehauene Sandsteinquader aufgesetzt, besonders für die Ecken der Kirche. Mit Brandziegeln sind die Mauern gebaut worden. Diese waren zu der Zeit im Raum Lauchhammer schon sehr gebräuchlich. Im Dienst stand die Kirche noch, als die Familie des Freiherren von Löwendahl im Jahr 1716 in den Besitz des Schleinitz-Schlosses kam. Dessen Kleine Kapelle wurde Teil des Mückenberger Schlosses, das Freifrau Benedicta Margareta von Löwendal von 1737 bis 1739 errichten ließ. Mit der Gestaltung des Umfeldes war die Kapelle wohl in die Viereckbebauung des Schlosses Mückenberg einbezogen worden.

"Die alte Bebauung ist es unbedingt wert, erhalten zu werden", sagt Alexander Claus.

Geschichte zum Anfassen

In dem nach dem Sturm Kyrill wieder aufgebauten Schlosspark sollten die Gebäude - natürlich baulich gesichert - neben der nun schön erhaltenen Schlosskirche so lange wie möglich Kunde geben von der großen Geschichte. "Der Zustand möge niemandem zum Verdruss werden", wünscht sich der Heimatforscher. Realistisch stellt er fest: Allein ist keiner in der Lage, die denkmalgeschützten Gebäude zu sanieren. "Noch sind diese Kleinode zu sehen. Folgenden Generationen wird der Blick auf den sichtbaren Rest Heimatgeschichte verwehrt, wenn der Abriss ernsthaft erwogen werden sollte", mahnt Claus. Wertvolle Zeitzeugnisse, wie der Türeingang des Eiskellers, seien bereits dem Schredder zugeführt worden. Der Heimatforscher hat noch einige Stücke vom Schloss und der Schlossanlage im Bild festhalten können. Ansonsten sind sie verloren.

Viele Bürger, so stellt er fest, haben keinen Bezug mehr zur Geschichte. "Das ist bedauerlich verständlich", sagt Alexander Claus. Deshalb ist es ihm so wichtig, die "alten, ehrwürdigen Sachzeugen der Vergangenheit zu bewahren". Im Schlosspark Lauchhammer, so befürchtet er, könnte die Stadt nahe dran sein, Erhaltenswertes zu vernichten. "Lasst einmal etwas Altes beim Alten", so der Appell des Heimatforschers an die Entscheider.

Das Stadtoberhaupt hat von der Ratsrunde grünes Licht dafür bekommen, die Ruinen zu erwerben, um im Park Ordnung zu schaffen. Die angespannte Finanzlage lässt den Wiederaufbau von Kavaliershaus, Orangerie und Forsthaus auf Stadtkosten nicht zu. Die Denkmalbehörde ist mit im Boot. Der Zukunftsplan für das marode Ensemble ist noch offen.

Zum Thema:

Mückenberg, heute Lauchhammer-West, wurde im Jahr 1278 erstmals urkundlich erwähnt. Die damals bereits vorhandene Burg war unter "Mockenburg" bekannt. In ihrer Nähe lag das Dorf "Puketscha", übersetzt Langer Damm, was der Siedlung an der heutigen Berliner Straße entspricht. Die ersten Besitzer der Mückenberger Gegend waren bis zum Jahr 1278 die Burggrafen von Wettin. Später wurde die Herrschaft von denen von Schleinitz (1506) geführt und 1716 von Freiherr Woldemar von Löwendahl erworben. Dessen Frau, die Gründerin des Lauchhammerwerkes, ließ das Schloss Mückenberg erbauen, von dem heute nur noch der Schlosspark Lauchhammer existiert.