Im Frühjahr 2019 hat eine Frau aus dem Raum Senftenberg einen Telefonanruf erhalten. Es geht um eine Umfrage, sagt der Anrufer, stellt ein Geschenk in Aussicht. Die Frau stimmt einem Vertreterbesuch zu. Am 9. April 2019 wird die Dame im Namen der Firma N.S.B. Chamma GmbH in ein Verkaufsgespräch verwickelt.

Es geht um Matratzen, Betten, Lattenroste und Staubsauger. Die Brandenburgerin unterschreibt einen Kaufvertrag über 15.000 Euro.

LR Online berichtete im Mai 2019 über den Fall ursprünglich unter der Überschrift: „Senftenberger skrupellos ausgetrickst: Teure Matratze statt Geschenk Vorsicht Abzocke: Miese Masche an den Haustüren“.

Senftenberg

Knapp ein Jahr später, am 12. März 2020, meldet sich der Anwalt der Firma N.S.B. Chamma GmbH. Er beschwert sich im Namen seiner Mandantin über den Archiv-Artikel. Der Anwalt legt dar, dass das Haustürgeschäft wieder rückgängig gemacht worden sei. „Am 11. April 2019 erhielt meine Mandantin die Willenserklärung der Kundin, den Vertrag widerrufen zu wollen. Diesem Wunsch entsprach meine Mandantin dann umgehend und ohne jeglichen Anlass zu Beanstandungen“, heißt es im Anwaltsschreiben.

Haustürgeschäft: So hilft die Verbraucherzentrale

Zuvor hatte sich die Kundin an eine Filiale der Verbraucherzentrale Brandenburg gewandt und um Unterstützung gebeten. Das bestätigt Stefanie Kahnert, Juristin der Verbraucherzentrale. In der Verbraucherzentrale habe eine Beraterin ein Widerrufsschreiben erstellt, welches die Verbraucherin selbst unterzeichnet habe. Kahnert sagt, dass die Lausitzerin nach dem Absenden des Widerrufsschreibens den an der Haustür vorausgefüllten Überweisungsträger zurückerhielt.

Die Direktvertriebsfirma sieht sich durch den ersten Bericht auf LR Online zu Unrecht an den „Internet-Pranger gestellt“. Sie sei „besonders sensibilisiert dafür, dass ihre Kunden stets in jeglicher Hinsicht und vollkommen zufrieden sind“, heißt es im Anwaltsschreiben.

Direktvertrieb weist Vorwurf der Skrupellosigkeit zurück

Laut dem Anwalt der Firma ist unzutreffend – wie im LR-Online-Artikel vom Mai 2019 geschrieben – dass es statt eines Geschenks ein Verkaufsgespräch gegeben habe. Der Anwalt schreibt, dass stets ein Präsent an neue Kunden und Interessenten überreicht werde „und auch in dem von Ihnen zitierten Fall wurde“. Die Firma N.S.B. Chamma GmbH stört sich nach den Angaben ihres Anwalts außerdem an der Bewertung des Geschäftsgebarens als „mies“, skrupellos“ oder „unseriös“.

LR Online hat die Juristin der Verbraucherzentrale befragt, wie diese das Vorgehen der Direktvertriebsfirma bewertet. „Wir raten bei Außergeschäftsraumverträgen allgemein zur Vorsicht, unabhängig vom jeweiligen Vertragspartner“, sagt Stefanie Kahnert von der Verbraucherzentrale.

Regelmäßig würden diese Treffen in für Verbraucher eher überraschend erfolgenden Telefonaten, initiiert durch den Unternehmer, vereinbart. Während der Anwalt der Firma N.S.B. Chamma GmbH schreibt, dass es selten zu Reklamationen komme, sagt die Juristin der Verbraucherzentrale: „Sehr hochpreisige Verträge reuen Verbraucher nach etwas Zeit zum Überlegen häufiger.“

Verbraucherzentrale: Kunden können Haustürgeschäft widerrufen

Die Verbraucherzentrale Brandenburg weist daraufhin, dass das Gesetz in diesen Fällen eines Vertragsschlusses zu Hause grundsätzlich ein Widerrufsrecht vorsieht. „Es ist für die Verbraucher im Vorfeld aber nicht erkennbar, ob ein Widerruf auch ordnungsgemäß abgewickelt wird“, sagt Kahnert. Im Fall der Lausitzerin gab es mit der Firma N.S.B. Chamma GmbH kein Problem.