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| 14:29 Uhr

Schlachte-Tradition
Hausschlachten ist Männersache

Die achtköpfige Gruppe aus Lindenau schlachtet nun schon seit 14 Jahren jeweils im Februar ein Schwein.
Die achtköpfige Gruppe aus Lindenau schlachtet nun schon seit 14 Jahren jeweils im Februar ein Schwein. FOTO: Rudolf Kupfer / Kupfer Renate
Lindenau. In Lindenau hat die fast vergessene Tradition noch einen festen Platz im Jahresplan.

Schon immer ging vom Hausschlachten im Winter in den Dörfern der Lausitz eine besondere Faszination aus. Noch vor etwa 70 Jahren sicherte sich die Landbevölkerung zu großen Teilen über diesen Weg ihre Fleisch- und Wurstversorgung für das ganze Jahr. So erhielten Landwirte für die damals rationierten Fleisch- und Wurstwaren keine Lebensmittelkarten. Sie waren Selbstversorger. Erst am 3. September 1958 wurde diese Form der Rationierung in der ehemaligen DDR aufgehoben. Obwohl aktuell die Versorgung bei brechend vollen Kühltruhen und einem Riesenangebot auf dem Markt kein Thema ist, gibt es nach wie vor Interessenten, die sich mit kulinarische Köstlichkeiten über das Hausschlachten versorgen.

Dazu gehört auch eine Gruppe von acht jungen Männern aus Lindenau, die seit 14 Jahren jeweils im Februar ein Schwein schlachten. Dieser Höhepunkt hat in ihrem Jahresplan einen festen Platz. „Es ist auch jedes Mal aufs Neue spannend, zu erleben, wie diese Produkte entstehen und dabei selbst mitwirken zu können,“ schätzt der 44-jährige Sven Hanisch ein. „Wir sind inzwischen gut ausgerüstet und haben beispielsweise drei transportable Kessel, einen Brühtrog, eine Leiter und alle anderen Gerätschaften, die zum Schlachten gebraucht werden. In diesem Jahr haben wir erstmals ein Rührgerät für die Herstellung der Grützewurst eingesetzt,“ so Rene Jahn.

Beim Schlachten gibt es eine klare Aufgabenverteilung. Ein Grundsatz ist von Anfang an, dass ausschließlich die Männer aktiv sind, dem Fleischer zur Hand gehen. Wichtigster Grundsatz ist die Sauberkeit, sagt Jan Giebel. Das Pökeln und Räuchern der Wurst, des Schinkens und Specks liegt in den Händen von Heiko Mißbach und klappt immer wieder bestens, sind sich alle einig. Mit den Partnern wird am Abend ein zünftiges Schlachtefest gefeiert und die exakte Aufteilung von frischen Fleisch und Wurst vorgenommen. Auch Zaungäste sind willkommen und erhalten schon mal eine kleine Kostprobe. Immerhin wurden beispielsweise 1959 allein in Lindenau über 100 Schweine auf den Höfen geschlachtet. Im gesamten ehemaligen Landkreis Senftenberg fanden 1959 so 6368 Schweine diesen Weg in die Kochtöpfe. Hinzu kamen noch 580 Schafe, 177 Ziegen und 490 Kälber. Diese Zahlen sind dem statistischen Taschenbuch von 1959 des Kreises Senftenberg entnommen.

In den Gemeinden mussten damals offizielle Anträge auf die Genehmigung des Hausschlachtens gestellt werden. Diese Verfahrenswege bleiben den Lindenauer in der Gegenwart erspart, wohl aber unterliegt das Hausschlachten der strengen Kontrolle eines bestellten Fleischbeschauers. „Die Pflege von Traditionen ist für das dörfliche Leben in der heutigen Zeit ganz wichtig. An unserem Hausschlachten haben wir großen Spaß und fördern den Zusammenhalt in unserer Truppe,“ so Sven Hanisch.

(rkp)