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Hausfrauen-Stunde auf dem Pferderücken

Belten gilt als ein Paradies für Pferde. Mit dem Reitverein Gut Belten und einem privaten Reiterhof zählt das Dorf vor den Toren der Spreewaldstadt Vetschau bisweilen mehr Pferde und Ponys, als Einwohner.
Belten gilt als ein Paradies für Pferde. Mit dem Reitverein Gut Belten und einem privaten Reiterhof zählt das Dorf vor den Toren der Spreewaldstadt Vetschau bisweilen mehr Pferde und Ponys, als Einwohner. FOTO: Uwe Hegewald
Belten. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Belten. Uwe Hegewald

Der 8. März hat für Jana Pietzer eine besondere Bedeutung. Am Internationalen Frauentag erblickte sie das Licht der Welt und gründete viele Jahre später den Reitverein Gut Belten. "2008 war das", so die ausgebildete Pferdewirtin, die sich ein Leben ohne die geliebten Vierbeiner nicht vorstellen kann und will. Als passionierte Springreiterin mit Teilnahmen an internationalen Turnieren in Italien, Holland und Spanien und Anstellungen auf verschiedenen Höfen will sie nun ihre Erfahrungen an junge Nachwuchsreiter weitergeben. "Das Interesse ist ungebrochen, insbesondere beim weiblichen Geschlecht. Neben den Nachwuchsreiterinnen gibt es inzwischen eine achtköpfige Damengruppe, die wöchentlich aufsitzt", erzählt sie. Hausfrauen-Stunde wird das Treffen der reiferen Damen genannt, von denen einzelne erst mit Ende 30 das Reiten für sich entdeckt haben.

"Mit der ruhigen Lage, dem gepachteten Hof oder der Möglichkeit, im Winter in einer Reithalle trainieren zu können, genießen wir in Belten nahezu optimale Bedingungen", erzählt Jana Pietzer. Um an perfekte Gegebenheiten zu reichen, müssten noch etwas mehr Koppelfläche zur Verfügung stehen und das Tempo auf der Ortsdurchfahrt auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt werden. "Mit unserem Antrag sind wir nicht durchgekommen. Dass wir vor zwei Jahren einen schlimmen Unfall hatten, interessiert die Behörden scheinbar nicht", stellt die Reitlehrerin fest. Pferde, junge Reiterinnen und Kraftfahrzeuge, die auf der schmalen, abschüssigen Straße von der Dubrauer Höhe ins Dorf brettern, bilden keine gute Mischung. "Vielleicht kommt die Einsicht etwas später, zumal am gegenüberliegenden Dorfausgang mit der Familie Noack weitere Pferdeliebhaber und -halter ihr Domizil haben", argumentiert Jana Pietzer für eine Veränderung.

Die 35-Jährige ist es gewohnt, sich in Geduld zu üben. Das Leben verlaufe nicht immer geradlinig. Rückschläge gehörten dazu. Aber Hürden seien auch dafür da, übersprungen zu werden. Das gelingt der Reitergilde vom Verein Gut Belten momentan sehr gut.

"Auf den zurückliegenden Turnieren haben unsere Mädels achtbare Erfolge erzielt. Das freut uns und zeigt, dass wir mit unserer Ausrichtung nicht so falsch liegen", so die Vereinschefin. Jana Pietzer verschweigt nicht, dass Erfolge in der Regel viele Mütter und Väter haben. Stellvertretend nennt sie Sophie Herling, die sich bestens mit Fohlen und Jungpferden auskennt, Hufschmied Stephan Hempel, der fast jede Woche vorbeischaut, und die Eltern des Reiternachwuchses. Zum jährlichen Kinderfest heißt es für die Erziehungsberechtigten: Kuchen backen, Kinder schminken, Würstchen grillen oder Stände betreuen. "Mir gefällt es hier in Belten und bei Frau Pietzer sehr gut. Sie hat uns schon viel beigebracht", sagt Stella-Marie Hankel aus Burg. Die Momente auf dem Hof, Begegnungen mit Seelenverwandten und das Angebot, auch mal auf anderen Pferden reiten zu können, findet die angehende Schülerin des Niedersorbischen Gymnasiums "besonders toll". Mit "My Lily" besitzt die 12-Jährige ein eigenes Pferd, das sie oft zu den wöchentlichen Trainingsstunden mitbringt. Jana Pietzer wundert sich nicht, dass das Gros ihrer Eleven aus den umliegenden Dörfern kommt. Sie wachsen im dörflichen Milieu und mit Tieren auf. Im Grunde wissen sie, was ihnen auf einem Pferdehof erwartet: Liebe und Respekt gegenüber Tieren, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit, Kollegialität aber auch die Bereitschaft, Arbeiten zu verrichten, die nun mal zum Hofleben dazu gehören, fasst die Vereinsvorsitzende zusammen. Sie selbst ist auf Umwegen aufs Land gekommen. "Als ich 14 war, bin ich mit meinen Eltern in ein Dorf gezogen. Dass ich in Cottbus meine Freunde und andere lieb gewonnene Vorzüge der Stadt zurücklassen musste, fand ich damals überhaupt nicht toll. Jetzt könnte ich mir einen Rückzug in die Stadt nicht mehr vorstellen", sagt sie. Mit dem Erwerb und Ausbau eines Grundstücks unweit vom Gut Belten haben sie und ihr Lebensgefährte Carsten Richter einen dauerhaften Lebensmittelpunkt gefunden. Vorausgegangen war das Verständnis des in Berlin arbeitenden Partners, dass Freundin Jana nah bei ihren Tieren sein will. Als Halterin und Züchterin von über 15 Pferden und Ponys sind Vertrautheit und enge Kontakte zu den Tieren unabdingbar. Von den Vereinsmitgliedern und vom Umfeld gäbe es willkommene Unterstützung für den Vollzeitjob. Apropos Job: Da im November ein gegenwärtiger Bundesfreiwilligendienst auf dem Gut Belten endet, wird ein Nachfolger gesucht. "Ein paar Kenntnisse über Pferde können nicht schaden", sagt Jana Pietzer.

Zum Thema:
Belten wurde erstmals im Jahr 1484 unter dem Namen Beltin urkundlich erwähnt und gehört schon immer zur Stadt Vetschau. Momentan leben in dem Dorf am Fuße der Dubrauer Höhe 22 Personen. Für die ehemalige DDR-Hürdenläuferin Birgit Uibel-Sonntag (1961 - 2010) war Belten sogar der Geburtsort. Die Sportlerin ist Opfer des staatlich verordneten Dopings im DDR-Leistungssport und wurde vom Bundesverwaltungsamt Köln als DDR-Doping-Opfer anerkannt.