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Hasen-Impfung scheitert oft an Kosten

Einfach knuffig: die vier Wochen alten Kaninchen der Rasse Dreifarben-Schecken-Rexe. Züchter im Landkreis sind wegen der grassierenden Chinaseuche allerdings zunehmend in Sorge.
Einfach knuffig: die vier Wochen alten Kaninchen der Rasse Dreifarben-Schecken-Rexe. Züchter im Landkreis sind wegen der grassierenden Chinaseuche allerdings zunehmend in Sorge. FOTO: dpa
Senftenberg. Die für Kaninchen tödliche Chinaseuche grassiert weiter in den Ställen des Landkreises. Es gibt zwar einen neuen Impfstoff, der aber ist vielen zu teuer. Jan Augustin

Wie viele Kaninchen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis in letzter Zeit dahingerafft sind, ist unklar. Die Chinaseuche oder RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) gehört nicht zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten. Fakt ist, dass es sie nach wie vor gibt - aktuell mit einem neuen Virusstamm. "Die Krankheit kündigt sich nicht an. Die Tiere liegen plötzlich tot im Stall", hatte der Zuchtwart im Kleintierzuchtverein Schwarzbach 1987, Mike Büttner, bei der 10. Häsinnenleistungsschau in Schwarzheide vor einer Woche gesagt. Er kenne Züchter, die bis zu 45 Tiere eingebüßt haben.

Dass die Krankheit im Landkreis existent ist, bestätigt auch Amtstierärztin Laura Schuster auf Nachfrage. Über das genaue Ausmaß könne sie wegen der fehlenden Anzeigepflicht zwar keine Angaben machen. Einzelfälle, bei denen eine Abklärung im Landeslabor Berlin-Brandenburg erfolgte, sind ihr jedoch bekannt.

Der Ruhlander Tierarzt Gottfried Lehmann spricht sogar von einem Seuchenzug, der im vergangenen Jahr durch den Landkreis zog. "Es ist so, dass ganze Bestände ausgerottet wurden", teilt er mit. Momentan kenne er allerdings keine Fälle. Grundsätzlich empfiehlt er den Züchtern, ihre Tiere zu impfen. Aber genau da liegt das Problem. Der neue Impfstoff, der auch den neuen, noch aggressiveren Virenstamm bekämpft, ist zwar mittlerweile auch in Deutschland verfügbar. Er ist aber teuer. Und den Hobbyzüchtern schlagen die Preise auf den Magen.

Die wissenschaftlich fundierte Internetplattform kaninchenwiese.de geht von bis zu 40 Euro pro Impfung und Tier aus. Da die Langohren alle sechs Monate gespritzt werden sollten, können bei einem größeren Bestand schon locker mehrere Hundert Euro pro Jahr zusammenkommen.

Aus wirtschaftlicher Sicht sei das Thema aber auch für die freiberuflichen Tierärzte nicht einfach. Denn die Chargen, die die Tierärzte bestellen können, sind groß. Die verfügbare Dosis sei entweder nur für 50 oder für 100 Tiere erhältlich, erläutert Tierarzt Gottfried Lehmann. Hat ein Züchter nur zehn Hasen, blieben 40 Spritzen übrig. Erschwerend hinzukomme, dass das Serum innerhalb von vier Tagen aufgebraucht werden müsse. Danach verfällt es. Eine Lagerung ist so also nicht möglich.

Amtstierärztin Laura Schuster empfiehlt dennoch dringend die Impfung. Das Virus wird neben direkten Tierkontakt, auch über Gegenstände und Stechinsekten übertragen. Sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der eigenen Kaninchen seien dementsprechend die Quarantänelagerung von Zukäufen, die regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Gerätschaften und Gegenständen. Dazu zähle auch das Händewaschen nach Tierkontakt sowie ein Schutz vor Stechinsekten. "Dieser ist jedoch nur äußerst schwer zu gewährleisten, deshalb schützt nur die Impfung", betont Laura Schuster.

Die Krankheit trat Anfang der 1980er-Jahre erstmals bei Haus- und Farmkaninchen in China auf. Sie verbreitete sich seitdem weltweit. Todesursache ist meist eine innere Blutung, wobei der Erreger die Blutgefäße zerstört. "Meist bekommen die Tiere kurz vor ihrem Tod hohes Fieber, ringen nach Luft, krampfen und bluten aus den Körperöffnungen", erklärt der Chef des Veterinäramtes OSL, Jörg Wachtel. Im Endstadium sei ein Überstrecken des Kopfes typisch.

Zum Thema:
Die Chinaseuche RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease), ist eine Viruserkrankung, die nur Kaninchen befällt. Empfänglich sind alle Kaninchenrassen beiderlei Geschlechts. Der Großteil der erkrankten Tiere ist älter als drei Monate. Die Anzahl der Todesfälle bezogen auf die Gesamtanzahl der Individuen liegt bei fünf bis 100 Prozent, erklärt Amtstierarzt Jörg Wachtel. Für Menschen ist die Chinaseuche nicht gefährlich. Anfang der 1980er-Jahre trat die bis dahin unbekannte Erkrankung erstmals bei Hauskaninchen in China auf. Sie verbreitete sich seitdem weltweit. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sind Fälle seit Anfang der 1990er-Jahre aufgetreten.Die Inkubationszeit liegt bei ein bis drei Tagen. Danach tritt ein akuter Verlauf ein, der meistens innerhalb von 12 bis 48 Stunden zum Tod des Tieres führt. Typisch für den klinischen Verlauf sind Blutungen an der Haut, hohes Fieber, Atemnot und Verkrampfungen.