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| 01:06 Uhr

Hartz-IV-Start in Senftenberg: 200 standen Schlange

Senftenberg.. Einmal laut ausatmen durfte Job-Center-Chefin Brigitta Kose gestern Nachmittag. Als Tag 1 der Hartz-IV-Ära in Senftenberg überstanden war – ohne gefürchtete Tumulte und Pannen. Dafür kamen die Besucher des Arbeitsamtes ohne Engelsgeduld nicht zum Ziel: Zwei Stunden mussten viele im Warteraum der neuen Behörde ausharren, um eine begehrte Auskunft zu bekommen. Von Dörthe Hückel-Krause

Der Parkplatz hoffnungslos verstopft, vorm Empfangstresen eine Endlos-Schlange - als Torsten Cammrad sich endlich auf ein freies Plätzchen zwischen Leidensgenossen fallen lässt, hat er die ersten Hürden passiert. „Heute morgen habe ich schon eine Stunde versucht, telefonische Auskunft zu bekommen.“ Der 28-Jährige aus Ruhland hat gleich zwei Sorgen auf dem Herzen. Die erste bescherte ihm früh am morgen der Blick auf den Kontoauszug: „Da war noch kein Cent drauf, obwohl ich Anfang Dezember den positiven Bescheid fürs Arbeitslosengeld II bekam.“ Der gelernte Koch ist seit eineinhalb Jahren arbeitslos, muss im neuen Jahr mit 150 Euro weniger auskommen. Weil's in der kleinen Wohnung von seiner Freundin und ihm in jeder Ecke schimmelt, will er ganz schnell umziehen, die neue Bleibe wäre drei Quadratmeter größer. „Ich will wissen, ob die unter die neuen Richtlinien fällt“
Ein paar Stühle weiter wartet Ronny Zschieschang seit zwei Stunden, dass sein Name aufgerufen wird. Dem 25-Jährigen ist der Alg-II-Bescheid zu Weihnachten ins Haus geflattert: „Der war zwar positiv, aber leben kann ich davon nicht.“ Weil er bei den Eltern lebt, gibt es kein Wohngeld. „Mein Vater verdient weniger als 1000 Euro und meine Mutter bekommt nichts.“
Knapp 200 Besucher zählten die Damen am Job-Center-Empfang gestern bis zum Sprechtag-Ende 13 Uhr. Chefin Brigitta Kose: „Der prophezeite Ansturm mit Tumulten blieb aber aus.“ Begehr der meisten Besucher: „Viele hatten Fragen zum Bescheid. Andere haben ihren Antrag erst abgegeben, weil die Arbeitsverhältnisse oder Maßnahmen erst zum Ende des Jahres ausgelaufen sind.“ In Tagesfrist wollen die Job-Center-Mitarbeiter diese bearbeiten. Ein Stein fiel Kose vom Herzen, weil ihre Mitarbeiter kaum Bares auszahlen mussten an solche, die noch nichts auf dem Konto hatten.
Auch sonst gab's laut Chefin keine bösen Überraschungen. „Wir waren gewappnet.“ Die 68 Mitarbeiter vom Senftenberger Job-Center - ehemals von der Arbeitsagentur, den Sozialämtern von Kommunen und Landkreis - hatten gestern ihren ersten Arbeitstag in der neuen Behörde. Überstunden und Wochenend-Dienste hätten die fleißigen Mitarbeiter geschoben, damit alles wie am Schnürchen läuft, lobt der Cottbuser Arbeitsagenturchef Gert-Armin Schur gestern beim Besuch in Senftenberg. Mit dem Andrang ist es in ein paar Tagen vorbei, schätzt Kose. „Bis dahin bleiben mehr Mitarbeiter im Kundeneinsatz.“