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Hartes Training für die Fanfaronade

Das Zusammenspiel wird am Instrument und auf dem Platz jetzt täglich trainiert. Die Großräschener wollen eine gute Show abliefern.
Das Zusammenspiel wird am Instrument und auf dem Platz jetzt täglich trainiert. Die Großräschener wollen eine gute Show abliefern. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Auf dem Sportplatz in Großräschen bringt Marcel Friedrich, genannt Zopp, die Musiker des Fanfarenzuges der Seestadt jetzt täglich ins Schwitzen. Denn zur Fanfaronade, für die die Lausitzer in gut zwei Wochen die Gastgeber sind, laufen Weltmeister auf den schon längst akkurat vorbereiteten grünen Rasen. Kathleen Weser

"Wir wollen den Leuten eine gute Show und Unterhaltung bieten", erklärt Marcel Friedrich, der die Marschmusik für den Wettbewerbsbeitrag und auch die Choreografie geschrieben hat, bewusst bescheiden. Doch die Truppe ist ehrgeizig. Und der Trainer ist hart. Die Musiker erzählen eine Geschichte - ausschließlich mit den Instrumenten und dem perfekten Auftritt.

"Die Bläser beginnen mit zu viel Kraft", kritisiert der 30-Jährige. "Die erste Stimme fehlt komplett. Nochmal", fordert er auf. "Kleinere Schritte bitte. Und die Zehenspitzen nach vorn. Das sieht schöner aus", folgt die nächste Korrektur. Das Training ist sichtlich anstrengend. Nur Marcel Friedrich, der auf dem Rasen streng die Regie führt, kann in der Hitze die Turnschuhe von sich werfen. Den Musikern dampfen indes die Sohlen. Sie müssen die Show und die Noten konzentriert in Einklang bringen - mit ruhigen, sauber gespielten Tönen und dabei unterwegs auf dem korrekt vorgeschriebenen Marschweg über das satte Grün, sichtbar leicht auseinanderlaufend und auf den Punkt wieder zusammenfindend. Immer wieder. Seit Oktober werden die einzelnen Elemente geübt, dann die Schrittfolgen kombiniert. "Das Solo der Hochtrommler ist schon topp", lobt der Trainer. Doch "alle Fanfarenspieler müssen sich so in Position drehen, dass das Bild stimmt und die Musik zu hören bleibt", rügt er dann.

"Die Leistungsspitze ist so eng zusammengerückt, dass jedes Detail wichtig ist im Wettbewerb", erklärt Marcel Friedrich. Der 30-Jährige hatte in Hoyerswerda als Bläser angefangen, dann die Früherziehungsgruppe der Spielleute übernommen und schließlich als Übungsleiter für die zweite Stimme des Fanfarenzuges fungiert. Beruflich ist der Sachse in Senftenberg gelandet. Und dann war der Sprung zum Großräschener Verein, dessen künstlerische Leitung er nun innehat, nicht mehr weit. "Wir sind hier eine große Familie. Das finde ich toll", sagt er. 30 Kinder spielen in der Nachwuchsgruppe des Vereins. 18 Mitglieder treten zur Fanfaronade an. Die kleine Truppe stellt sich einer starken Konkurrenz. "Das ist anspruchsvoll. Bei vielen Musikern geht ein falscher Ton schnell mal unter. Hier muss alles sitzen", bestätigt Marcel Friedrich. Erwartet werden in Großräschen der Fanfarenzug des KSC Strausberg - viermaliger Weltmeister. Auch drei Europameister- und vier Deutsche Meistertitel stehen in der beeindruckenden Vita dieses Zuges. Mit dem Berliner Fanfarenzug kommt ein mehrmaliger Europameister im Showbereich und der amtierende Deutsche Meister in der Marschmusikwertung an den Großräschener See. Und auch der Fanfarenzug Potsdam hat schon dreimal die Weltmeisterschaft im Marsch gewonnen. Bei allem Respekt vor den bravourösen Leistungen stehen die Großräschener selbstbewusst zum eigenen Programm und Können. Die Acht- bis 45-Jährigen trainieren jetzt täglich - mehrere Stunden. Den Rasen des Hauptplatzes im Sportzentrum schonen sie bereits für die Fanfaronade. Das Training wird auf einen Nebenplatz verlegt.

Der klassische Fanfarenzug bringt sein Repertoire ausschließlich mit der Naturtonreihe zustande. Denn die einzelnen Töne auf dem Blasinstrument werden nur mit den Lippen produziert. Es-Fanfaren haben keine Ventile, die dem Instrument mehr entlocken könnten. Die Atemtechnik ist deshalb die entscheidende Grundlage. Rhythmusbegleitend sind die Flach- und die Hochtrommel, auch Tomtom genannt, im Einsatz. Den Flachtrommlern des Fanfarenzuges wird eine exakte Ausführung stramm auf den Punkt abverlangt. Die Landsknechttrommeln werden mit zwei starken Stöcken angeschlagen, um Signale zu geben und den Marschier-Rhythmus zu markieren. Die Hochtrommeln indes werden durch Anschlagen in Vibration versetzt. Das geschieht anmutig locker aus dem Handgelenk heraus - auch wenn der Trainer, der übrigens im Wettbewerb die Kesselpauke schlägt, das noch hier und da anders hört und sieht.

Zum Thema:
Der Fanfarenzug Großräschen ist am 17. Juni der Gastgeber des größten europäischen Leistungsvergleiches der Naturtonfanfarenzüge in Marsch und Show. Die Fanfaronade wird als offene Meisterschaft des Märkischen Turnerbundes Brandenburg ausgetragen und gilt als Qualifizierungslauf für die Weltmeisterschaft der Fanfarenzüge. Die heimischen Musiker spielen in der ersten Division, also auf Bundesliga-Niveau. Mit den Margafanfaren aus Brieske tritt in der Lausitz ein zweiter Lokalmatador an, der im Jahr 2012 schon siegreich vom Platz gegangen war.