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| 14:34 Uhr

Vater-Sohn-Dealer müssen fast zehn Jahre ins Gefängnis
Harter Schlag gegen Crystal-Kriminalität

Vater (l.) und Sohn (2.vr.) erwarten mit ihren Rechtsanwälten am Mittwochvormittag das Urteil des Cottbuser Landgerichtes.
Vater (l.) und Sohn (2.vr.) erwarten mit ihren Rechtsanwälten am Mittwochvormittag das Urteil des Cottbuser Landgerichtes. FOTO: LR / Jan Augustin
Cottbus/Senftenberg. Das Senftenberger Dealer-Duo aus Vater und Sohn muss fast zehn Jahre hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft ist zufrieden. Von Jan Augustin

Ohne erkennbare Emotionen nehmen Vater (62) und Sohn (29) am Mittwoch das Urteil entgegen: je neuneinhalb Jahre Gefängnis. Zudem müssen beide die aus dem Drogengeschäft erzielten Gewinne von rund 87 000 Euro an die Staatskasse zahlen. Der Cottbuser Staatsanwalt Olaf Jurtz, zuständig für den Bereich Drogenkriminalität, ist nach zwölf Verhandlungstagen zufrieden mit der Strafe. Sie entspricht fast seinem Plädoyer. Der Fall war wegen seiner Dimensionen auch für ihn besonders. Im Bereich der illegalen Einfuhr aus Tschechien habe das Vater-Sohn-Duo bisher alles Bekannte übertroffen. Die 1. große Strafkammer hat den Verurteilten drei Fälle nachgewiesen, in denen sie je etwa anderthalb Kilo Crystal Meth aus Tschechien eingeführt und dann vor allem im Oberspreewald-Lausitz-Kreis verkauften haben. Bei der vierten Tat Ende Juni 2017 hat dann das Sondereinsatzkommando (SEK) zugeschlagen und weitere knapp zwei Kilo Crystal sowie knapp 20 000 Euro sichergestellt. „Das ist schon ein deutlicher Schlag“, sagt Olaf Jurtz kurz nach der Urteilsverkündung. Dennoch: Ob die beiden Senftenberger wirklich für alle ihrer begangenen Straftaten büßen, bleibt ungeklärt. Wie Olaf Jurtz berichtet, hatte ein anonymer Zeuge die Ermittler damals informiert und auf die Spur gebracht. Und er habe auch gesagt, dass das illegale Geschäft schon längere Zeit andauert.

Die Vorgehensweise des Familienbetriebes schildert der Vorsitzende Richter Frank Schollbach in der Urteilsbegründung: Die Taten sollen gleich abgelaufen sein. Der Sohn sammelt die Bestellung ein und sorgt dafür, dass das Geld eintrudelt. Der Vater begibt sich dann auf die Fahrt nach Tschechien. Keine zehn Kilometer hinter der Grenze, in Dubí, kauft er bei Vietnamesen auf einschlägigen Märkten das Crystal für 16 bis 17 Euro pro Gramm. Im Kofferraum und in der Dachraumabdeckung seines Opel Vectras versteckt, schmuggelt er die Drogen über die Grenze. In Senftenberg dient die Garage als Drogenversteck. Der Sohn indes kümmert sich um die Kundschaft und den Weiterverkauf der Droge für 30 Euro pro Gramm. Einer der Großabnehmer soll auch Sven M. (Name geändert) gewesen sein, ein Senftenberger Drogendealer, der im Januar wegen Drogenhandels zu einer Rekord-Gesamtfreiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt worden war.

Strafschärfend sei nicht nur die Tatsache gewesen, dass Vater und Sohn mit dem extrem gefährlichen und sofort abhängig machendem Crystal gedaelt haben. „Völlig unverständlich“ sei für die Strafkammer auch gewesen, dass Vater und Sohn dieses Geschäft ausübten, obwohl sie die Folgen des Crystal-Konsums in der Familie selbst erlebt haben. Hinzukommt: „Die Angeklagten haben eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt“, betont Richter Schollbach. Der Vater wechselt als Kurier sogar sein Kennzeichen, nachdem er in eine Zollkontrolle geraten war. Anschließend unternimmt er zwei Testfahrten ins Nachbarland. Doch die Ermittler sind zu diesem Zeitpunkt längst aktiv. Sie überwachen das Fahrzeug und observieren das Duo bis zur Festnahme vor knapp einem Jahr.

FOTO: LR / Janetzko, Katrin