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Handwerker im Herrschaftssitz

Schicht für Schicht werden die neuzeitlichen Farbanstriche bis zum historisch verbrieften Original abgetragen. Oliver Petrik von der Jannowitzer Fachfirma ist im großen Salon bereits auf die türkis farbene Biedermeierfassung mit dem hellblauen Blumenmuster gestoßen.
Schicht für Schicht werden die neuzeitlichen Farbanstriche bis zum historisch verbrieften Original abgetragen. Oliver Petrik von der Jannowitzer Fachfirma ist im großen Salon bereits auf die türkis farbene Biedermeierfassung mit dem hellblauen Blumenmuster gestoßen. FOTO: Rasche/str1
Schwarzbach. In Schwarzbach erwacht ein Denkmal zu neuem Leben. Die 150 000 Euro teure Sanierung der Innenräume des 300 Jahre alten Gutshauses läuft auf Hochtouren. Andrea Budich

Es staubt fürchterlich im großen Salon. Handwerker schleifen, spachteln, klopfen, wischen und bohren in einer großen Wolke aus fein rieselndem Putz. Wenn Geschichte greifbar ist, dann hier. Farbschicht für Farbschicht arbeiten sich die Männer vor bis zur Entstehungszeit des Hauses um 1727. Hier und da blitzt er schon durch, der barocke Farbanstrich mit rot-weiß-gesprenkeltem grauem Sockel und der roten Abschlusslinie. An der Wand gegenüber leuchtet es Türkis. "Der Grundton der Biedermeierfassung um 1840", erklärt der neuzeitliche Gutsherr Martin Giersch (40). Allein für das verspielt aufgedruckte hellblaue Blumenmuster hat sich sein Weg des Nachts von Wien nach Schwarzbach gelohnt. Der Naturwissenschaftler, der als Physiker in Wien im Nuklearbereich des Umweltministeriums arbeitet, gerät ins Schwärmen, wenn er auf das sehr aufwändig geflochtene von Broschen gehaltene Abschlussband schaut.

Sein Gutshaus ist seit Mitte Januar eine Großbaustelle. Bis zum Herbst werden die Eingangshalle und das mittlere Stockwerk als "Herz des Gutshauses" nutzbar gemacht. Dafür sind bereits im Vorjahr die lange beantragten Fördergelder nach mehr als anderthalb Jahren bewilligt worden. Aus dem europäischen Fördertopf für die ländliche Entwicklung sind 50 000 Euro nach Schwarzbach geflossen.

Inzwischen ist der größte Teil der neuzeitlichen Farbanstriche in Regie der Restauratoren Martina Dürrschmidt und Udo Drott abgenommen. Das anschließende Verputzen der Löcher und Risse auf Basis des historischen Putzes ist derzeit der Job der Jannowitzer Handwerker. Der große Salon, auch Beletage genannt, bekommt dann im Sommer seine historische Farbfassung zurück. Auch die Eingangshalle wird wieder in den barocken Gelb- und Orangetönen erstrahlen. Dazu passend bekommt der Herrschaftssitz auch wieder ein zweiflügeliges Haustor mit Portal.

Restauratoren und Handwerker wollen bis zum Spätherbst das 300 Jahre alte Gemäuer wieder verlassen. Das Jagdzimmer und die Salons können dann auch von Vereinen und für private Anlässe genutzt werden. Im schönsten Raum des Adelssitzes kann sogar geheiratet werden. "Das Amt hat schon angefragt, ob das Gutshaus standesamtlich genutzt werden darf", bestätigt Martin Giersch.

Dem Wiener, der sich vor 15 Jahren in das Schwarzbacher Gutshaus verliebt hat, gehen auch nach der Sanierung der Innenräume die Ideen nicht aus. Sobald er mit dem Gutshaus durch ist, will er dem historischen Gesamtensemble mehr Aufmerksamkeit schenken. Auf den einstigen Pferdestall soll wieder ein Satteldach gesetzt werden. Darunter wird dann Platz geschaffen für ungefähr 15 Gästezimmer.

Zum Thema:
Das Haupthaus wurde um 1727 errichtet. Die Nebengebäude stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Dazu gehören der Pferdestall, die Schäferei, das Vogtshaus, der Wagenschuppen sowie das Tagelöhnerhaus. In den 1950er-Jahren wurde das Guts haus als Erntekindergarten im Dorf genutzt. Später zogen Umsiedlerfamilien ein. Weil der Giebel drohte wegzurutschen, wurde das Gebäude in der Wendezeit polizeilich gesperrt. Das Guts haus wurde 2002 vom Österreicher Martin Giersch erworben.