„Eigentlich wollte ich lieber in Dresden bleiben, wo ich zu dieser Zeit arbeitete“ , erinnert sich Roland Leisker. Weil der Vater krank wurde, sprang der Sohn ein und blieb. „Damals stand ich noch ganz allein in der Backstube“ , erzählt der 66-jährige. Dies habe sich aber bald geändert, denn nach zwei Jahren wurden mehrere Mitarbeiter eingestellt. „Wir haben freitags immer 400 Brote und bis zu 7000 Brötchen gebacken.“ Im Vergleich dazu seien es heute weniger, aber immerhin auch 3000 Stück am Wochenende.
Allerdings habe sich das Sortiment sehr verändert. Ehefrau Ute Leisker, auch Bäckerin, zählt 14 Sorten Spezialbrötchen. Hinzu kommen verschiedene Brotsorten, die es vor der Wende ebenfalls nicht gab. „Am Anfang verlangten die Kunden für ihre Westmark auch Westbrötchen“ , berichtet das Handwerker-Paar. „Bis schließlich einer kam und uns die großen ,aufgeblasenen' Semmeln auf den Tisch kippte und wieder die gewohnten Brötchen verlangte.“ Roland Leisker schmunzelt noch heute über den Vorfall, der nun schon mehr als zehn Jahre zurückliegen muss. Seitdem backe er wieder die etwas kleineren Exemplare. Dennoch nutze er natürlich die neuen Möglichkeiten, schließlich habe die Kundschaft auch ein gewisses Gesundheitsbewusstsein entwickelt. Dinkelbrot sei zum Beispiel ein großer Renner.
Auch die Feinbackwaren von Leiskers sind sehr beliebt. Nicht nur Gaststätten aus Lauchhammer bestellen die leckeren Kuchen und Torten, sondern auch die Kunden im Geschäft können den süßen Versuchungen von Apfeltasche bis Zimtplätzchen schwer widerstehen. „Gerade hat bei uns die Stollensaison begonnen“ , erwähnt Ute Leisker. Lauchhammeraner wissen diese weihnachtliche Leckerei aus dem Hause Leisker sehr zu schätzen. Der Bäcker selbst gönnt sich täglich ein paar Stückchen Kuchen. „Schließlich muss ich ja abschmecken“ , sagt er verschmitzt. Seiner Figur könne das nicht viel anhaben, erzählt der leidenschaftliche Sportler. Um fit zu bleiben, treibe er regelmäßig Sport. Dazu gehe er ins Fitnessstudio oder fahre Rad: „Manchmal fahre ich morgens um 6 Uhr in Richtung Senftenberg und drehe eine Runde um den See.“
Bis heute führt der Junggebliebene das Familienunternehmen in der Kleinleipischer Straße und feierte kürzlich sein 45-jähriges Betriebsjubiläum. Doch der Familienvater ist nicht der einzige Bäcker in der Familie. Seine Frau Ute hat vor 30 Jahren bei ihm gelernt und rührt bis heute kräftig mit in der Teigschüssel. Auch einer der Söhne erlernte dasselbe Handwerk. Ob dieser den Familienbetrieb jedoch weiterführen wird, wenn sich der Vater zur Ruhe setzt, steht noch nicht fest. Doch Roland Leisker denkt noch gar nicht an den Ruhestand: „Solange ich mich gesundheitlich dazu in der Lage fühle, arbeite ich weiter.“