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| 15:42 Uhr

Nachwuchsmangel
Nachwuchs-Sorgen im Handwerk

 Mit gelbem Helm und guter Laune starteten die 24 jungen Leute  am Montag ins Handwerker-Sommercamp in Großräschen. Die erste praktische Bewährungsprobe wartete vor der Dachdeckerhalle auf den Nachwuchs in spe. Biberschwänze mussten schwungvoll durchgereicht werden bis zum Übungsdach.
Mit gelbem Helm und guter Laune starteten die 24 jungen Leute  am Montag ins Handwerker-Sommercamp in Großräschen. Die erste praktische Bewährungsprobe wartete vor der Dachdeckerhalle auf den Nachwuchs in spe. Biberschwänze mussten schwungvoll durchgereicht werden bis zum Übungsdach. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Großräschen. Das Handwerk boomt, doch auch in der Lausitz fehlt der Nachwuchs. Sommercamps von HWK Cottbus und FG Bau sollen Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung begeistern. Gute Noten sind dafür keine Grundbedingung. Von Andrea Budich

Das Handwerk boomt, die Auftragsbücher sind voll, Kunden müssen monatelang auf Handwerker warten, aber jedes Jahr bleiben deutschlandweit Tausende Lehrstellen unbesetzt. Auch, weil das Image vieler Ausbildungen mies ist. Die Branche will das ändern - mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

Dazu gehört ein sommerliches Abenteuercamp im Zelt unter dem Motto „Bau dir deinen Sommer!“. Dass das Handwerk um potentielle Auszubildende kämpfen muss, liegt für Corina Reifenstein auf der Hand. „Wir müssen was tun, um junge Leute fürs Handwerk zu begeistern“, sagt die Vizepräsidentin der Handwerkskammer Cottbus.

Als Geschäftsführerin der Terpe Bau GmbH weiß sie genau, wovon sie spricht. Terpe Bau bildet seit knapp 30 Jahren aus. „Früher konnten wir uns aus 120 Bewerbern die besten rauspiken“, erzählt die Chefin. Heute indes ist sie froh, wenn überhaupt drei oder vier Bewerbungen auf ihren Schreibtisch flattern.

Alle Handwerk-Sommercamps in Großräschen ausgebucht

Damit nicht noch mehr Ausbildungsstellen im Lausitzer Handwerk dauerhaft unbesetzt bleiben, rühren die Handwerkskammer Cottbus (HWK) und die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg nach der Premiere im Vorjahr in diesem Sommer erneut kräftig die Werbetrommeln.

Mit drei Sommercamps geht das Bau-Abenteuer in eine neue Runde. Dabei starten die Mädchen und Jungen in eine Woche voller Abenteuer, die neben Spiel und Spaß auch das Ausprobieren der eigenen handwerklichen Fähigkeiten beinhaltet.

Zu den spannenden Aktionen gehören das Fertigen eines 3 D-Schlüsselanhängers, der Bau eines Grills, das Pflastern des Sommercamp-Logos aus Natursteinen oder das Herstellen eines Schieferherzes in der Dachdeckerwerkstatt. Alle drei Camps im Juli und Oktober im Lehrbauhof Großräschen sind bereits ausgebucht.

Wirtschaftsminister begeistert Schulabhänger für Handwerk

Was sich das Handwerk einfallen lässt, um Schulabgänger für eine Ausbildung zu begeistern, ist am Montag von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) verfolgt worden. Er begleitete die Teilnehmer durch die Werkstätten des Lehrbauhofes und erhielt dabei mit den Mädchen und Jungen einen ersten Eindruck von der Arbeit der Stuckateure, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer sowie Fliesen- und Mosaikleger.

„Ihr werdet umworben ohne Ende“, macht Steinbach den jungen Leuten Mut, sich nach dem Schulabschluss fürs Handwerk zu entscheiden.

Den Beruf des Zimmerers will beim Rundgang Ausbilder Michael Reinold den jungen Leuten schmackhaft machen. Beim Blick auf verschiedene Dachgebinde nimmt er den Camp-Teilnehmern die Angst: „Einser-Zeugnisse sind hier keine Grundbedingung. Dafür gutes räumliches Vorstellungsvermögen und ein bißchen Mathematik.“

Für den Zehntklässler Jannek aus Limberg klingt das schon mal vielversprechend, wenngleich er ein gutes Zeugnis in der Tasche hat.  Er will das Camp nutzen, um in verschiedene Berufsfelder reinzuschnuppern. Für Hendrik aus Welzow steht bereits fest, dass es ein handwerklicher Beruf werden soll. Wo genau seine Stärken liegen, das will er in dieser Woche im Lehrbauhof austesten.