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Handbiker kurbelt für Weltrekord

Haben kurz vor dem Start noch gut Lachen: Handbiker Lars Hoffmann, seine Frau Barbara und Sohn Tim mit Freundin Anika begutachten den Asphalt des Lausitzrings und sind guter Dinge. Kurz danach beginnt der 24-Stunden-Weltrekordversuch, der an diesem Sonnabend Punkt 12 Uhr endet.
Haben kurz vor dem Start noch gut Lachen: Handbiker Lars Hoffmann, seine Frau Barbara und Sohn Tim mit Freundin Anika begutachten den Asphalt des Lausitzrings und sind guter Dinge. Kurz danach beginnt der 24-Stunden-Weltrekordversuch, der an diesem Sonnabend Punkt 12 Uhr endet. FOTO: Jan Augustin
Klettwitz. Lars Hoffmann ist querschnittsgelähmt, aber nicht unbeweglich. Im Gegenteil: Der 48-Jährige treibt Sport auf Extrem-Niveau. Auf dem Lausitzring fährt er nun einem Weltrekord entgegen. Jan Augustin

Es passiert vor 14 Jahren auf dem Weg nach Hause. Die Tachonadel des Motorrads zeigt auf die 30. Lars Hoffmann kommt trotzdem vom Weg ab - und stürzt. Wie es zu dem Unfall gekommen ist, weiß er bis heute nicht. Auch ein Gutachten kommt zu keinem schlüssigen Ergebnis. Eigentlich kommt Lars Hoffmann fast unverletzt davon. Das Rückenmark aber ist kaputt. Der Kfz-Meister aus Meißen sitzt seither im Rollstuhl. Unbeweglich ist er jedoch ganz und gar nicht. Der zweifache Familienvater rollt bis um 12 Uhr an diesem Sonnabend auf dem Lausitzring - mit einem Handbike.

Innerhalb von 24 Stunden will er mindestens 700 Kilometer zurücklegen, um den bestehenden, in den USA aufgestellten Weltrekord von 649 Kilometern zu knacken und sich dann ins Guinness Buch der Rekorde eintragen zu können. Summa summarum müsste Lars Hoffmann mit dem Sportrollstuhl also 215 der 3,26 Kilometer langen Runden schaffen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit läge dann bei rund 32 Kilometern pro Stunde. "Ich will die Latte für nachfolgende Versuche so hoch wie möglich legen", sagt der Extremsportler kurz vor dem Start am Freitag. Mit Ehefrau Barbara, Tochter Sophie und Sohn Tim mit Freundin Anika hat er nicht nur moralische Unterstützung aus dem nahen Meißen in die Lausitz mitgebracht. "Wir helfen, wo wir können und schauen, dass immer jemand dabei und er nicht allein auf der Strecke ist", sagt der 20-jährige Tim Hoffmann.

Lange, einsame Fahrten sind für Lars Hoffmann kein Neuland. Nach dem Unfall, der sein Leben und das seiner Familie komplett auf den Kopf gestellt hat, brauchte der heute 48-Jährige zwar ein bisschen Zeit. Aber schon 2005 nahm er in Dresden den ersten Halbmarathon unter die Räder. "Als ich wieder klar denken konnte, habe ich damit angefangen. Der Sport gibt mir viel zurück", sagt er. Mit der guten Physis sei einerseits der Alltag leichter zu packen, andererseits helfe der Sport auch emotional.

Nach den ersten sportlichen Versuchen wachsen die Ziele und der Hunger auf immer größere Leistungen. Im Sommer 2012 versucht er sich an einer 1000 Kilometer langen Fahrt von Hamburg über Berlin nach München. Bei Kilometer 700 war aber Schluss. "Es war einer der heißesten Tage", erinnert sich Lars Hoffmann. 2015 wird er in seiner Klasse Europameister in einer Handbike-Serie, ein Jahr später deutscher Vizemeister im Zeitfahren. Auch auf dem Lausitzring ist der Meißener kein Unbekannter. Schon 2013 versucht er sich an dem 24-Stunden-Rekord. Die Strecke sei prädestiniert für dieses Vorhaben. Lange Kurven zwingen nicht zum Abbremsen. Außerdem ist das Gelände schön flach, erklärt Lars Hoffmann. Obwohl es damals in den ersten Runden sehr gut lief, musste er später nach langem Kampf und starken Bauchschmerzen aufgeben. Dieses Mal aber soll es klappen. Auch das Wetter spielt mit. Die Temperaturen sind erträglich, es regnet nicht. Nur ein leichter Wind weht. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Ding rocken werden", gibt sich Lars Hoffmann optimistisch. Als Motivationshilfe dient ihm das sportliche Vorbild Alessandro "Alex" Zanardi. Der einstige Formel-1-Fahrer aus Italien hatte auf dem Lausitzring nach einem Horrorcrash in der Champ-Car-Serie 2011 beide Beine verloren - und weiter Sport gemacht. Heute ist er mit dem Handbike Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister.