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| 18:11 Uhr

Bauplan auf Schloss-Areal
Schlossrelikte werden Feriendomizil mit Café

Diese desolaten Gebäude des Guteborner Schlossensembles sollen in eine Ferienunterkunft umgebaut werden.
Diese desolaten Gebäude des Guteborner Schlossensembles sollen in eine Ferienunterkunft umgebaut werden. FOTO: Hermann/privat
Guteborn . Familie Herrmann bringt in Guteborn neues Leben ins historische Ensemble.

Die Sprengung des Guteborner Schlosses hat sich am 8. August zum 70. Mal gejährt. Immerhin sind mehrere angrenzende Gebäude erhalten geblieben, beispielsweise das Gesindehaus. Derzeit erfährt es einen Umbau von einer reinen Wohnstätte zu einer Ferienunterkunft. Darüber hinaus planen die Investoren Dorota und Udo Herrmann, die im benachbarten Schwarzbach leben, eine Naturheilpraxis. Nicht zuletzt ist ein Café vorgesehen.

„Wir überarbeiten derzeit das denkmalgeschützte Ensemble nahezu vollständig“, erklärt Udo Herrmann, der als selbstständiger Tischlermeister tätig ist. „Wir bringen alles auf den heutigen Stand, natürlich im Einklang mit dem Denkmalschutz.“ So wandelt sich das bisherige Haupthaus zu einer Heimstätte für eine eingemietete Naturheilpraxis. Darüber entsteht eine große Wohnung mit Balkon und Blick zum 55 Hektar großen waldähnlichen Schlosspark.

Doch das ist noch nicht alles. Die Herrmanns planen im langgezogenen ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Schlosses sechs Ferienzimmer mit zentraler Küche im Vorbau. Und das einstige Waschhaus der Herrschaft derer von Schönburg-Waldenburg, die bis zum deutschen Schicksalsjahr 1945 in Guteborn residierte, wandelt sich zu einem kleinen Café mit dem Namen „Vergissmeinnicht“. „Das wollen wir an den Wochenenden für alle öffnen“, kündigt Udo Herrmann an. Ansonsten dient es als Frühstücksraum für die Feriengäste.

Wie ausgerechnet ein Tischlermeister aus dem Nachbarort zu den Resten des Guteborner Schlossensembles kommt? „Wir haben uns bewusst für dieses Objekt entschieden, weil es zum einen eine idyllische Lage hat und ruhig gelegen ist. Darüber hinaus lieben wir alte Gebäude, die einen besonderen Charme haben“, begründet Udo Herrmann.

Neben der Schlosssprengung jährt sich in diesem Jahr noch ein weiteres, historisch bedeutendes Ereignis. Denn am 13. November 1918, vor genau 100 Jahren, dankte der sächsische König Friedrich August III. (1865 – 1932) auf Schloss Guteborn ab. Ob der allerdings oft zitierte Spruch „Macht doch euren Dreck alleene“ tatsächlich aus seinem Mund stammt, ist unter Historikern bis heute umstritten. Fest steht allerdings, dass im kommenden November ein Gedenkstein auf dem Schlossstandort eingeweiht werden soll, der an die Abdankung erinnert. Die Initiative dazu kam nach Angaben des Guteborner Bürgermeisters Detlef Ritter von den Heimatvereinen aus Guteborn, Ruhland und Königsbrück.  Die ersten Vorarbeiten vor Ort sind bereits erfolgt.

Das Guteborner Schloss musste am 8. August 1948 der kommunistischen Zerstörungswut weichen. Nach Angaben des Burkersdorfer Heimatforschers Reinhard Kißro zeichnete dafür der Befehl 209 der sowjetischen Besatzungsmacht verantwortlich. Darin wurden der Abriss beziehungsweise die Sprengung kriegsbeschädigter Schlösser angeordnet. Allerdings hatte das Guteborner Schloss den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden. Das gleiche Vernichtungsschicksal ereilte das Ensemble in Kroppen. Das Hermsdorfer Gutshaus wurde ebenfalls vernichtet, allerdings sind die genauen Umstände bis heute nicht wirklich klar.

In Guteborn blieben immerhin die Schlosskapelle, der Speicher, das Gesindehaus, die Wirtschaftsgebäude, der Schlossteich sowie der Park erhalten. Und seit Kurzem sorgt Familie Herrmann für neues Leben in altehrwürdigen Mauern. Wer demnächst mal hinter diese schauen will, sollte sich den 9. September vormerken. Denn zum Tag des offenen Denkmals gewähren die Herrmanns Einblicke in die Überbleibsel des Guteborner Schlossensembles.

(trt)