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Volkskunst
Gebürtiger Guteborner lässt seit Jahrzehnten in Tettau die Puppen tanzen

Puppenspieler Uwe Dombrowsky (62) macht die Figuren für das Kinderprogramm „Der Froschkönig“ flott. Der Thüringer ist praktisch schon seit seiner Geburt in Guteborn auf Tournee.
Puppenspieler Uwe Dombrowsky (62) macht die Figuren für das Kinderprogramm „Der Froschkönig“ flott. Der Thüringer ist praktisch schon seit seiner Geburt in Guteborn auf Tournee. FOTO: Mirko Sattler
Tettau. Uwe Dombrowsky (62) aus Engertsdorf in Thüringen gastiert seit der ersten Stunde in jedem Herbst in Tettau. Von Mirko Sattler

Vorhang auf: Zum Marionettentheater in Tettau schlägt in diesem Herbst der Froschkönig auf. Uwe Dombrowsky (62) ist zu Gast. Schon seit der Kindheit. „Meine Eltern haben bereits vor 50 Jahren das Marionettentheater geführt. Sie sind immer gern in Tettau aufgetreten. Als kleiner Junge musste ich immer mit auf Tournee, und so kenne ich die Wirtsleute natürlich“, erzählt der leidenschaftliche Marionettenspieler. Uwe Dombrowsky zieht es immer wieder in die Region. Vielleicht auch, weil er 1955 hier das Licht der Welt erblickte. „Meine Eltern spielten in Hermsdorf. Ich wollte nicht mehr warten. Meine Mutter wude in die damalige Geburtenklinik in Guteborn eingeliefert. Ich war das erste Kind, das dort geboren wurde“, berichtet der 62-Jährige. Heute ist ein Kindergarten in der alten Ambulanz untergebracht. Auch das freut ihn.

Als Reisekind hat der fahrende Pupenspieler viele Gleichaltrige in der ganzen Republik kennen gelernt, auch in Tettau. „Je nach Auftrittsort meiner Eltern waren wir so drei bis vier Wochen in einer Klasse. Für uns war es normal. In meiner zehnjährigen Schulzeit, habe ich so etwa 149 Mal die Schule gewechselt“, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Das Puppenspiel wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon als kleines Kind durfte er im elterlichen Theater kleine Rollen übernehmen. „Wir übernahmen Texte, für die wir das Lesen noch nicht beherrschen mussten. Struwelpeter, Hänsel und Gretel und die kleine Maus im Gestiefelten Kater. Zuerst mussten wir nur Piep machen“. Aber das war der entscheidende Punkt für die Berufswahl. Uwe Dombrowsky wollte unbedingt auch Puppenspieler werden.

Nach dem Fernstudium über fünf Jahre mit Abschluss der „Staatlichen Bühnenreife als Puppenspieler“ baute sich Uwe Dombrowsky 1980 dann ein eigenes Marionettentheater auf. Die erforderliche Lizenz beantragte er noch während seines Grundwehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA). „ Die Mühlen der Bürokratie mahlten aber schon damals sehr langsam. Aber mit einem kleinen Trick konnte ich sie beschleunigen. Da ich aus dem Grundwehrdienst entlassen wurde und in meinem Lizenzantrag stand, dass ich bis zur endgültigen Bearbeitung keinen anderen Job annehmen durfte, blieb ich einfach zu Hause. Das fiel sehr schnell auf. Und innerhalb von drei Wochen hatte ich meine Lizenz“, berichtet er. Fortan liefen bis zum Ruhestand seiner Eltern zwei dieser Wandertheater nebeneinander.

Anders als in anderen Marionettentheatern können Dombrowskys Figuren in mehreren Stücken eingesetzt werden. „Wir sind mit einem Theater zu vergleichen, in dem Schauspieler in verschiedene Rollen schlüpfen. Dass die Puppen lebendig werden, ist besonders“, sagt der Künstler. Für 25 Marionetten hat Uwe Dombrowsky 45 verschiedene Köpfe, je nach Stück. So können er und sein Team mit verhältnismäßig geringem Transportaufwand ein breites Repertoire abdecken. „Die großen Säle aus DDR-Zeiten gibt es nicht mehr. Wir haben unsere Bühne angepasst, um etwa 30 Prozent verkleinert“, sagt er. Aber viele gehen seit Jahrzehnten erfolgreich weiter auf Reise.

In Tettau ist das Wandermarionettentheater immer wieder gern. „Einige Besucher kannte ich schon, da waren sie noch Kinder. Und sind sie mit den eigenen Kindern hier”, stellt Uwe Dombrowsky sichtlich zufrieden fest. Und den Froschkönig lieben Generationen.

Mit der „Gräfin Cosel - ein Frauenschicksal am Hofe August des Starken" in fünf Akten werden auch Erwachsene in das Marionettentheater in der Gaststätte Winzer in Tettau gezogen.
Mit der „Gräfin Cosel - ein Frauenschicksal am Hofe August des Starken" in fünf Akten werden auch Erwachsene in das Marionettentheater in der Gaststätte Winzer in Tettau gezogen. FOTO: Mirko Sattler