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Beschwerde wegen Verkehrslärms
Guteborn geht auf die Barrikaden

Guteborns Straßenlärmproblem ist beim Vor-Ort-Termin mit der Verkehrsministerin Kathrin Schneider und Landrat Siegurd Heinze nicht zu überhören. An die seit 24. November ausgeschilderte Temporeduzierung auf 30 km/h halten sich die wenigsten Brummifahrer.
Guteborns Straßenlärmproblem ist beim Vor-Ort-Termin mit der Verkehrsministerin Kathrin Schneider und Landrat Siegurd Heinze nicht zu überhören. An die seit 24. November ausgeschilderte Temporeduzierung auf 30 km/h halten sich die wenigsten Brummifahrer. FOTO: Steffen Rasche
Guteborn. Mit 400 Unterschriften verleihen die Bewohner des  Straßendorfes ihrer Beschwerde an den Landtag Gewicht. Verkehrsministerin stellt jetzt auch Deckschichterneuerung in Aussicht. Von Andrea Budich

Es geht Schlag auf Schlag auf der zwei Kilometer langen Ortsdurchfahrt der Landesstraße 57 in Guteborn. Schotter, Holz, Zuckerrüben. Und wieder von vorn: Schotter, Holz, Zuckerrüben. Beim Vor-Ort-Termin mit Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) verstehen Landrat Siegurd Heinze (parteilos) und Amtsdirektor Roland Adler ihr eigenes Wort nicht.

Die Szenerie ist nicht vorbereitet. Es ist der ganz normale Wahnsinn an einem Montagnachmittag in dem lärmgeplagten Straßendorf in Autobahnnähe. Ein Lkw nach dem anderen rattert an den Fenstern der Guteborner vorbei. Es donnert, scheppert, holpert und vibriert. Für Anwohner wie Klaus-Dieter Gruszczynski ist das Alltag. Sie verstehen auf dem Hof ihres Grundstücks ihr eigenes Wort nicht mehr.

Um das Straßenlärmproblem in Ruhe zu besprechen, flüchten die Landes- und Kommunalpolitiker vom Straßenrand ins abseits der Landesstraße gelegene Haus der Begegnung. Dabei ist das, was der Ministerin an diesem Montag in Guteborn an Lärm um die Ohren fliegt, schon die weichgespülte Variante. Denn den Gutebornern ist bereits im Sommer der Kragen geplatzt. Mit 400 Unterschriften gehen sie auf die Barrikaden und legen beim Petitionsausschuss des Landtages Beschwerde ein. „Ein ziemliches Achtungszeichen für ein Dorf mit 550 Einwohnern“, bringt es Guteborns Bürgermeister Detlef Ritter auf den Punkt.

Die vom Petitionsausschuss veranlasste Lärmmessung bestätigt dann auch Schwarz auf Weiß, dass der Lärmpegel nicht unerheblich ist. Demenstprechend macht der Petitionsausschuss, zu dem auch die im Nachbardorf wohnende SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Theiss gehört, bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Druck. Alles geht dann schneller als erwartet: Seit dem 24. November sind auf der Ortsdurchfahrt nur noch 30 Sachen erlaubt.

Auch wenn sich die allermeisten Schwerlastfahrer daran nicht halten, ist etwas mehr Ruhe eingekehrt. Das bestätigt Anwohnerin und Gemeindevertreterin Anett Nicklich. „Wir fallen nicht mehr aus dem Bett, wenn es Sonntagnacht losgeht“, sagt sie erleichtert. Wurde früher mit 70 Sachen durchs Dorf gerauscht, sind es heute nur noch 40 bis 50 km/h, die die Geschwindigkeitsmesstafel anzeigt.

Für Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler, selbst ein waschechter Guteborner, ist die Geschwindigkeitsreduzierung jedoch nur ein erster Schritt, der die Situation lindert, aber perspektivisch keinesfalls ausreicht. Denn sobald im kommenden Jahr die beiden Bahnbrücken am Ruhlander Elsterbogen als Nadelöhr wieder freigegeben werden, wird sich die Situation weiter zuspitzen. Hinzu kommen Bestrebungen aus dem Sächsischen, die Trasse hin zur Autobahnauffahrt Ruhland auszubauen. Erste Überlegungen dazu sind im Stadtrat in Bernsdorf vom Sächsischen Ministerium bereits der Öffentlichkeit präsentiert worden. „Damit wird sich der Schwerlastverkehr im lang gezogenen Straßendorf Guteborn um ein Vielfaches erhöhen“, warnt Adler eindringlich. Er kommt deshalb nicht unvorbereitet zum Vor-Ort-Termin und legt erste Varianten für eine mögliche Ortsumfahrung auf den Tisch. Ob eine solche Umfahrung als Königsweg für die Guteborner kommt, will Verkehrsministerin Schneider beim Vor-Ort-Termin nicht abschließend beantworten. Mit Blick auf den Landesstraßen-Bedarfsplan dämpft sie allzu optimische Erwartungen, weil Guteborn nur einer von vielen neuralgischen Punkten landesweit ist. Worum sie sich aber kümmern will, ist eine Fahrbahndeckschicht-Erneuerung durch den Landesbetrieb Straßenwesen. Dabei sollen dann ähnlich wie in Freienhufen und Allmosen die Schachtdeckel der Gullys in den Asphalt eingebettet werden, um den Geräuschpegel deutlich abzuschwächen. Der Gang auf die Barrikaden hat sich für die Guteborner also gelohnt.