ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:50 Uhr

Gute Nachbarschaft im Dorf der Verwandten

Gemeinsame Sache machen Bathower und Beuchower Tagesmütter zur Faschingszeit. Alleinunterhalter werden gebucht, um mit den Knirpsen eine zünftige Party steigen zu lassen.
Gemeinsame Sache machen Bathower und Beuchower Tagesmütter zur Faschingszeit. Alleinunterhalter werden gebucht, um mit den Knirpsen eine zünftige Party steigen zu lassen. FOTO: Uwe Hegewald
Bathow. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Heute nach Bathow. Uwe Hegewald /

Es sind tausende Fahrzeuge, die täglich an Bathow vorbeirollen. Der Calauer Ortsteil liegt unmittelbar an der Autobahn 13 einschließlich der Anschlussstelle und den sprichwörtlichen Katzensprüngen bis nach Berlin und zur sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Eine erst im Jahr 2013 errichtete Lärmschutzwand hält das Fahrzeug-Gedröhn weitgehend vom Dorf fern. Zumindest von den Grundstücken, die unmittelbar an der viel befahrenen Schnellstraße liegen. "Die Anwohner dahinterliegender Grundstücke spüren allerdings kaum Verbesserungen. Offenbar sucht sich der Schall andere Wege, um sich in den Ort zu schleichen", erklärt Armin-Christian Zeuch die Situation.

Als massiv störend empfindet der 39-Jährige das Brummen nicht, wie auch Ehefrau Wencke (38), Töchterchen Taya (12) und Sohn Linus (11). Vor zehn Jahren ist die junge Familie nach Bathow gezogen. Ein bereits vorhandenes Familiengrundstück der Großeltern bot genügend Platz, um die vorhandene Immobilie in ein schmuckes Doppelhaus zu verwandeln. "Es war eine kurzfristige aber richtige Entscheidung. Beim Abwägen waren uns die Nähe zur Kindertagesstätte, zur Schule und zu den Eltern wichtig", begründet Armin-Christian Zeuch, der zwischenzeitlich bereits auf dem Sprung in die alten Bundesländer war, den Entschluss. "In Süddeutschland gab es sogar schon Wohnungsbesichtigungen", bestätigt das Familienoberhaupt, das in der Werchower Stegschänke aufgewachsen ist. Mutter Jutta leitete seinerzeit das renommierte und weitbekannte Gasthaus.

Im Grünen aufgewachsen sei er trotz aller Vorzüge, die ihm die zwischenzeitlichen Wohnorte Cottbus und Calau boten, nie so recht in der Stadt warm geworden. Er weist auf den Blick durch die Panorama-Terrassentür ins Freie, wo eine weite Wiese und der angrenzende Wald eine Aussicht par excellence bieten. "Wenn im Frühjahr der Mirabellenbaum noch seine weiße Blütenpracht entwickelt, ist das Glück nahezu perfekt", so der Bathower.

Armin-Christian Zeuch räumt ein, dass der in der Baubranche tätige Schwager die treibende Kraft beim Schaffen des Doppelhauses gewesen ist. Unterstützung gab es aber auch von anderen Familienmitgliedern. Selbst aus Frankreich ist ein Verwandter zu Tischlerarbeiten eingeflogen worden. Nicht vergessen haben die beiden Häuslebauer-Familien externe Hilfsangebote aus dem Dorf. "Das ist aber charakteristisch für Bathow, wo Nachbarschaftshilfe groß geschrieben wird", führt Zeuch an. Viele Leute im Ort seien über die sprichwörtlichen sieben Ecken miteinander verwandt, was durch die Historie belegt sei. Niedersorbisch bedeutet Bathow "Ort der Verwandten".

Zwischenmenschliches und Gesellschaftliches werde oftmals über die freiwillige Feuerwehr im Lot gehalten. So sei es nicht ausgeschlossen, dass beim Heulen der Sirene auch Dorfbewohner zum Einsatzort eilen, um sich nützlich zu machen. "Dazu braucht man kein Mitgliedsbuch, auch wenn kein Versicherungsanspruch besteht", sagt Armin-Christian Zeuch. Als es vor einigen Jahren darum ging, Sandsäcke für das vom Hochwasser bedrohte Nachbardorf Erpitz zu füllen und zu transportieren, meldete auch er sich freiwillig zum Dienst.

Das Alleinstellungsmerkmal von Bathow ist zweifellos die Kinderbetreuung. Seit Juli 2004 engagiert sich Viola Toberna als Tagesmutti, 2015 folgte ihr ihre Schwester Birgit Jedro-Mudraschk. "Vorausgegangen war ein dreieinhalb Jahre währender Kampf, im Lübbenauer Ortsteil Eisdorf eine private Kita zu etablieren", erzählt Viola Toberna.

Das zähe Ringen, die Niederlage und auch gesetzliche Zwänge veranlassen die Tagesmutter ihren Job am 31. August generell zu beenden. "Wir haben den gleichen Personalschlüssel wie Kolleginnen in städtischen Einrichtungen. Mit unseren Angeboten kommen wir schnell auf eine Wochenarbeitszeit von 50 bis 60 Stunden", begründet sie das Ziehen der Reißleine. Bedauerlich ist das für Bathow, das erst kürzlich erst die Schließung des Gasthauses hinnehmen musste.

"Wir respektieren die Geschäftsaufgabe aus Altersgründen. Was bleibt ist das Erinnern an gesellige Stunden im Gasthaus", resümiert Armin-Christian Zeuch, um gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. "Ein schneller Internetzugang ist längst überfällig. Allein schon der Kinder wegen, die für Hausaufgaben bis zu den Großeltern nach Calau fahren müssen, um sich dort die nötigen Informationen aus dem Netz zu laden." Ansonsten lebe es sich aber ausgezeichnet im kleinen Dorf mit seinem historisch verbrieften Verwandtschafts-Status und dem Sound, der von der Autobahn hereingetragen wird. Dass dies der Fall ist, wissen Bewohner und interessierte Zuzügler ja.

Zum Thema:
In Bathow an der Autobahn leben aktuell 59 Menschen. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Calau (31. Dezember 2001) bildeten zuvor die Nachbardörfer Zinnitz und Bathow die schöne Gemeinde Zinnitz. Die derzeit angesagteste Bathow erin ist Elke Garz. Denn als Mitarbeiterin und Gästeführerin bei Spreewald-Rabe in Boblitz erweist sie sich als renommierte Botschafterin des regionalen Charaktergemüses: der Spreewälder Gurke.