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| 14:13 Uhr

Geruchsbelästigung aus dem Schmutzwasserkanal
Gully-Geruch stinkt Ortrandern

 Es stinkt aus den Gullys und Einleitstellen in der Ortrander Lehnsmühlstraße. Annedore Wieschollek (78) traut sich kaum, tief durchzuatmen.
Es stinkt aus den Gullys und Einleitstellen in der Ortrander Lehnsmühlstraße. Annedore Wieschollek (78) traut sich kaum, tief durchzuatmen. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Ortrand. Ekel-Kanalgerüche machen den Bewohnern der Lehnsmühlstraße das Leben schwer. Die offenen Einleitstellen für das Regenwasser in den Schmutzwasserkanal sind die Verursacher. Von Andrea Budich

Annedore Wieschollek stinkt es gewaltig. Wenn die 78-Jährige einen Schritt auf  den Hof macht, dann wehen ihr penetrante Fäkal- und Fäulnisgerüche  um die Nase. Auf ihrem Anwesen in der Ortrander Lehnsmühlstraße riecht es nicht gut und es gibt Tage, an denen es im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkt.

  „Nicht einmal im Winter können wir in der Nachbarschaft aufatmen“, klagt sie. Seit Jahren leidet die Ortranderin unter übel riechenden Dämpfen und Gasen, die  aus den Gullys auf der Straße und  aus dem Einlauf  auf ihrem Hof strömen.

Versucht hat die Rentnerin schon so gut wie alles. Wenn es wieder einmal besonders übel stinkt, dann schmeißt sie ihre Waschmaschine an. „Damit  Wasser durch die Leitungen schießt“, erklärt sie. Die Hausfrauen-Abwehr bringt indes nur  wenig Entlastung. Fenster schließen und drinnen bleiben ist an den Stinke-Tagen die einzige Lösung.

Der Nasenklammer-Alarm aus der Ortrander Lehnsmühlstraße ist beim Wasserverband Lausitz in Senftenberg  bekannt. Die Ursache für das Stinke-Thema aber auch. Denn in der  Lehnsmühlstraße  wird  von mehreren Grundstücken das Regenwasser  mangels anderer Möglichkeiten in den Schmutzwasserkanal eingeleitet. Eine klassische DDR-Altlast, die  geduldet wird.  Über diese alten Einleitungen auf den Höfen der Bewohner „atmet“ der Kanal in die Umgebung. „Dort, wo  die Kanäle gegen die Atmosphäre atmen können, kommt  es  schubweise zum Austritt  der riechenden Faulgase“, bestätigt  der Vorsteher des Wasserverbandes Lausitz (WAL), Dr. Roland Socher.

Das Schmutzwasser aus Kroppen, dem Gewerbegebiet Walkteich, dem Gebiet  Heinersdorfer Straße  und auch  vom Campingplatz wird über mehrere Pumpstationen gefördert, ehe  es  über die  Lehnsmühlstraße im freien Gefälle  der  Hauptpumpstation Ortrand zufließt.  Bei geringem  Schmutzwasseranfall kommt es zu längeren Stillstandszeiten, die zur Faulung  des Abwassers führen. „Das ist mit der Bildung  sehr geruchsintensiver Faulgase verbunden“, erklärt  Ulf Riska,  Sprecher der Betriebsgesellschaft des Wasserverbandes Lausitz (WAL-Betrieb). Und eben diese  suchen sich ihren Weg nach draußen über die Einleitstellen auf den Höfen.

Um die  Geruchsbelästigungen aus den Schmutzwasserkanälen einzudämmen, hat der Wasserverband  zahlreiche Geruchsverschlusssysteme in den Kanälen  nachgerüstet. Selbiges legt der  Verbandsvorsteher auch den Bewohnern der Lehnsmühlstraße ans Herz.

Er empfiehlt,  dass die Grundstückseigentümer  an ihren Einleitstellen ebenfalls  Geruchsverschlüsse   nachrüsten lassen.  Das beseitigt  zwar nicht die Ursache des Problems,  lindert aber den Gestank. Flankierend sagt der WAL-Chef  zu, dass  der Kanal in der Lehnsmühlstraße  regelmäßig und  auch häufiger als üblich gespült wird - in der Hoffnung, dass Annedore Wieschollek dann  wieder öfter ihre Fenster öffnen kann.