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| 17:15 Uhr

Naturschutzmacher im RUNDSCHAU-Porträt
Ein (Fledermaus-)Mann für alle Fälle

Regelmäßig kontrolliert Günter Walczak Fledermauskästen, die an Bäumen im Naturschutzgebiet Westmarkscheide-Mariensumpf zwischen Großräschen und Meuro angebracht sind. Die Kästen in verschiedenen Ausführungen werden von den fliegenden Säugetieren als Wochenstuben, aber auch als Winterquartiere genutzt.
Regelmäßig kontrolliert Günter Walczak Fledermauskästen, die an Bäumen im Naturschutzgebiet Westmarkscheide-Mariensumpf zwischen Großräschen und Meuro angebracht sind. Die Kästen in verschiedenen Ausführungen werden von den fliegenden Säugetieren als Wochenstuben, aber auch als Winterquartiere genutzt. FOTO: Uwe Hegewald
Großräschen. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Günter Walczak aus Großräschen. Von Uwe Hegewald

Im englischen Sprachraum würde man Günter Walczak kurz Batman nennen, was übersetzt Fledermausmann bedeutet. Bei dem Großräschener handelt es sich jedoch nicht um eine irreale Comicfigur, sondern um einen passionierten Tier- und Naturschützer, dem es insbesondere die kleinen, fliegenden Säugetiere angetan haben.

„Mich beeindrucken Fledermäuse seit mehr als 30 Jahren. Bis heute haben sie nichts an Faszination verloren“, sagt der See-Städter. Bereits als kleinen aufgeweckten Knaben zog es ihn ins Freie. Per Drahtesel ging es in Wald und Flur, wodurch er sich bei seinen Ausflügen Wissen aneignete, das selbst seine Eltern und Geschwister ins Staunen versetzte. „Ende der 1970er-Jahre benötigten die Leute aus der damaligen Ortsgruppe Naturschutz wenig Überzeugungsarbeit, um mich für ihre Sache zu gewinnen“, blickt Günter Walczak zurück.

Über die Ornithologie (Vogelkunde), zu der er sich noch heute hingezogen fühlt, kam er zu den Fledermäusen, die den Globus seit 50 Millionen Jahren bevölkern. Mit jeder Arbeitstagung im damaligen Bezirk Cottbus, an denen er Mitte der 1985er-Jahre teilnahm, stieg das Interesse für die Spezies, von der es nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) weltweit 1200 Arten gibt. Sie gelten als die einzigen Säugetiere, die jemals den aktiven Flug erlernt haben.

„Das Leben in der Dunkelheit, ihre Fähigkeiten, mit den Ohren zu sehen und mit mehr als 800 Herzschlägen pro Minute durch die Lüfte zu sausen, sind nur einige weitere Aspekte, die diese Tiere so einzigartig machen“, so der Nabu in seinem Fledermaus-Porträt. „In Deutschland sind 25 Arten bekannt, von denen 18 im Land Brandenburg nachgewiesen sind“, fügt Günter Walczak hinzu. Jährlich veranstalte das Land im Sommer eine Arbeitstagung mit Fledermausexperten der Mark und aus Berlin, die sich über ein ganzes Wochenende zieht. „Oftmals mit wechselnden Versammlungsorten. Vor ein paar Jahren war Annahütte als Treffpunkt auserwählt worden“, berichtet der Großräschener.

Betroffenheit ist aus seinen Augen abzulesen: „Vor einem Jahr verstarb mit Milan Podany (1963-2017) ein ausgesprochener Fledermaus-Spezialist. Der Luckauer mit tschechischen Wurzeln stand immer als Ansprechpartner zur Verfügung. Er hat eine riesige Lücke gerissen“, bedauert Günter Walczak. Ansprechpartner will auch er sein – für interessierte Schülergruppen, naturverbundene Mitmenschen, aber auch für Personen, die sich in Sachen Fledermäuse noch immer schwer tun. „Ich bin schon dankbar, wenn Leute bei mir anrufen, weil sich eines der kleinen Tierchen in ihren Räumen verflogen hat und sie diesem nicht mit brachialer Gewalt entgegentreten“, erklärt er.

Mit Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit will er Vorurteile ausräumen, die den possierlichen Tieren seit Generationen anhängen. Die weit verbreitete Meinung, dass Fledermäuse sich in Haaren verfangen, sei allenfalls haarsträubend. Dem gegenüber steht der Nachweis, dass einzelne Fledermausarten in einem Sommer bis zu 400 000 Stechmücken vertilgen.

Warum die nachtaktiven Insektenjäger einen so hohen Schutzstatus genießen, macht Günter Walczak an mehreren Faktoren fest. „Aufgrund der immer geringeren Zahl an Insekten, geht den Tieren die Nahrungsgrundlage verloren. Das ruft nach einem besonnenen Umgang mit Insektiziden, wenn diese überhaupt notwendig sind“, appelliert er.

Zudem seien den Tieren mit den Sanierungen an Gebäuden wichtige Wochenstuben verloren gegangen. „Das hat bereits Anfang der 1990er-Jahre mit dem Einziehen von Dachfolien begonnen.“ Fledermauskästen seien eine erprobte Alternative, um den Bestandsrückgang zu stoppen. „Inzwischen gibt es Fledermauskästen in verschiedenen Ausführungen, sogar Winterschlafkästen, die mit natürlichen Quartieren, wie etwa Baumhöhlen zu vergleichen sind“, führt der „Fledermausmann“ des Naturschutzbeirates OSL an.

Längst betreut er auch Quartiere in Cottbus oder Spremberg und berät jene Leute, die sich mit dem Gedanken tragen, Fledermauskästen zu bauen, zu erwerben oder anzubringen. Stellvertretend ist die Aktion „Fledermaus komm ins Haus“ der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt zu nennen, die private Initiativen zum Fledermausschutz würdigt. Mit dem Anbringen der Kästen rücken Gebäudeeigentümer schließlich zu Hoteliers auf, die besondere Gäste beherbergen: faszinierende, aber vom Aussterben bedrohte und daher streng geschützte Säugetiere.