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| 15:59 Uhr

Naturschutz und Bergbausanierung
Grünhaus wird das Land der Fließe

Dieser Kanal schlängelt sich über 640 Meter vom Heidesee zum Kleinleipischer See.
Dieser Kanal schlängelt sich über 640 Meter vom Heidesee zum Kleinleipischer See. FOTO: Richter-Zippack
Lichterfeld/Lauchhammer. Zwischen Finsterwalde, Lauchhammer und Plessa entsteht eine neue Restlochkette. Die ersten fünf Kanäle zwischen den Seen sind bereits fertig. Der Großteil folgt in den nächsten Jahren. Von Torsten Richter-Zippack

Zwölf bis 13 Kanäle wird es mittelfristig im Herzen des Lausitzer Seenlandes zwischen Senftenberg, Spremberg und Hoyerswerda geben. Diese dienen neben der Wasserwirtschaft auch dem Tourismus. Mindestens genauso viele Überleiter entstehen in der kleinen Restlochkette im Dreieck der Orte Finsterwalde, Lauchhammer und Plessa. Allerdings ausschließlich aus wasserwirtschaftlichen Gründen. Fünf Verbinder sind dort inzwischen vollendet, sagt Frank Sauer, Projektmanager der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Einer führt vom Bergheider See in die Seeteichsenke unweit des Besucherbergwerkes F 60. Ein weiterer Kanal verbindet über 640 Meter die rund 30 Hektar große Seeteichsenke mit dem 51 Hek­tar umfassenden Heidesee ein Stück weit südwestlich. Dieses Restloch des Tagebaus Kleinleipisch wiede­rum ist via Kanal mit dem Kleinleipischer See, dem nach dem Bergheider See zweitgrößten Gewässer im Naturparadies Grünhaus, verbunden. Dieser Überleiter führt allerdings nicht schnurgerade durch die Bergbaufolgelandschaft, sondern in mehreren Kurven. Fachleute sagen: das Fließgewässer mäandriert. Dieser rund 640 Meter lange Verbinder ist erst im Frühjahr 2018 vollendet worden. „Er passt sich gut in die umgebende Landschaft ein“, lobt Dr. Stefan Röhrscheid vom Nabu-Naturparadies Grünhaus, in dessen Reich sich mehrere Überleiter befinden. Aber: „Das Gefälle ist für Niederlausitzer Verhältnisse recht groß, der Kanal hätte zudem breiter werden können, um eine stärkere Ausdehnung des Wassers zu erreichen. Aber wie es jetzt gemacht wurde, ist es in Ordnung, genauso steht es auch in den genehmigten Plänen“, urteilt der Naturschutzexperte.

Immerhin, so fügt Bergbausanierer Frank Sauer an, werde durch den neuen Kanal zwischen Heidesee und Kleinleipischer See ein alter Fahrweg unterbrochen. „Somit dürfte es in den gegenüberliegenden Gebietsteilen wesentlich ruhiger werden.“ Schließlich sei Ruhe für viele der in der Region vorkommenden Tierarten lebenswichtig. Inzwischen, das haben Zählungen der Naturschützer ergeben, sind in Grünhaus rund 3000 Tier- und Pflanzenarten heimisch. „Manche sind aber durch die Bergbausanierung wieder verschwunden, andere dazugekommen“, resümiert Stefan Röhrscheid.

Vom Kleinleipischer See soll die Überleiter-Kaskade in südwestlicher Richtung fortgesetzt werden. Bislang führt dort eine 80 Zentimeter starke Heberleitung das Wasser in den Grünewalder Raum ab.

Das Kanalsystem wird in Richtung Grünewalde fortgeführt. Bereits Anfang 2019 starten die Arbeiten an einer neuen Brücke, die zwischen Grünewalde und Staupitz einen Überleiter überqueren wird. Wann das komplette System bis Plessa einmal vollendet ist, könne derzeitig noch niemand mit Bestimmtheit sagen. Nur so viel: „Wir bauen auf jeden Fall ins nächste Jahrzehnt hinein“, kündigt Frank Sauer an. Insgesamt werde das Kanalsystem zwischen dem Bergheider See im Nordosten und der Schwarzen Elster bei Plessa eine Gesamtlänge von rund zehn Kilometern aufweisen.

Nicht zuletzt müssen die Ingenieure die Überleiter besonders widerstandsfähig bauen. Denn durch die Verbinder läuft extrem saures Wasser mit pH-Werten zwischen zwei und drei. Erst bei Plessa erfolgt eine Konditionierung des Wassers mittels Kalk. Der Bau einer entsprechenden Bekalkungsstation startet bald, die Vorarbeiten haben bereits begonnen.

Das Kanalsystem in der kleinen Restlochkette ist aus wasserwirtschaftlichen Gründen zwingend notwendig, erklärt Stefan Röhrscheid. Denn durch den jahrzehntelangen Bergbau wurde das ursprüngliche Gewässernetz, das sich einst auf den Floßgraben konzentrierte, komplett zerstört. Jetzt beginnt sich der Grundwasserspiegel wieder einzupegeln. Soll heißen, dass eine neue Entwässerung geschaffen werden muss, um ein großteiliges Versumpfen des Gebietes zu verhindern. Außerdem müssen die berechneten Wasserstände in den sanierten Restlöchern eingehalten werden.

Bis auf die Kanäle sind die Bergbausanierer zumindest im ehemaligen Tagebau Kleinleipisch, der vor genau 40 Jahren ausgelaufen ist, westlich der Straße Lauchhammer-Lichterfeld so gut wie durch, erklärt Frank Sauer. Derzeit erfolgen an mehreren Stellen Rekultivierungsarbeiten. Beispielsweise östlich des Kleinleipischer Sees. Dort entsteht ein neuer Kippenwald. Derzeit erfolgt die Vorbereitung des Untergrundes. Darüber hinaus sollen im Gebiet rund 35 000 Weidenstecklinge in die Erosionsrinnen gepflanzt werden, um den schnellen Wasserabfluss zu bremsen. Die ersten wurden bereits am Heidesee in den Kippenboden gebracht. Die Arbeiten an und auf den Böschungen sollen im kommenden Jahr vollendet werden.