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| 18:20 Uhr

600-Jahr-Feier in Grünewalde
Grünewalder Historie rollt durchs Dorf

Mit von der Partie beim großen Umzug war auch der Heimatverein Kleinleipisch. Die Nachbarn feiern selbst im Juni ihr rundes Jubiläum.
Mit von der Partie beim großen Umzug war auch der Heimatverein Kleinleipisch. Die Nachbarn feiern selbst im Juni ihr rundes Jubiläum. FOTO: Richter-Zippack Torsten
Grünewalde. Am Wochenende haben die Grünewalder die 600. Wiederkehr der Ersterwähnung ihres Ortes gefeiert. Höhepunkt ist der Festumzug mit 172 Mitwirkenden. Ministerpräsident Woidke zollt der Dorfgemeinschaft seinen Respekt. Von Torsten Richter-Zippack

Grünewalde soll genau 600 Jahre alt sein? Das glauben die Narren des Carneval Clubs Grünewalde 83 nicht.

„Denn das ist Unsinn“, befindet CCG-Mitglied Thomas Walter mit zwinkernden Augen. „Wer hat das Dorf gefunden? Natürlich die Neander-Grünewalder“, fügt er an. Kein Wunder, dass die Karnevalisten mit den keulenschwingenden Wesen und ihrem knochendekorierten Wagen den großen Festumzug aufmischen. „Zwei Tage hat`s gedauert und einen Kasten Bier, dann war das Gefährt vollendet“, erinnert sich Walter. Tatsächlich haben die Karnevalisten nicht ganz Unrecht. Denn zwar ist die bislang älteste Urkunde mit der Grünewalder Ersterwähnung auf den 11. Mai 1418 datiert, doch bereits vor rund 3000 Jahren lebten Menschen in der Gegend, wie entsprechende archäologische Funde beweisen. Mit den Neandertalern haben die CCG-Narren dann aber doch ein wenig übertrieben. Diese längst ausgestorbenen menschenähnlichen Kreaturen lebten bereits vor über 100 000 Jahren.

Die Grünewalder Angler präsentieren, wie man die wirklich dicken Fische aus dem Wasser zieht.
Die Grünewalder Angler präsentieren, wie man die wirklich dicken Fische aus dem Wasser zieht. FOTO: Richter-Zippack Torsten

Insgesamt 55 Bilder umfasst der historische Festumzug, der sich am frühen Sonnabendnachmittag durch Grünewalde zieht. „Wir haben 172 Mitwirkende. Und das bei rund 1300 Einwohnern“, rechnet Dr. Siegfried Thomas vom örtlichen Heimatverein vor. Klar, dass dabei auch der Bergbau nicht fehlen darf. Dafür ist der Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer zuständig. Vorstandsmitglied Jörg Hertel weist auf die 150-jährige Geschichte des Braunkohlenabbaus in der Region hin. Übrigens: Vor genau 40 Jahren lief der Tagebau Kleinleipisch aus, der sich nordöstlich des Dorfes erstreckte. Und seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist der Bergbau im Lauchhammeraner Revier, zu dem Grünewalde zählt, ohnehin Geschichte.

In die Historie gehört auch der einstige Gartenbauverein Grünewalde. „Die Mitglieder hatten Versuchsfelder und Gärten angelegt“, berichtet Simone Waghals, die gemeinsam mit Jaqueline Waghals und Alice Beck diesen Umzugswagen schmückt. Auf diesem befinden sich neben diversen Süßkartoffeln auch ein Pfeifenbaum, verschiedene Kräuter sowie Blumen. „Meine Oma war Mitglied bei den Gartenbaufreunden“, erinnert sich Simone Waghals.

Das ganze Dorf scheint während des Umzuges auf den Beinen. Viele Einheimische können sich nicht daran erinnern, so zahlreiche Menschen auf einmal entlang der Strecke schon einmal gesehen zu haben. Zu den Gästen gehört auch Ministerpräsident Dietmar Woidke. „Ich bin sehr gern zu Ihnen gekommen. Vor dem in Grünewalde Geleisteten kann ich nur den Hut ziehen.“ Zudem weist der Landesvater darauf hin, dass man gemeinsam mit den Sachsen, Grünewalde wurde bis zum Jahr 1815 von Dresden regiert, für den Strukturwandel in der Lausitz streiten solle. „Da müssen wir zusammenhalten. Und Ihre Dorfgemeinschaft ist dafür ein besonderes Beispiel“, lobt der Ministerpräsident.

Stolz auf seine Grünewalder ist auch Ortsvorsteher Reinhard Lanzke. „Es gab im Vorfeld drei Infoveranstaltungen. Unter anderem ging es dabei auch um die Ausschmückung des Ortes zur 600-Jahr-Feier. Die Leute machen wunderbar mit.“

Beispielsweise Familie Kipsch in der Lindenallee. An ihrem Haus prangt eine große gelbe „600“. Und das aus gutem Grund: „Hier haben mein Ururopa und mein Uropa einst die Poststelle betrieben“, erzählt Sabine Kipsch. Bis nach der Wende hatte die Filiale Bestand. Dann wurde der Haupteingang zugemauert und die Post zum Wohnhaus umgebaut. Heute können die Grünewalder ihre Briefe und Pakete im Geschäft Pertzsch abgeben.

Anlässlich der 600-Jahr-Feier hat der Grünewalder Heimatverein eine neue Ausstellung über die Orts- und Heimatgeschichte gestaltet. Sie ist in der alten Schule am Dorfteich zu sehen. Besonders stolz ist Protagonist Siegfried Thomas auf eine Leihgabe der Grünewalderin Helga Gröger. „Es handelt sich um eine Bibel mit der Familienchronik der Familie Starke. Das Buch trägt das Siegel der Bibelgesellschaft Mückenberg, und der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1848.“